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„Deutscher Topstandort für Rechenzentren“: Hessen soll das Silicon Valley Europas werden

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Von: Michelle Mantey

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Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) legt Zahlen der IKT-Studie in Hessen vor und verkündet ihre ambitionierten Ziele für das Land.

Frankfurt - „Unser Ziel ist es, Hessen zum Silicon Valley Europas weiterzuentwickeln“, sagt Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) und verkündet ihre Ziele für das Land Hessen. Das Silicon Valley liegt eigentlich in Kalifornien und ist bekannt für die dort ansässigen Technologieunternehmen wie Google oder Facebook. Grundlage dieser Aussage bildet die kürzlich veröffentlichte Studie zur Informations- und Kommunikationstechnologiebranche (IKT) in Hessen.

Die Studie zeigt einen Anstieg der Umsatzzahlen von 2015 bis 2020 in der IKT-Branche um fast 50 Prozent. Laut Pressemitteilung der Ministerin Sinemus soll der Umsatz von 34 Mrd. Euro 2020 auf 39 Mrd. 2022 steigen sein - ein Aufwärtstrend nach der krisenbedingten Stagnation 2020. Auch die Anzahl der Beschäftigten ist stark angestiegen. 2015 waren es noch 93.000 Beschäftigte in der IKT-Branche. 2021 ist die Zahl auf 120.000 Personen angewachsen.

Symbolbild Kritische Infrastruktur, Skyline von Frankfurt am Main, Datenkabel, Hacker-Code, Kritische Infrastruktur ***
Digitalisierung in Frankfurt © IMAGO / Jochen Tack

Frankfurt und Darmstadt als Standorte der Digitalisierung in Hessen

Dabei kommt ein Drittel der Arbeitskräfte aus Frankfurt, danach folgen Darmstadt und der Main-Taunus-Kreis. Zuletzt belegte die Stadt Darmstadt im bundesweiten Vergleich Platz fünf der besten Smart Cities. Zudem befindet sich in Darmstadt der Standort für das nationale Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit „Athene“. Das Unternehmen beschäftigt sich mit den Kernfragen der Cybersicherheit in der Digitalisierung.

Auch Frankfurt ist mit dem DE-CIX-Standort - dem weltweit größten Internetknoten - gut aufgestellt. DE-CIX gelang 2022 der Weltrekord beim Datendurchsatz: Erstmalig wurde die Grenze von 14 Terabit pro Sekunde überschritten. Das entspricht mehr als drei Millionen gleichzeitig gestreamter Live-Videos in HD-Qualität. Die Zentren tagen nicht nur zu einem Fortschritt in der Digitalisierung bei: Die Stadt Frankfurt will die in den Rechenzentren produzierte Abwärme für das Beheizen bestimmter Stadtteile nutzen.

Zukunft der Digitalisierung in Frankfurt - Wird Hessen zum neuen Silicon Valley?

Hessens als Silicon Valley Europas zu etablieren, begünstigt auch die Entwicklung in der Start-up-Szene. So gaben 2020 40% der Start-ups an, in der Informations- und Kommunikationstechnologie tätig zu sein. Laut der vorliegenden Studie sind es bundesweit nur 30 Prozent. „Hessen ist der deutsche Topstandort für Rechenzentren“, sagt Sinemus, denn in Hessen liegen ein Drittel aller deutschen Rechenzentrumskapazitäten. Ein Argument für die Gründung neuer Start-ups am Standort Hessen.

Doch Sinemus muss nach Veröffentlichung der Studie jede Menge Kritik einstecken. So kritisiert Bijan Kaffenberger, der digitalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, dass die Studie erst nach vier Jahren veröffentlicht wurde: „Es scheint fast so, als hätte die Ministerin die Branche erst jetzt entdeckt und möchte sich nun zum Ende der Legislaturperiode mit fremden Federn schmücken.“

Weitere Kritik gibt es von der FDP-Fraktion. So mahnt der digitalpolitische Sprecher Oliver Stirböck: „Tatsächlich droht der Exodus der Rechenzentren nach Skandinavien, weil sie dort bessere Bedingungen vorfinden.“ Deshalb sollen die Rechenzentren unterstützt und nicht durch Regulation vertrieben werden. Ob sich Hessen tatsächlich zu einem europäischen Silicon Valley entwickelt bleibt also abzuwarten. (mm)

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