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„Über meine Entscheidung waren alle überrascht“: 18-Jähriger zieht nach Abitur in Fuldaer Kloster

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Von: Niklas Hecht

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Peter Roberg (r) und Pater Cornelius Bohl, Guardian des Klosters Frauenberg, sitzen im Franziskanerkloster Frauenberg nebeneinander. Der 18-Jährige absolviert im Kloster ein „Freiwilliges Ordensjahr“.
Peter Roberg (r) und Pater Cornelius Bohl, Guardian des Klosters Frauenberg, sitzen im Franziskanerkloster Frauenberg nebeneinander. Der 18-Jährige absolviert im Kloster ein „Freiwilliges Ordensjahr“. © Sebastian Gollnow/dpa

Peter Roberg absolviert ein „Freiwilliges Ordensjahr“. Er lebt für zwölf Monate im Kloster Frauenberg in Fulda. „Ich bin schon mehr oder weniger religiös“, sagt er.

Fulda – Ausbildung, Studium oder vielleicht doch ein Jahr nach Australien? Viele junge Menschen überlegen lange, was sie nach dem Abitur machen sollen. Für einen gänzlich anderen Weg entschied sich Peter Roberg. Der 18-Jährige absolviert seit Anfang Oktober ein „Freiwilliges Ordensjahr“ im Kloster Frauenberg in Fulda. „Ich möchte ein bisschen mehr zu mir selbst finden, meine religiöse Seite ausbauen und vielleicht auch meinen Weg für die Zukunft finden“, erklärt Roberg seinen ungewöhnlichen Weg. Bis zum kommenden Herbst lebt und arbeitet der 18-Jährige nun gemeinsam mit acht Franziskanerbrüdern im Kloster.

Er kombiniert sein „Freiwilliges Ordensjahr“ mit einem Bundesfreiwilligendienst bei der Bürgerstiftung „Antonius“, die auf dem Frauenberg seit 2016 ein inklusives Ausbildungs- und Arbeitsprojekt umsetzt und das Tagungs- und Gästehaus im Kloster führt. Dafür erhält er ein Taschengeld von monatlich 420 Euro.

Roberg wurde in Kempen am Niederrhein geboren. Seit der 6. Klasse ging er auf ein Internat im sächsischen Meißen. Auf das Ordensjahr aufmerksam wurde der 18-Jährige durch einen Religionslehrer. Für das Kloster im hessischen Fulda entschied er sich, weil ihm die Bilder im Internet am besten gefielen. Nach zwei Monaten Probemonaten im Februar, währenddessen sich Roberg auf sein Abitur vorbereitete, stand die Entscheidung für das Ordensjahr fest. „Ich bin katholisch geprägt aufgewachsen und bin schon mehr oder weniger religiös“, sagt er.

Abiturient zieht in Kloster in Fulda: „Ich erlebe ein großes Gemeinschaftsgefühl“

Seine Freunde und Familie kommen ihn im hessischen Fulda regelmäßig besuchen. „Über meine Entscheidung für das Kloster waren alle überrascht, weil das in meinem Alter schon ungewöhnlich ist. Aber sie finden es cool“, erklärt der 18-Jährige, der sich im Kloster bislang pudelwohl fühlt. Seine acht Ordensbrüder seien ihm gegenüber alle sehr offen, auch wenn sich bei manchen Themen der Altersunterschied bemerkbar mache.  „Ich erlebe ein großes Gemeinschaftsgefühl. Die Brüder reden mich zum Teil schon mit Bruder Peter an“, sagt Roberg, der im Kloster im Gegensatz zu den Franziskanerbrüdern normale Kleidung statt brauner Kutte trägt.

Das „Freiwilliges Ordensjahr“ wurde 2019 von der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK)ins Leben gerufen. Seit der Einführung haben 51 Menschen ein Ordensjahr absolviert, erklärt die Koordinatorin des Projektes, Maria Stadler. Aktuell ist Roberg einer von sieben Teilnehmern, die ein Ordensjahr durchlaufen. Der Tag des 18-Jährigen im Kloster Frauenberg ist streng getaktet. Gemeinsam mit den Brüdern startet Roberg seinen Tag um 7 Uhr mit der Laudes, dem Morgengebet. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit der Hausgemeinschaft beginnt um 8 Uhr sein Dienst im Tagungshaus.

Dort deckt Roberg Tische für Tagungen ein, hilft er mittags bei der Essensausgabe oder schaut in den Gästezimmern nach dem Rechten. Daneben übernimmt er Arztfahrten für die Brüder und hilft im Haushalt des Klosters. „Ich bin im Tagungshaus ein bisschen Laufbursche für alles“, sagt er. Nach Feierabend kommt er um 18 Uhr wieder mit den Brüdern zum Vesper, dem Abendlob und dem Abendessen zusammen. Danach folgen oft Gespräche über Gott und die Welt.

Fulda: Roberg kann sich Leben im Kloster vorstellen

Pater Cornelius Bohl, der dem Kloster in Fulda als „Guardian“ vorsteht, sieht das „Freiwillige Ordensjahr“ positiv: „Ordensleben wird ja allmählich exotisch. Viele wissen kaum etwas über Klöster oder wundern sich sogar, dass sie überhaupt noch existieren. Ich sehe bei dem Gesamtprojekt die Chance, dass Klöster und Ordensleute sich öffnen und interessierten Menschen das Leben kennenlernen“.

Abgeschreckt ist Roberg von seinen bisherigen zwei Monaten in Fulda nicht. Einzig das frühe Aufstehen bereite ihm ab und zu Probleme. Er könne sich vorstellen, im Kloster zu leben, erzählt der 18-Jährige. Vorher wolle er möglicherweise ein Studium in klassischer Archäologie, Philosophie oder Theologie absolvieren. „Die andere Option wäre eine eigene Familie. Für mich ist es schon ein menschliches Bedürfnis, dass man auch Nähe zu anderen Menschen sucht. Da stellt sich mir schon die Frage mit dem körperlichen Kontakt“. (nhe mit dpa)

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