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Zwei Versionen eines Hundebisses: Halterinnen streiten sich vor Gericht

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Nach einem Hundebiss auf einem Feldweg in Hessen streiten sich zwei Nachbarinnen vor Gericht. Die Versionen des Vorfalls, die sie schildern, sind völlig widersprüchlich.

Langgöns - Es ist ein lauer Sommerabend, gegen 19 Uhr, da vernimmt ein 60 Jahre alter Langgönser am südlichen Ortsrand einen Schrei. Der Hobbyimker hat sich gerade um seine Bienen gekümmert. Als er in Richtung des Schreis eilt, stößt er auf zwei Frauen und drei Hunde. Eine der Frauen - die jüngere der beiden - blutet am rechten Unterarm. Während er sie mit Verbandszeug versorgt, spricht die andere Frau am Telefon. Im Rückblick erzählt der Langgönser heute: »Sie hat am Telefon gesagt: Unser Neo hat ein Mädchen gebissen.«

Dieser Satz spielt eine gewichtige Rolle in einem am Dienstag eröffneten Zivilprozess am Gießener Landgericht. »Er ist mir im Gedächtnis geblieben, weil es um den Anlass für den Streit zwischen den Frauen ging«, erklärte der Langgönser als Zeuge im Rahmen eines Verfahrens, in dem über zwei völlig widersprüchliche Versionen eines Hundebisses auf einem Feldweg in Langgöns verhandelt wird.

Vor Gericht äußerte sich zunächst die Frau, in deren Arm sich an dem Abend im August 2020 ein Hund verbissen hatte - sie ist die Klägerin in dem Verfahren. Sie sei auf dem Feldweg mit ihrem Mops unterwegs gewesen, berichtete sie. Von hinten habe sich die andere Frau mit Neo, einem Rhodesian Ridgeback, und einem Magyar Vizsla genähert. Weil der Mops nicht angeleint war, kam es zu einem Wortgefecht. »Ich wollte keinen Streit. Ich habe sie gebeten, einfach weiterzulaufen.«

Hundebiss in Hessen: Bedrohliche Folgen

Schließlich habe die Halterin der beiden größeren Hunde ihren Neo aber abgeleint. »Sie hat ihren Finger auf mich gerichtet und geschnipst.« Die Halterin des Mops berichtet, sie habe ihren Hund auf den linken Arm genommen und ihren rechten Arm schützend nach oben gehalten. Dann sei Neo hochgesprungen und habe sich in ihrem rechten Unterarm festgebissen. Die Halterin Neos sei nicht eingeschritten, sondern habe gesagt, die Frau sei selbst schuld.

Der Vorfall hatte durchaus bedrohliche Konsequenzen, wie das mutmaßliche Opfer berichtete. Zunächst habe sie sich gegen einen Rettungswagen entschieden, weil der Nachbar ihren Arm ja bereits verbunden hatte. »Über Nacht ging es mir aber sehr schlecht.« Sie habe Fieber und Schüttelfrost gehabt, auf ihrem Arm habe sich ein dunkler Strich in Richtung Achselhöhle gezogen, ein eindeutiges Zeichen für eine Blutvergiftung. »Ich musste ins Krankenhaus, bin am nächsten Tag operiert worden.«

Drei Wochen lang habe sie danach eine Gipsschiene getragen. Noch heute seien Narben und eine Verfärbung durch die Blutvergiftung auf ihrem Unterarm zu sehen. Vor allem aber, erklärt die Langgönserin, leide sie bis heute unter psychischen Folgen des Vorfalls.

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Hat ihr Neo gebissen? »Nein«, sagt die Hundehalterin. © Oliver Schepp

Hessen: »Mein Neo ist impulskontrolliert«

In der Version der anderen Frau, der Beklagten, habe nicht Neo, sondern der Mops in den Unterarm des eigenen Frauchens gebissen. Nachdem die Halterin des Mops ihren Hund auf dem Arm genommen hatte, habe der Hund »eine schnelle Bewegung nach vorne unten« vollzogen.

Ihr Neo, erklärt die Beklagte, habe sich für einen Moment auf die Hinterbeine gestellt, sei dann aber stehen geblieben und habe nicht gebissen. »Mein Neo ist impulskontrolliert«, sagte sie vor Gericht. Sie widerspricht auch dem Nachbarn. Sie habe direkt nach dem Vorfall am Telefon mit ihrem Mann nicht über den Hundebiss gesprochen, sondern nur gesagt: »Komm vorbei«, erklärten sie und auch ihr Mann als Zeuge.

Die Richterin erhofft sich nun Erkenntnisse durch einen Pathologen, der Fotos von der Bisswunde auf dem Arm überprüfen soll. Aufgrund der unterschiedlichen Größe der Hunde müssten die Abstände der Zähne leicht unterscheidbar sein, erklärt sie. (srs)

Während des Lockdowns waren Hunde gefragt wie selten. Jetzt können sich Tierheime vor Abgabetieren kaum mehr retten. Im Kreis Gießen bietet ein Verein überforderten Haltern Unterstützung an.

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