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Maikäfer-Invasion in Hessen: Problematisch im Garten – aber wichtig für die Nahrungskette

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Von: Julius Fastnacht

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In Hessen ist mal wieder Hauptflugzeit für den Maikäfer. Als Futter für Vögel ist das Insekt wichtig – im eigenen Garten können die Larven Probleme schaffen.

Kassel – Hessen muss sich in diesem Jahr auf einen besonders starken Massenflug der Waldmaikäfer gefasst machen. Betroffen sind laut Hessen Forst vor allem die Regionen Darmstadt, Groß-Gerau und der Südwesten des Frankfurter Flughafens.

Der Wald leidet Hessen Forst zufolge am meisten unter der wiederkehrenden Massenvermehrung der Maikäfer. „Dabei spielt der Wurzelfraß der Engerlinge eine weit größere Rolle als der Blattfraß der ausgewachsenen Käfer“, sagt Klaus Velbecker vom Forstamt Groß-Gerau. Weil der Wald wegen Trockenheit ohnehin geschädigt ist, sei das Insekt eine zusätzliche Belastung für ihn.

Alle vier Jahre kommt es zum Maikäfer-Massenflug in Hessen. Bäumen im eigenen Garten können die Insekten-Larven mitunter Probleme machen.
Alle vier Jahre kommt es zum Maikäfer-Massenflug in Hessen. Bäumen im eigenen Garten können die Insekten-Larven mitunter Probleme machen. © Wolfgang Kumm/dpa

Maikäfer in Hessen: Ende April beginnt der Massenflug

Die Generationsdauer des Maikäfers, also die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Käfer, beträgt im Hessischen Ried vier Jahre. Dabei durchlaufen die Larven mehrere Stadien. Je nach Witterung steht der Schlupf der entwickelten Käfer aus dem Boden dann Ende April bis Anfang Mai an: Die Hauptflugzeit des Waldmaikäfers beginnt.

Nach dem Ausflug fressen Maikäfer geradezu verschwenderisch die jungen Blätter der Bäume, um genügend Energie für ihr vier bis sieben Wochen langes Leben als fertige Käfer und für die Paarung zu sammeln, wie Hessen Forst mitteilt. Besonders Rot-, Stiel- und Traubeneichen sowie Buchen stehen auf ihrem Speiseplan.

Während sie wachsen, knabbern die Maikäfer-Larven („Engerlinge“) an den Wurzeln von Hessens Wäldern – und mitunter auch den Bäumen im eigenen Garten.
Während sie wachsen, knabbern die Maikäfer-Larven („Engerlinge“) an den Wurzeln von Hessens Wäldern – und mitunter auch den Bäumen im eigenen Garten. © Armin Weigel/dpa

Hessen: Maikäfer-Massenflug kann auch zum Problem für den eigenen Garten werden

Wer einen Garten in Waldnähe hat, dessen Bäume können nach Velbeckers Worten auch vom Massenflug in Mitleidenschaft gezogen werden. „Maikäfer fliegen nicht nur 50 oder 100 Meter. Da sind auch deutlich größere Distanzen möglich. Obst- oder Laubbäume, die an einen Wald angrenzen, können also durchaus betroffen sein.“

Der Heißhunger der ausgewachsenen Maikäfer stelle dabei nicht das zentrale Problem dar: „Natürlich wird der Baum in Mitleidenschaft gezogen. Typisch für Laubbäume ist aber, dass sie im Juni nochmal neue Blätter anlegen. Und 2023 gibt es keinen Kahlfraß – da ist die neue Maikäfer-Generation ja noch im Larvenstadium.“

Der Nabu wünscht sich von Hessens Gärtnern, den Maikäfer nicht zu verteufeln. Denn für Vögel bietet er eine wichtige Nahrungsgrundlage.
Der Nabu wünscht sich von Hessens Gärtnern, den Maikäfer nicht zu verteufeln. Denn für Vögel bietet er eine wichtige Nahrungsgrundlage. © Wolfgang Kumm/dpa

Ein schädlicherer Faktor sei viel mehr der Appetit der Larven selbst. „Wenn der Maikäfer eine attraktive Fläche findet, legt er dort seine Eier ab.“ Insbesondere vergraste Bereiche und Rasenflächen übten große Anziehungskraft aus. „Über den Sommer knabbern die Larven an den Graswurzeln – und im zweiten Stadium ab dem nächsten Jahr geht es dann an die umliegenden Baumwurzeln.“

Nabu Hessen: Gärtner sollten Maikäfer nicht verteufeln

Sybille Winkelhaus, Pressesprecherin des Nabu Hessen, warnt aber davor, den Maikäfer zu verteufeln. Für viele Vögel böten Maikäfer eine wichtige Nahrungsgrundlage. „In einem Hauptflugjahr wie diesem gibt es dank des Maikäfers auch ein Überangebot an Futter – das tut unserer Vogelpopulation gut.“

Zudem seien die Maikäfer-Probleme im Hessischen Ried zum Teil auch menschengemacht. Durch die Grundwasserabsenkung in der Region biete der örtliche Boden das ideale Klima für die Maikäfer-Larven. „Weil es feucht, aber nicht nass ist, können Engerlinge hier nicht verpilzen“, sagt Winkelhaus.

Zwar lasse sich nicht verleugnen, dass in einem Maikäfer-Hauptjahr in Hessen auch die Bäume einzelner Privatpersonen in Mitleidenschaft gezogen würden. Die Erfahrung zeige aber auch: Gifteinsätze im Hessischen Ried haben nicht zu einer kleineren Maikäfer-Population geführt. Und gleichzeitig auch anderen Insektengruppen geschadet. Winkelhaus ist sich jedenfalls sicher: „Alleine wegen des Maikäfers ist unser Wald nicht in Gefahr.“ (dpa/juf)

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