Offenbach

Offenbach: Investoren spüren letzte Freiflächen auf

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Neben einer Moschee in der Waldstraße rollen auch Bagger.

Auch abseits der Offenbacher City und des beliebten Nordends entstehen in Offenbach überall neue Wohnungen. Auch auf dem Blumen-Elsässer-Areal rollen jetzt die Bagger.

Manch einem hat es ziemlich wehgetan, als 2016 der alte Verkaufspavillon des Blumengeschäfts Elsässer an der Waldstraße abgerissen wurde. Der abgerundete und teilweise verkachelte 50er-Jahre-Bau mit seinen zeittypischen goldfarbenen Fensterrändern war ein architektonisches Kleinod. Doch dem Druck auf dem Offenbacher Wohnungsmarkt konnte das Gebäude, das nicht denkmalgeschützt war, nicht standhalten. Es wurde abgerissen. Jetzt – nach drei Jahren Wildwuchs auf der Brache und einem Investorenwechsel – haben die Bauarbeiten begonnen. Laut der Groß-Umstädter Firma FG Hausbau sollen dort in drei Gebäuden 42 Eigentumswohnungen entstehen. Ursprünglich waren 31 geplant. Die Vorarbeiten auf dem neben dem marokkanisch-islamischen Kulturzentrum gelegenen Grundstück haben begonnen.

Die Fertigstellung einiger Wohnungen im „Seerosengarten“ verzögert sich wegen eines Brands. 

Das Beispiel zeigt: Längst ist das Wachstum der Stadt mit ihren mittlerweile fast 140 000 Einwohnern nicht mehr auf die Innenstadt und Szeneviertel wie das Nordend oder auf Neubaugebiete wie „An den Eichen“ beschränkt. Heute wird in Offenbach fast überall gebaut, und so kommen auch bislang eher locker bebaute Quartiere wie das Musikerviertel, der Buchhügel oder das Lindenfeld – die Gegend zwischen Bahntrasse und Hessenring, wo auch der Blumenpavillon stand – in den Fokus der Investoren.

Oft sind es Gewerbebauten, Brach- und Rasenflächen oder Garagenkomplexe, die bebaut werden – etwa in der Friedens-, der Feld- und der Unteren Grenzstraße: Dort überall wurde und wird derzeit neuer Wohnraum geschaffen, oft in Hinterhöfen und oft mit sehr schlicht gestalteten Fassaden.

Eines der ungewöhnlichsten Projekte, das man in einer solchen Randlage zunächst nicht vermuten würde, ist der „Seerosengarten“ des Würzburger Immobilienentwicklers Erdogan Samiloglu: Das Projekt umfasst die Kernsanierung des ab 1877 errichteten früheren städtischen Armenhauses und späteren Altenpflegeheims und die Schaffung von 84 Eigentumswohnungen darin. Außerdem entsteht ein Neubau mit 28 Mietwohnungen zwischen Hessenring und Elisabethenstraße. Vor dem fünf- bis sechsgeschossigen Ensemble liegt ein Park und ein kleiner See, der privat genutzt werden soll. „Grundstück und Gebäude sind wirklich spannend“, schwärmt Samiloglu.

Dementsprechend läuft der Verkauf: Von den 84 Wohnungen, die im Altbau entstehen, seien bereits 71 veräußert, erzählt der Projektentwickler. In vier Monaten sollen die ersten Wohnungen bezugsbereit sein. Wann das komplette Projekt fertig ist, kann Samiloglu derzeit aber noch nicht absehen: Wegen eines Brandes auf der Baustelle im September, der in Kombination mit dem Löschwasser zwölf Wohnungen beschädigt hat, verzögert sich das Projekt.

Klar ist: Bei den meisten Vorhaben ist es kein günstiger Wohnraum, der entsteht. Im „Seerosengarten“ liegen die Quadratmeterpreise teils bei 5000 Euro, es gibt Wohnungen, die fast eine Million Euro kosten. Wie hoch die Mieten sein werden, stehe noch nicht fest, sagt Samiloglu – und fügt hinzu, dass man das Projekt mit den Neubauten am Hafen vergleichen könne. Dort wird der Quadratmeter Wohnraum zurzeit zwischen 14 und 15 Euro kalt vermietet.

Lindenfeld & Co.

Die Stadt Offenbach ist seit diesem Jahr in 21 Stadtteile unterteilt – einer ist das Lindenfeld. Das ist die Gegend zwischen Waldstraße, Hessen- und Landgrafenring, Unterer Grenzstraße und Bahntrasse. 6 950 Menschen lebten im Juni hier – 203 mehr als im Vorjahr. 

Das ehemalige Altenheim zwischen Hessenring und Elisabethenstraße liegt schon im Stadtteil Buchhügel. 

Die Wettbewerbsarbeiten für das Blumen-Elsässer-Areal an der Waldstraße werden am 28. Oktober vorgestellt.

Von Fabian Scheuermann

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