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10 Dinge, die nur echte Kasseler kennen

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Von: Katja Saake

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In Kassel ticken die Uhren ein bisschen anners. Wer bei diesen zehn Punkte „so ist es“ sagt, ist wohl ein echter Kasseler.

Kassel – Wer mit dem Waschbären im Vogelhäuschen schon per Du ist, weiß: Er ist in Kassel angekommen. Welche Dinge nur echte Kasseler kennen und wie sich unsichtbare Kunstwerke bestens für Dates nutzen lassen, zeigt die folgende Liste.

1. Wissen, dass die Waschbären die eigentlichen Herrscher Kassels sind

Auf den ersten Blick mögen sie süß aussehen - aber der echte Kasseler weiß: Die kleinen Tiere haben es faustdick hinter den Fellöhrchen. Auf der Suche nach Nahrung und Unterschlupf werden die Waschbären in Kassel kreativ, klettern auf Hausdächer, richten sich in Dachböden ein und plündern mit ihren geschickten Fingern potenzielle Futterquellen wie Mülltonnen und Vogelhäuschen. Kassel gilt als Waschbärenhauptstadt Europas: 100 Waschbären leben hier auf 100 Hektar. Wir Kasseler machen das beste daraus: Der Waschbär ist das inoffizielle Wappentier der Stadt, mit dem sich zahlreiche Merchandising-Produkte verkaufen lassen.

Ein junger Waschbär hängt kopfüber an einem Futterhäuschen und frisst das Vogelfutter.
Ein junger Waschbär vergreift sich an einem Futterhäuschen © IMAGO/McPHOTO/R. Mueller

2. Alle fünf Jahre zum Weltmetropolen-Bewohner werden

Für genau 100 Tage verwandelt sich Kassel alle fünf Jahre dank der documenta in eine Weltstadt. Für den Kasseler immer wieder eine überraschende Erfahrung: Plötzlich bevölkern Künstler und Kulturinteressierte aus der ganzen Welt die Innenstadt und Englisch wird die dominierende Sprache. Man begegnet überall kreativ aussehenden Menschen mit documenta-Katalogen und Stadtplänen, die auf der Suche nach diesem und jenem Ort, oder diesem und jenem Kunstwerk sind. Mit ihren Fragen wenden sie sich auch oftmals an den Kasseler. Und dieser - immer wieder überrascht vom plötzlichen Großstadtflair - versucht sein bestes, sich anzupassen. Schließlich ist man ja kein Provinzler!

3. Wie die Luft zum Atmen: Ohne Ahle Wurscht geht gar nichts

Eine Metzgermeisterin aus Calden hat für die Ahle Wurscht sogar ihren Job bei der UN aufgegeben: Denn die Liebe zur Ahlen Wurscht geht bei den Nordhessen über alles! Egal ob Stracke, Runde, luftgetrocknet oder geräuchert - der fleischessende Kasseler kann von seiner Ahlen Wurscht nicht genug kriegen! Auch Weggezogene auf Heimatbesuch freuen sich stets auf die Kasseler Spezialität. Und auch als Mitbringsel ist sie sehr beliebt. Mittlerweile versucht man sogar der jahrhundertealten Herstellungstradition der Ahlen Wurscht mit künstlicher Intelligenz auf die Spur zu kommen. Und dass der Kasseler bei seiner Wurst keinen Spaß versteht, hat die hitzige Debatte um das „Wurst-Verbot“ beim Straßenfest zum „Tag der Erde“ vor ein paar Jahren gezeigt.

Echte nordhessische Ahle Wurscht hängt an Haken
Echte nordhessische Ahle Wurscht. © Archiv HNA

4.`s schigged: Kasselänisch sprechen oder „Äh was hast du gesagt“?

Schnucke, schnuddeln, alszus, mähren oder Schmeggewöhlerchen - wenn diese Worte zu deinem alltäglichen Wortschatz gehören bist du wohl ein echter Kasseler. Die Kasseler Mundart ist ein wichtiger Teil der Stadtkultur. Im „Wörterbuch der Kasseler Mundart“, das digital zugänglich ist, können Neuzugezogene das ein oder andere nachschlagen - wenn sie sich manchmal fragen: „Äh was hast du gesagt?“

5. Denken, dass der Welterbetitel des Bergparks Wilhelmshöhe doch keine so gute Idee war

Vorbei die Zeiten, wo wir Kasseler unseren Bergpark quasi für uns alleine hatten. Sicher, der UNESCO-Welterbetitel des Bergparks Kassel-Wilhelmshöhe macht uns stolz. Und die zusätzlichen Touristen sind herzlich willkommen. Aber wenn man jetzt - besonders während der Wasserspiele - vergeblich versucht einen Parkplatz zu finden, ertappt man sich doch manchmal bei dem Gedanken: War es vorher nicht besser?

