Erschossen bei Gießen

Hells Angels Gießen: Tod von Aygün Mucuk jährt sich – Hintergründe nie geklärt

Vier Jahre ist es her, dass Aygün Mucuk in Gießen erschossen wurde. Der Fall gibt bis heute Rätsel auf. Es gibt verschiedene Theorien zu möglichen Hintergründen.

  • Vor vier Jahren wurde der Boss der Hells Angels Gießen erschossen.
  • Für Beobachter bleibt bis heute die Frage: Warum musste Aygün Mucuk sterben?
  • Drei mögliche Motive werden diskutiert.
  • Die Hells Angels Gießen gibt es weiterhin, doch sie stehen weniger in der Öffentlichkeit.

Gießen/Wettenberg – Es sind die frühen Morgenstunden des 7. Oktober 2016, als in Wettenberg bei Gießen 17 Schüsse fallen. Auf dem Gelände des damaligen Clubheims der Hells Angels Gießen wird Aygün Mucuk getötet. Von mindestens zwei Tätern werden die Ermittler bald ausgehen.

Hells Angels Gießen: Wer erschoss Aygün Mucuk?  

Die Tat, die sogar international für Aufsehen sorgte, jährt sich 2020 zum vierten Mal. Für Polizei und Staatsanwaltschaft sind die Ermittlungen schwierig. Die Komplikationen hängen mit der Person des Opfers zusammen – und mit dem Kodex der Hells Angels. Die Beamten haben unzählige Hinweise zum Fall Aygün Mucuk erhalten und zahlreiche Zeugen befragt. Sie gingen mit Hilfsgesuchen an die Öffentlichkeit, präsentierten in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ das Modell einer der mutmaßlichen Tatwaffen. Doch bisher ohne Erfolg. 

Hells Angels Gießen: Warum wurde Aygün Mucuk erschossen? 

Aygün Mucuk war auf dem Gelände des Vereinsheims der Hells Angels in Wettenberg bei Gießen erschossen worden.

Bis heute ist nicht bekannt, wer Agyün Mucuk in Wettenberg (Kreis Gießen) erschoss. Und auch über die Hintergründe, die Motivation der Täter, gibt es lediglich Vermutungen. Drei Theorien stehen im Raum: 

  1. Unter anderem Bilder aus dem Hells-Angels-Clubheim in Wettenberg liefern Stoff für Theorie 1: In einer Spiegel-TV-Dokumentation sind Szenen einer Party für einen Hells Angel zu sehen, bevor dieser den Gang ins Gefängnis antreten muss. Neben anderen Gästen hatte Aygün Mucuk hier seine Familie eingeladen: Offenbar nicht gerade üblich. Die Tatsache, dass er ein Kamerateam nah an sich und seine Vertrauten heran ließ, ist ebenfalls mehr als ungewöhnlich in der Rocker-Szene. "Auch im eigenen Charter sind viele von seinen Alleingängen genervt", heißt es entsprechend in der Dokumentation. Eine andere Szene zeigt Mucuk im Waldorf-Astoria zu Berlin, "während seine Club-Brüder in einem Billig-Hotel mit Schulklassen übernachten", wie es Spiegel-TV berichtet. War Ärger innerhalb der Gießener Hells Angels Hintergrund für den Mord? 
  2. Der Machtkampf zwischen alten und neuen Hells Angels ist Grundlage für Theorie 2: Bei den Hells Angels Frankfurt waren einige Jahre vor dem Aufstieg Aygün Mucuks immer mehr junge Männer mit Migrationshintergrund dem Club beigetreten – rekrutiert für den Kampf gegen die Bandidos . Einer der ersten Neuen mit ausländischen Wurzeln: der Gießener Aygün Mucuk selbst. 2014 gründete er sein eigenes Charter in Gießen. Der Bruch mit den Frankfurtern war bald besiegelt. Lukrative Türsteher-Jobs gibt es schließlich nicht wie Sand am Meer. Für Schlagzeilen sorgte in diesem Zusammenhang auch ein Angriff auf einen Club in Frankfurt. Ging es beim Mord um regionale Streitigkeiten? 
  3. Ein Besuch in Berlin liefert Anlass für Theorie 3: Aygün Mucuk ist laut einer Spiegel-TV-Dokumentation in der Hauptstadt, um der Beerdigung eines Mitglieds der Guerilla Nation beizuwohnen. Der Mann war von hinten erschossen worden. Sogar den Trauermarsch führt der damalige Boss der Gießener Hells Angels an. "Dass die Guerilla Nation den Berliner Hells Angels Probleme macht, dass es sogar zu Auseinandersetzungen kam, stört Mucuk wenig", wird in der Dokumentation erklärt. Eine Woche später ist der Gießener tot. Führten Streitigkeiten über die Ausrichtung der Hells Angels zum Mord?

Hells Angels Gießen: Charter soll weiter existieren

Das Clubheim in Wißmar gibt es mittlerweile nicht mehr. Bereits wenige Monate nach dem Tod von Agyün Mucuk hatten die Hells Angels Gießen es verlassen. Das Gießener Charter soll derweil weiterhin existieren. Unter einem neuen Boss. Inzwischen sind die letzten öffentlich ausgetragenen Konflikte, an denen die Hells Angels Gießen beteiligt waren, aber längere Zeit her. (red)

Rubriklistenbild: © dpa

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