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Lufthansa stoppt jüdische Passagiere am Flughafen Frankfurt: Antisemitismusbeauftragter äußert sich

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Von: Helena Gries, Alexander Gottschalk, Sebastian Richter

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127 Menschen jüdischen Glaubens wurden am Flughafen Frankfurt am Weiterflug gehindert. Der Hessische Antisemitismusbeauftragte spricht nun über die Aufklärung des Falles.

Update vom Dienstag, 17. Mai, 12.45 Uhr: Eine Gruppe Menschen jüdischen Glaubens wurde Anfang Mai am Flughafen Frankfurt am Weiterflug mit einer Maschine der Lufthansa gehindert. Unter den 127 Personen befanden sich einige, die sich weigerten, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Der Vorfall machte Schlagzeilen, da einige der Geschädigten offenbar zu Unrecht aufgehalten wurden. Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker forderte weitere Aufklärung – und nimmt nun erneut Stellung zu dem Vorfall.

„Es sind Fehler geschehen, die jüdische Reisende als verletzende Diskriminierung erfahren haben und die in ihrer Wirkung nach außen ein umso fataleres Bild erzeugt haben“, zitiert eine Mitteilung Becker. Die Lufthansa zeige „ernsthafte Bemühungen zur Aufklärung“ des Vorfalls.

Für Becker stehe „die Integrität der Lufthansa und ihre klare moralische Haltung“ außer Frage. „Umso mehr schmerzt natürlich gerade ein solcher Vorfall gegenüber jüdischen Reisenden, die eben nicht nach ihrem individuellen Verhalten bzw. Fehlverhalten, sondern nach ihrer Glaubenszugehörigkeit als Gruppe behandelt wurden.“

Lufthansa stoppt jüdische Passagiere am Flughafen Frankfurt: Forderung nach Konsequenzen

Update vom Donnerstag, 12. Mai, 11.48 Uhr: Nach dem Ausschluss einer jüdischen Reisegruppe von einem Flug von Frankfurt nach Budapest fordert der Hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker weitere Aufklärung. „Der bisherige Umgang der Lufthansa mit dem offensichtlichen Fehlverhalten gegenüber jüdischen Reisenden am Frankfurter Flughafen wird dem Vorgang in meinen Augen nicht gerecht. Hier wurde offensichtlich - alleine ihres erkennbaren Glaubens wegen - eine ganze Gruppe von Menschen für etwas verantwortlich gemacht, das offensichtlich nur einzelne Reisende betraf“, erklärt er.

Hintergrund ist der Vorfall am vergangenen Mittwoch (4. Mai) am Flughafen Frankfurt: Einige Fluggäste hatten sich zuvor geweigert, auf einem Flug von New York nach Frankfurt Masken zu tragen, wie die Lufthansa erklärte. Daraufhin wurde eine ganze Gruppe jüdisch-orthodoxer Reisender - insgesamt 127 Menschen - der Weiterflug von Frankfurt nach Budapest untersagt.

Lufthansa äußert Bedauern nach Vorfall am Flughafen Frankfurt

Die Lufthansa erklärte im Nachhinein ihr Bedauern, „dass der größeren Gruppe die Weiterreise nicht ermöglicht wurde, anstatt diese Entscheidung auf einzelne Personen zu beschränken“.

Der Hessische Antisemitismusbeauftragte Becker erklärt dazu: „Dies ist diskriminierend und keine Bagatelle, und umso mehr sollte sich auch die Unternehmensspitze persönlich in der Verantwortung sehen.“ Er fordert weiterhin eine klare Stellungnahme der Lufthansa, in der deutlich zum Ausdruck kommen müsse, „wie sich der Vorfall ganz konkret abgespielt hat und wie einem derartigen Fehlverhalten seitens des Unternehmens künftig vorgebeugt werden kann.“

Einer Gruppe orthodoxer Juden ist in Frankfurt die Weiterreise mit einem Lufthansaflug verweigert worden. (Symbolbild)
Einer Gruppe orthodoxer Juden ist in Frankfurt die Weiterreise mit einem Lufthansaflug verweigert worden. (Symbolbild) © Boris Roessler/dpa

Lufthansa stoppt jüdische Passagiere am Flughafen Frankfurt: „Diskriminierend“

Update vom Mittwoch, 11. Mai, 12.44 Uhr: Die Lufthansa hat sich dafür entschuldigt, dass sie am 4. Mai einer Gruppe orthodoxer Juden den Weiterflug von Frankfurt nach Budapest verweigert hat. Über Twitter verbreitete die Fluggesellschaft am Dienstag (10. Mai) auf Deutsch und Englisch ein offizielles Statement. Darin hieß es: „Lufthansa entschuldigt sich ausdrücklich bei den Gästen.“ Die Ereignisse stünden „nicht im Einklang mit unseren Werten“.