6. Wir haben nicht viel... aber kuriose Titel  

„Die Treppenstraße ist die älteste Fußgängerzone Deutschlands“ - Der echte Kasseler hat diesen Fakt natürlich schon den meisten seiner auswärtigen Bekannten auf Kassel-Besuch erzählt! Neben der Flanierzone, die dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feiert, hat Kassel noch mehr Titel, die der Kasseler auch stets parat hat: Der Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe ist der größte Bergpark Europas und die Wasserspiele sind weltweit einzigartig, wie die UNESCO bestätigt hat. Außerdem war das Fridericianum weltweit der erste Bau, der als öffentliches Museum konzipiert war.

Die Kasseler Treppenstraße gilt als die erste geplante Fußgängerzone Deutschlands und war bei ihrem Bau 1953 ein Symbol des Aufbruchs im kriegszerstörten Kassel. Verschiedene Geschäfte und Cafés säumen die Straße und laden zum Bummel und Verweilen ein.
Die Kasseler Treppenstraße gilt als die erste geplante Fußgängerzone Deutschlands © Uwe Zucchi/dpa

7. Wissen, dass Kassels Museen mindestens so gut sind wie die von Frankfurt

Alle denken, dass Frankfurt die Stadt der Museen wäre- falsch! Der Kasseler weiß genau, dass seine Stadt in dem Bereich Einzigartiges zu bieten hat. Und das nicht nur hessenweit, sondern weltweit! Und so kann der Kasseler gegenüber auswärtigen Bekannten immer mit dem Tapetenmuseum und dem Museum für Sepulkralkultur in Kassel auftrumpfen - zwei einzigartigen Museen, die es so nur in Kassel gibt! Für das Tapetenmuseum wird derzeit sogar ein aufwändiger Neubau errichtet. Für den Kasseler aber nicht im Widerspruch: Nur weil man um die Einzigartigkeit der eigenen Museen weiß, muss man ja noch keinen Fuß in sie gesetzt haben.

8. Bei Dates stets mit Insiderwissen über unsichtbare Kunstwerke angeben können

Wenn smalltalkmäßig gar nichts geht, kann man bei Dates als echter Kasseler immer noch auf sein Insiderwissen über unsichtbare ehemalige documenta-Kunstwerke zurückgreifen - zumindest gegenüber Ortsfremden. Das Coolste: Als echter Kasseler kennt man Dinge, die Unwissende gar nicht sehen können. Der Aschrottbrunnen neben dem Rathaus zum Beispiel hat eigentlich eine pyramidenhafte Form, ist aber spiegelverkehrt in den Boden eingelassen, sodass man quasi nur seine Unterseite sieht. Zur documenta 8 wurde das Kunstwerk als Mahnmal eines von den Nazis zerstörten Brunnens errichtet, der einst vom jüdischen Kaufmann Sigmund Aschrott gestiftet worden war. Außerdem gibt es noch den vertikalen Erdkilometer, geschaffen zur documenta 6. Von der einen Kilometer tiefen Bohrung ist nur das Ende eines Messingstabes zu sehen, der in sie eingelassen wurde. Oder ist der Baum, unter dem man gerade steht, vielleicht eine der 7000 Beuys Eichen?

9. Sich über den gefluteten Königsplatz und andere kuriose stadtplanerische Projekte ärgern

Die Älteren erinnern sich. Über Nacht war sie dann mal weg - die zur documenta 1992 errichtete „Kasseler Treppe“ auf dem Königsplatz. Im August 2000 ließ der damalige Oberbürgermeister Kassels Georg Lewandowski das umstrittene Kunstwerk einfach abreißen. Sehr zur Freude einiger, denen das teilweise zum Pissoir verkommene Bauwerk stets verhasst war. Seitdem haben stadtplanerische Projekte der Stadt schon oft zu Debatten geführt. Auch wenn Wasserspeier eigentlich eine nette Idee sind: Warum muss der Königsplatz geflutet werden, so dass man ihn trockenen Fußes nicht mehr durchqueren kann? Auch das neueste Projekt, die Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes, sorgt für Zündstoff: Ist es sinnvoll, eine der Hauptverkehrsachsen Kassels künftig durch einen neu gepflanzten Kiefernwald zu führen?

10. Beleidigt sein, wenn Kassel als Provinz bezeichnet wird

Wie auch immer der Kasseler im Alltag über seine Heimatstadt denkt - wenn ein Außenstehender es wagt, Kassel zu kritisieren oder gar als Provinz zu bezeichnen, steigt bei ihm der Puls. Klar, Kassel ist vielleicht keine Weltmetropole wie New York - aber Provinz, auf keinen Fall! Auch grundsätzlich hat der Kasseler den Drang dazu, gegenüber Auswärtigen immer zu betonen, dass Kassel nicht so schlecht - oder gar hässlich - ist, wie sein Ruf. Und dafür hat der Kasseler immer viele Argumente auf Lager: In Kassel gibt es schließlich viele Sehenswürdigkeiten zu entdecken!

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