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Krach im Schlafzimmer: Mieter ziehen mit Bett in Küche um

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Von: Niels Britsch

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Ein Notstromaggregat raubt Mietern in Heusenstamm den Schlaf. Die Hausverwaltung reagiert auf Beschwerden schroff.

Heusenstamm – Ein Stromgenerator macht Lärm. Diese Erfahrung mussten auch Bewohnerinnen und Bewohner der Feldbergstraße 14 in Heusenstamm machen. Wegen des Krachs sah sich ein Paar gar gezwungen, kurzfristig über Nacht in ein Hotel umzuziehen, denn an Schlaf in den eigenen vier Wänden war nicht zu denken.

Was war passiert? Als die Energieversorgung Offenbach (EVO) am vergangenen Montag ein Notstromaggregat vor dem Fenster ihres Schlafzimmers im Erdgeschoss platzierte, dachte Jana Holecek zunächst, es handele sich um eine vorübergehende Maßnahme. Groß war die Verwunderung allerdings, als sie am Abend von der Arbeit kam und feststellte, dass das lärmende Gerät immer noch dort stand – und dauerhaft in Betrieb war. „Draußen haben wir 80 Dezibel gemessen – drinnen 60“, berichtet Holecek. Außerdem seien die Vibrationen des Geräts spürbar gewesen, an Schlaf war nicht zu denken.

Heusenstamm: Ärger um laute Notstromversorgung - EVO bedauert Unannehmlichkeiten

„Mein Mann und ich sind berufstätig und müssen früh aufstehen“, erläutert Holecek. Also nahm sich das Paar kurzfristig ein Hotel, 80 Euro kostete die Übernachtung. Erst am nächsten Tag erfuhren sie und andere Mieter auf Nachfrage von der Hausverwaltung, dass die EVO wegen eines Defekts in einer Schaltanlage kurzfristig eine Notstromversorgung einrichten musste, die auch noch bis Freitag aufrecht erhalten werde.

Ausweichquartier Küche: Zumindest dort war an Schlaf zu denken, als das Notstromaggregat lief.
Ausweichquartier Küche: Zumindest dort war an Schlaf zu denken, als das Notstromaggregat lief. © p

„Hätten wir diese Info gehabt, hätten wir uns freinehmen und solange wegfahren können“, ärgert sich Holecek vor allem über die mangelnde Kommunikation. Die Verwaltung streitet allerdings jegliche Verantwortung ab und verweist die verärgerten Bewohner an die EVO. Eine solche Maßnahme sei zu dulden, alle weiteren Punkte seien mit dem Versorger zu klären, heißt es schroff in einer Mail, die unserer Redaktion vorliegt.

Bei der EVO bedauert man die Unannehmlichkeiten: „Wir bitten die Anwohner um Nachsicht“, so Konzernsprecher Harald Hofmann. „Unsere Abwägung zwischen Lärmbelastung für einige Anwohner und einem Stromausfall für viele Menschen schien uns eindeutig.“ Ein anderer Standort für das Aggregat oder ein leiseres Gerät seien kurzfristig nicht verfügbar gewesen. Die EVO werde allerdings gegen Vorlage der Rechnung die Hotelkosten übernehmen. Eine Kundeninformation sei nur bei langfristig vorhersehbaren Versorgungsunterbrechung vorgesehen. „Kurzfristige Einsätze können in der Regel nicht angekündigt werden, außer es gibt im Rahmen der verkehrsrechtlichen Anordnung Vorgaben zur Beschilderung. Das trifft bei Lärmemissionen aber nicht zu.“

Heusenstamm: Wegen Laustärke Umzug erst ins Hotel, dann zum Schlafen in die Küche

Grundsätzlich sei nicht bei jeder Erneuerung einer Schaltanlage der Einsatz eines Notstromaggregates erforderlich. In der Feldbergstraße sei es jedoch aus technischen Gründen nicht möglich gewesen, die Versorgung über andere Ortsnetzstationen zu gewährleisten. „Aus diesem Grund mussten wir auf den Einsatz eines Notstromaggregates zurückgreifen“, begründet er die Nutzung des lauten Geräts. Künftig werde dies jedoch nicht mehr notwendig sein, denn die neu eingebaute Schaltanlage sei so konzipiert, dass bei Wartungs- oder Reparaturarbeiten kein Notstromaggregat mehr eingesetzt werden müsse, versichert Hofmann.

Weil auch der Umzug ins Hotel keine optimale Lösung war, verbrachten Jana Holecek und ihr Mann die folgenden Nächte auf einem Notlager in ihrer Küche, wo der Lärm einigermaßen erträglich war. Das Angebot der EVO zur Kostenübernahme hat Holecek etwas versöhnt, auch wenn sie sich weiterhin über die nicht erfolgte Information und vor allem über den schroffen Wortlaut der Mail aus der Hausverwaltung ärgert. „Der Ton macht die Musik“, so die Mieterin. (Niels Britsch)

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