Der Vorfall am Flughafen Frankfurt hatte in der vergangenen Woche hohe Wellen geschlagen. Der Lufthansa zufolge sollen einige Passagiere sich auf einem Flug von New York nach Frankfurt mehrfach geweigert haben, eine Corona-Schutzmaske zu tragen – trotz wiederholter Aufforderungen der Crew. Die Bundespolizei bestätigte später auf Nachfrage, es habe sich um jüdisch-orthodoxe Reisende gehandelt.

Flughafen Frankfurt: Lufthansa bedauert Ausschluss jüdischer Reisender

Die religiöse Zugehörigkeit der Fluggäste war erst durch einen FAZ-Bericht zum Thema geworden. Die Zeitung schrieb unter Berufung auf einen Passagier, die Lufthansa habe nach dem Vorfall alle Reisenden, die durch Hut und Schläfenlocken als Juden zu erkennen gewesen seien, von der weiteren Beförderung ausgeschlossen – und nicht gezielt die Passagiere, die sich falsch verhalten hätten. Schnell wurden Antisemitismus-Vorwürfe laut.

Die 127 vom Flug ausgeschlossenen Menschen sollen auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung in Budapest gewesen sein. In ihrem Statement vom Dienstag (10. Mai) schrieb die Lufthansa von „einer größeren Anzahl gebuchter Passagiere“, die „nicht wie geplant“ ihren Weiterflug mit der Maschine LH 1334 hätten „antreten können“. Man bedauere, dass „der größeren Gruppe die Weiterreise nicht ermöglicht wurde, anstatt diese Entscheidung auf einzelne Personen zu beschränken“.

Die Lufthansa entschuldigte sich auch dafür, dass die „persönlichen Gefühle“ der Fluggäste „verletzt“ worden seien. Die Fluggesellschaft beteuerte, den Vorfall sehr ernst zu nehmen und intensiv an dessen Aufklärung arbeiten zu wollen. Man werde auch Kontakt mit den Betroffenen aufnehmen. Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker bezeichnete den Vorfall als „diskriminierend und keine Bagatelle“. Er forderte eine Stellungnahme der Unternehmensspitze. Ein Fall wie dieser dürfe sich nicht wiederholen.

Flughafen Frankfurt: Über 100 jüdische Passagiere gestoppt

Erstmeldung vom Samstag, 7. Mai, 11.18 Uhr: Frankfurt/Main – Einer Gruppe orthodoxer Juden ist in Frankfurt die Weiterreise mit einem Lufthansaflug verweigert worden. Vorangegangen sei die mehrfache Weigerung einiger Fluggäste auf dem Flug von New York nach Frankfurt, auch nach Aufforderung der Crew, Masken zum Schutz vor Corona zu tragen, erklärte die Lufthansa gegenüber der dpa auf Anfrage.

Es habe sich um jüdisch-orthodoxe Reisende gehandelt, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Freitag (6. Mai) über den Vorfall vom Mittwoch berichtet. Demnach sollen die 127 Menschen auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung in Budapest gewesen sein.

Frankfurt: Jüdischen Passagieren wird am Flughafen Weiterreise untersagt

Die Zeitung schreibt unter Berufung auf einen Passagier der Lufthansa-Maschine aus New York, es seien alle Reisenden, die durch Hut und Schläfenlocken als Juden zu erkennen gewesen seien, von der Beförderung ausgeschlossen worden – und nicht gezielt die Passagiere, die sich falsch verhalten hätten. Lufthansa erklärte dazu, die genauen Abläufe und Hintergründe würden untersucht. Die Airline sei verpflichtet, den gesetzlichen Vorgaben mit Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsträgern und damit auch im Luftverkehr zu folgen.

Der Flug nach Budapest sei mit leichter Verspätung und nur knapp 30 Personen an Bord vom Flughafen Frankfurt gestartet. Die Bundespolizei sei hinzugezogen worden, es seien aber keine polizeilichen Maßnahmen nötig gewesen, sagte deren Sprecher.

Flughafen Frankfurt: Vorfall sei ein „Skandal“ gewesen

Auch in den sozialen Medien sorgte der Vorfall für Aufruhr. „Eine Gruppe von 20 Polizisten mit Maschinengewehren hat jedem, der jüdisch aussah, die Weiterreise verboten. Egal, ob man das Gesetz gebrochen hat“, schrieb ein betroffener Passagier bei Facebook. Der Vorfall am Frankfurter Flughafen sei ein „Skandal“ gewesen. Die 127 Juden an Bord des Lufthansa-Fluges seien Medienberichten zufolge nicht einmal eine geschlossene Reisegruppe gewesen. (Helena Gries und Alexander Gottschalk mit dpa)

Die Bundespolizei hat am Flughafen Frankfurt die Einreise eines Mannes verhindert, der ein 10-jähriges Einreise- und Aufenthaltsverbot in Deutschland hat.

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