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Kunden, Klima, Kosten: Lufthansa will dank Künstlicher Intelligenz effektiver werden

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Von: Florian Dörr

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Wie kann Flugverkehr klimaschonender, kostengünstiger und kundenfreundlicher werden? Die Lufthansa versucht es mit Künstlicher Intelligenz.

Frankfurt - Die Luftfahrt hat den Ruf eines Klimakillers. In den vergangenen Jahren hatte sich die Industrie vor diesem Hintergrund verpflichtet, in den kommenden 30 Jahren das Ziel von netto null Treibhausgasemissionen zu erreichen. Konkret steht auch die am Flughafen Frankfurt beheimatete Lufthansa steht in der Kritik: Sogar Fondsgesellschaften wie Deka und Union Investment verlangten im vergangenen Frühsommer eine glaubwürdige Strategie des Unternehmens zum klimagerechten Umbau des Luftverkehrs.

Doch: Wie soll das gelingen? Ein mögliches Hilfsmittel scheint ausgemacht: die Optimierung des Flugbetriebs mittels künstlicher Intelligenz.

Lufthansa: Wirtschaftlicherer Einsatz von Flugzeugen dank KI?

Das Ziel ist eine wirtschaftliche Nutzung der eingesetzten Flugzeuge. Das könnte auch den Kunden zugutekommen. „Jede Planänderung zieht eine Kette von Folgewirkungen für eine Vielzahl der Reisenden nach sich, die gegeneinander abgewogen werden müssen“, erklärt Chris Leffers als Chef der Lufthansa-Verkehrszentrale in München gegenüber der Welt.

Bedeutet: Ein um eine Stunde verspäteter Flug sorgt im Zweifel nicht nur dafür, dass die Passagiere später an ihren Zielort kommen. Die Maschine selbst steht eventuell auch nicht für den nächsten geplanten Einsatz zur Verfügung, was wiederum die nächsten Verzögerungen nach sich zieht. Im schlechtesten Fall vergrößern sich die Probleme damit immer weiter.

Nun sucht die Lufthansa Hilfe in der Zusammenarbeit mit Google. Bei dem Tech-Riesen heißt es: Ein neugeschaffenes System vergleiche „Daten zu Flugzeugwartung, Passagierbuchungen, Routen und Fracht“, so dass die Airline „jedem Flug das effizienteste Flugzeug zuweisen und so seine Emissionen senken“ kann. Unzählige Daten werden dafür zusammengetragen und ausgewertet.

Google und Lufthansa arbeiten zusammen: Riesige Datenmengen für effektiveren Flugbetrieb

Auch etwa zum Wetter. Beispiel: Auf Basis entsprechender Daten vergangener Jahre zur Bise - ein häufig auftretender kalter Nordostwind im Schweizer Mittelland - sollen mögliche Verspätungen besser vorhergesagt werden. „Wir können jetzt prognostizieren, wie lange die Bise dauern wird, wie stark die Winde sind und mit welchen Kapazitätseinschränkungen wir für diesen Zeitraum rechnen müssen. Dadurch können wir die Auswirkungen auf unseren Flugbetrieb genau vorhersagen, was bisher nicht der Fall war“, so Christian Most von der Lufthansa.

Lufthansa
Lufthansa will dank Künstlicher Intelligenz effektiver werden. © Andreas Arnold/dpa

Das Beispiel aus der Schweiz wird von den Verantwortlichen angeführt, da die Lufthansa die neue digitale Entscheidungshilfe im vorvergangenen Jahr zunächst bei ihrer Tochtergesellschaft Swiss getestet hatte.

Messbarer Erfolg bei Lufthansa-Tochter Swiss - CO₂-Emissionen verringert

Offenbar mit messbarem Erfolg: Nach Angaben von Google haben die Schweizer damit in den ersten 18 Monaten seit Beginn der Initiative „ihre CO₂-Emissionen um geschätzte 7.400 Tonnen pro Jahr verringert“, was 18 Hin- und Rückflügen einer Boeing 777 zwischen Zürich und New York City oder 370 Rotationen zwischen London und Frankfurt entsprechen soll.

Ein Ausrollen des System auf die große Muttergesellschaft - die Lufthansa selbst also - würde nochmal einen gänzlich neuen Hebel in Sachen Klimaeffizienz und Kundenfreundlichkeit darstellen. Und letztlich geht es freilich auch ums liebe Geld: Denn Treibstoff ist teuer, ebenso Flugausfälle oder Verspätungen. (fd)

Neben der Effizienz in der Luft ist am Flughafen Frankfurt auch Produktivität auf dem Boden ein Thema. Ein neuer Scanner soll nun helfen, die Sicherheitskontrollen zu beschleunigen. Das könnte auch Auswirkungen auf die 100-Milliliter-Grenze bei Flüssigkeiten haben.

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