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Halter „hat mich einfach liegen lassen“: Frau von frei laufendem Hund schwer verletzt

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Eine Frau aus Maintal bei Hanau wird bei einem Spaziergang von einem Hund gebissen und schwer verletzt. Der mutmaßliche Halter des Tieres geht einfach weiter.

Maintal – Vorsichtig führt Julia Schwerdt die Kaffeetasse zum Mund. Es klappt, wenn auch mit großer Vorsicht. Vor zwei Wochen hätte die 35-Jährige es nicht geschafft. Zu sehr verletzt waren ihre beiden Hände, zu stark die Schmerzen. „Ich bin froh, dass es Stück für Stück besser wird. Aber bis ich wieder richtig zugreifen kann, wird es noch eine Weile dauern.“

Was die junge Frau aus Bischofsheim am 25. September erlebt, ist ein Albtraum. Es ist ein Sonntagmorgen, als Julia Schwerdt mit den beiden Hunden ihrer Schwester und einer Bekannten spazieren geht. Wie so oft laufen sie vom Bischemer Ortskern Richtung Enkheim, gehen eine Runde durch den Wald. Gegen 10 Uhr machen sie sich auf den Rückweg. Die Frauen und die beiden Hunde sind gerade aus dem Wald heraus gelaufen, als Julia Schwerdt plötzlich das Klimpern einer Hundemarke hört. Sie dreht sich um und sieht einen Hund auf sie zu rennen, vom Halter keine Spur.

Noch immer nicht beschwerdefrei: Auch über drei Wochen nach dem Angriff kann Julia Schwerdt aus Bischofsheim mit den Händen noch nicht richtig zugreifen.
Noch immer nicht beschwerdefrei: Auch über drei Wochen nach dem Angriff kann Julia Schwerdt aus Bischofsheim mit den Händen noch nicht richtig zugreifen. © KRISTINA BRÄUTIGAN

Der Vierbeiner, der ohne Leine unterwegs ist, kommt schließlich auf ihre Hunde zu, die Tiere beschnuppern sich. „Ich habe sofort gemerkt, dass die sich nicht grün sind“, erzählt Schwerdt. Sie nimmt ihren Hund zur Seite und geht mit ihrer Freundin und dem anderen Hund weiter. Noch einmal habe sie sich umgedreht und gesehen, wie ein Mann, vermutlich der Halter, in einiger Entfernung um die Kurve kommt. Die zwei Frauen und ihre Hunde laufen weiter zum Feldweg Richtung Tennishalle. 50 Meter schaffen sie, da stürmt der Hund ohne Leine plötzlich an Julia Schwerdt vorbei und rennt hinter einem ihrer Hunde her. „Da schrie der Mann plötzlich, ich sollte meinen Hund zu mir nehmen“, berichtet Schwerdt.

Frau aus Maintal bei Hanau: Situation eskaliert

Doch es ist zu spät: Die beiden Vierbeiner beginnen ein Gerangel. Ohne nachzudenken, geht die 35-Jährige dazwischen, versucht, ihren Hund am Halsband wegzuziehen. „Alles ging so schnell. Ich wollte ihn beschützen und verhindern, dass die Situation eskaliert“, sagt sie.

Was dann genau passiert, daran hat Julia Schwerdt keine Erinnerung mehr. Sie sinkt zu Boden, erst nach ein paar Minuten sieht sie ihre schwer verletzten Hände. „Ich habe das viele Blut gesehen. Aber die Schmerzen kamen erst später. Ich war so voller Adrenalin“, erzählt sie. Sie habe den Mann, der etwa zehn Meter weit weg stand, noch gefragt, ob mit seinem Hund alles in Ordnung ist. Was danach passiert, kann Julia Schwerdt bis heute nicht fassen: „Er drehte sich um und hat mich einfach liegen lassen. Dabei war alles voller Blut. Er muss gesehen haben, dass ich schwer verletzt bin.“

Auf dem rechten Handrücken klaffte eine riesige Wunde.
Auf dem rechten Handrücken klaffte eine riesige Wunde. © PM

Maintal: Nur langsame Heilung nach Hundebiss

Unter Schock ruft ihre Freundin, die die ganze Situation so schnell kaum begreifen kann, Schwerdts Schwester an. Als diese auf dem Feldweg eintrifft, ruft sie sofort einen Krankenwagen. Der bringt Julia Schwerdt direkt in die BG Unfallklinik nach Frankfurt. In einer Operation werden die Wunden gesäubert, möglicherweise infiziertes Gewebe entfernt und die Wunden genäht. Beide Hände sind durch die Bisse des Hundes schwer verletzt: An der linken Hand ist der Nerv des Mittelfingers durchgebissen. Ob er sich wieder erholt, ist unklar. Hinzu kommen diverse Bisswunden am Handknöchel und den Fingern, dazu eine klaffende Fleischwunde auf dem rechten Handrücken. Fünf Tage muss sie im Krankenhaus bleiben.

Die Heilung verläuft schleppend. Zwei Tage nach dem Angriff bemerken die Ärzte beim Verbandswechsel, dass sich die Wunde auf dem Handrücken der rechten Hand infiziert hat. Noch einmal muss die Naht geöffnet werden. Donnerstag darf die 35-Jährige endlich nach Hause, eine Woche ist sie krankgeschrieben. Geblieben sind jede Menge Narben, eine halb taube Fingerkuppe – und Wut. „Ich will einfach, dass der Halter gefunden wird. Wer seinen Hund ohne Leine laufen lässt und sich noch nicht mal kümmert, wenn das eigene Tier jemanden verletzt, der gehört zur Rechenschaft gezogen.“

Mehrfach biss der Hund in die Hände der 35-Jährigen. Durch die Bisse wurde ein Nerv durchtrennt.
Mehrfach biss der Hund in die Hände der 35-Jährigen. Durch die Bisse wurde ein Nerv durchtrennt. © -

Hundebiss nahe Hanau: Polizei Maintal sucht nach Halter

Bei der Polizei hat sie Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gestellt. Auch die Ermittler hoffen durch den Gang an die Öffentlichkeit, dass der Halter des Hundes gefunden wird. Er ist laut Julia Schwerdt etwa 50 Jahre alt, trug am Tag des Vorfalls eine dunkle Hose. An mehr könne sie sich nicht erinnern. „Ich war unter Schock“, sagt sie. Bei dem Hund könnte es sich um einen Terriermix handeln, er ist etwa kniehoch und hat hellgraues, fast weißes, drahtiges Fell. Aufgrund der Laufrichtung könnten Halter und Hund aus Bergen-Enkheim stammen. „Mir geht es nicht nur um mich. Dieser Mensch lässt seinen Hund ohne Leine laufen und ist offenbar komplett verantwortungslos. Ich will nicht, dass noch jemand verletzt wird.“

Zeugen des Vorfalls wenden sich an die Polizei Maintal unter der Telefonnummer 06181 43020. (Kristina Bräutigam)

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