Bockenheim

Maßschuhe Höhl in Bockenheim: Handwerk für die Füße

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Marco Höhl (re.) und ein Mitarbeiter in der Werkstatt. 

Läden im Stadtteil: Die Schuhe, die der Familienbetrieb Höhl in Bockenheim herstellt, sind nicht gerade billig, passen aber wie angegossen und halten lange.

Die Kundin ist voll des Lobes. Wie in einem Juwelierladen habe sie sich gefühlt. „Alles ist so schön präsentiert und wirkt wertvoll“, schwärmt sie. „Und dazu dieser Geruch von Leder und Klebstoff. Und behandelt wirst du wie ein König.“ Die Rede ist vom Maßschuhmacher Höhl an der Falkstraße. Besagte Kundin ist eher zufällig auf der Suche nach Einlagen ins Geschäft gestolpert. Jetzt spart sie auf Maßschuhe.

Die Höhls, Vater Walter und Sohn Stefan, lachen verlegen über die Geschichte. Aber dann straffen sie sich. Im Grunde trifft sie das Lob nicht unvorbereitet. Das Phänomen erleben sie öfter. Ihre Kunden sind treu. Sie kommen aus der Nachbarschaft, mancher schaut auch einfach zum Plaudern herein. Wenige fahren in der teuren Limousine vor.

„Wir machen alles selbst“, erklärt Stefan Höhl das Besondere der Bockenheimer Werkstatt. Andere Schuhmacher bestellen Schäfte aus dem Katalog. Also das Oberteil des Schuhs. Die Höhls nähen selbst. Einen Maßschuh anfertigen zu lassen, wird so auch für die Kunden eine Aufgabe. Mindestens vier Mal müssen sie vorstellig werden.

Erst nehmen die Schuhmacher den Fußabdruck, jeder Fuß ist anders, dann stellen sie den Leisten her, ein Holzmodell des Schuhs. Nach der Leistenprobe folgt die Farb- und Gestaltungswahl. Mit ungeahnten Möglichkeiten: „Wir besorgen sämtliche Leder, die verfügbar sind.“ Auch exotische, so lange sie nicht geschützt sind. Kunden können Bilder mitbringen, sich Schuhe von 1986 gestalten lassen. Oder Latschen von Dschingis Khan. Klassische Herrenschuhe, die nie aus der Mode kommen, Pumps, Wanderschuhe, Turnschuhe. „So wie ich mir die vorstelle, nicht wie die Industrie das will“, sagt Stefan Höhl.

Amüsiert führt der Inhaber durchs verschachtelte Ladengeschäft. Vom Empfang mit Tresen, gehen zwei Anprobezimmer ab, mit thronartigen Podesten für die Kunden, durch den Durchgang, in den ein Büro gequetscht ist, geht es zur Leistenkammer und zwei Werkstätten.

Preislich liegen die Höhl’schen Schuhe im Schnitt bei 1500 Euro. Ein Schnäppchen ist das nicht. Aber ein Maßschuh hält um die 15 Jahre, bei richtiger Pflege – nicht nur Schuhcreme und Putztuch sollten zum Einsatz kommen, auch der Schuhspanner. Dann relativiert sich der Preis. Man kann sich jedes Jahr neue Schuhe kaufen und die alten fortwerfen. Oder ein Paar, das teurer ist, aber länger hält. Beide Varianten kosten ähnlich viel, wer auf den Maßschuh setzt, produziert weniger Müll.

Und tut seinen Füßen etwas Gutes, sagt Stefan Höhl: „Die meisten Menschen haben unterschiedlich große Füße.“ In Massen produzierte Treter sind aber immer gleich groß. Der Maßschuh passt sich jedem Fuß an. Und das freut nicht nur den Kunden. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man helfen kann“, sagt Stefan Höhl. „Wenn die Leute wieder laufen können.“

Das Angebot nutzen die Bockenheimer seit 1962, als Walter Höhl den Betrieb gründet. Sohn Stefan hat 1998 übernommen. Die nächste Generation steht bereits bereit, Enkel Marco Höhl hat im Januar seinen Gesellenbrief erhalten. Der 21-Jährige will noch ein paar Jahre Erfahrungen sammeln, bevor er seinen Meister angeht. „Ich muss im medizinischen Bereich dazulernen“, sagt er, „Anatomie“.

Die Vielseitigkeit des Berufs habe ihn schon immer fasziniert. Während Mitschüler Kaufmann werden wollten, erzählte er von der Schuhmacherei. Versonnen streicht er die Schürze glatt. „Hier kann ich mit Holz arbeiten, mit Leder, kann feine Stiche nähen. Aber auch mal Gröberes machen, hämmern, laut fluchen. Das geht im Büro nicht.“ Die Kehrseite sind die Arbeitszeiten. Von 7 bis 18 Uhr sind die Höhls im Geschäft. Für Hobbys wie Fußball oder Feuerwehr bleibt keine Zeit, sagt der Junior. „Wir sind aber auch gerne hier“, wirft der Senior ein. Marco Höhl nickt nachdenklich. „Es ist unser Leben.“

Höhl Schuhe, Falkstraße 94, geöffnet Montag bis Freitag, 8 - 13 Uhr, 14 - 18 Uhr. Tel. 77 49 83. www.der-hoehl.de

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