Bildung

Kein Türkisch-Unterricht in Hessen – doch eine andere Sprache kommt in den Schulen

Ein Schüler meldet sich während einer Unterrichtsstunde
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Ein Schüler meldet sich während einer Unterrichtsstunde. Es soll weiterhin keinen Türkisch-Unterricht in Hessen geben.

Türkisch-Unterricht an Schulen in Hessen wird es nach wie vor nicht geben. Ein entsprechender Antrag wird abgelehnt. 

Wiesbaden – Das Angebot von Fremdsprachen in deutschen Schulen wächst. Inzwischen ist es möglich, Chinesisch, Polnisch oder Portugiesisch zu lernen. Als weitere Fremdsprache soll ab 2023 Arabisch zu dem bisherigen Sprachangebot in Hessen dazustoßen. Türkisch wird dabei völlig außer Acht gelassen – sehr zum Ärger vieler aus der Türkei stammender Menschen in Deutschland. 

Dabei stellte die hessische SPD erst kürzlich den Antrag, die türkische Sprache beim Ausbau des Fremdsprachen-Angebots zu berücksichtigen. Auch die FDP und die Linke unterstützen den Antrag. Die grün-schwarze Regierung von Hessen lehnte den Antrag im Kultusausschuss ab*, wie fr.de berichtet.

Türkisch-Unterricht: Antrag der SPD in Hessen abgelehnt

Auf Nachfrage, warum das Kultusministerium den Unterricht der türkischen Sprache an Schulen in Hessen ablehne, betonte ein Sprecher, dass es ein Pilotprojekt für den Türkisch-Unterricht gegeben habe. „Im Rahmen eines Schulversuchs war Türkisch als zweite Fremdsprache an der Georg-August-Zinn-Schule, an der Heinrich-Kraft-Schule in Frankfurt am Main sowie an der Mathildenschule Offenbach am Main eingerichtet worden“.

Die Standorte seien ausgewählt worden, da eine große Anzahl von Schülerinnen und Schülern türkischer Herkunft in der Region ansässig sei und man von einer dauerhaften Nachfrage ausging. „Der Versuch musste jedoch mangels ausreichender Nachfrage zunächst an der Georg-August-Zinn-Schule, im Schuljahr 2008/09 an der Heinrich-Kraft-Schule und im darauffolgenden Schuljahr 2009/10 an der Mathildenschule nach mehreren Jahren Laufzeit eingestellt werden“, heißt es vom hessischen Kultusministerium. Ein zweiter Anlauf sei nicht geplant, man würde aus den entsprechenden Schulen keinen Bedarf melden.

Türkisch-Unterricht in Hessen: Kein zweiter Versuch geplant

Befürworter eines zweiten Versuchs gehen davon aus, dass sich die Nachfrage nach einem Unterricht in türkischer Sprache in Hessen geändert habe, so fr.de. Im Zeitraum des letzten Versuchs seien türkeistämmige Menschen verunsichert gewesen, wenn sie ihre Kinder zum Türkisch-Unterricht geschickt hätten. Die Verunsicherung rühre in der Angst, den Kindern dann Sprachen wie Englisch oder Deutsch vorzuenthalten.

Die grün-schwarze Regierung argumentiert darüber hinaus, dass mit der Einführung von Arabisch „eine der zehn meistgesprochenen Sprachen der Erde als Angebot zur Verfügung“ stehen werde. Die Frage bleibt, warum eine der meist gesprochenen Sprachen in Deutschland hinter einer global wichtigen Sprache zurückbleibt.  Auch die hessischen Ausländerbeiräte sind der Ansicht, dass mit Türkisch eine Sprache „außen vor bleibt, die aufgrund der Arbeitskräftezuwanderung bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert tief in der hessischen Gesellschaft verwurzelt“ ist, wie fr.de. berichtet. (Marvin Ziegele)

Schon vor einigen Jahren wurde im Kultusministerium die Forderung hinterlegt, Türkisch als Schulfach in Hessen zu etablieren.

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