Offenbach

Haftbefehl-Straße in Offenbach? Diskussion um neuen Namen für Bismarckstraße nimmt Fahrt auf

Auch die Umbenennung des Hugo-Eberhardt-Wegs wird diskutiert.  
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Auch die Umbenennung des Hugo-Eberhardt-Wegs wird diskutiert.  

Der Straßenname der Bismarckstraße ist wegen dessen Rolle im Kolonialismus bald Thema bei einer Arbeitsgruppe der Offenbacher Stadtverordneten. In der Diskussion ist zudem eine Umbenennung des Hugo-Eberhardt-Wegs am Ring-Center.

  • Geht es nach einer Petition, soll die Bismarckstraße in Offenbach umbenannt werden
  • Der Vorschlag: Namensänderung in Haftbefehl-Straße nach dem bekannten deutschen Rapper
  • Doch eine Umbenennung ist fraglich

Offenbach - Die Onlinepetition eines Studenten, der wegen Otto von Bismarcks Rolle im Kolonialismus eine Umbenennung der Bismarckstraße Offenbach fordert, schlägt Wellen in der Kommunalpolitik. Linke und Grüne wollen das Thema auf die Tagesordnung der Arbeitsgruppe Straßennamen setzen. Diese besteht aus Stadtverordneten mehrerer Fraktionen und trifft sich wieder Mitte Juli. Auch die CDU spricht sich für eine Beratung des Themas in der nächsten AG-Sitzung aus.

Offenbach: Petition Bismarckstraße nach Rapper Haftbefehl zu benennen, löste Diskussion aus

Der Vorstoß des 29-jährigen Offenbachers Felix Sauer hat in den vergangenen zwei Wochen zu vielen Diskussionen, auch im Internet, geführt – unter anderem auf fr.de. Sauer hatte als alternativen Namen für die prominent am Hauptbahnhof gelegene Bismarckstraße den Offenbacher Rapper Aykut Anhan aka Haftbefehl vorgeschlagen. „Wir sollten als weltoffene Gesellschaft auch wichtige Figuren mit Migrationserfahrung öffentlich ehren“, begründete einer der bislang rund 1300 Unterstützenden von Sauers Petition seine Zustimmung. Offenbachs AfD indes warnte vor einem Identitätsverlust, wenn die Bismarckstraße verschwinde.

Klar ist: Eine Haftbefehl-Straße wird es nicht geben – weil Straßen nicht nach lebenden Personen benannt werden. Sauer hatte den Rapper als Vorschlag ins Spiel gebracht, um die Debatte in Gang zu bringen, wie er sagt. Jetzt, wo im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste allerorten über Rassismus gesprochen werde, sei auch eine Debatte über Bismarck möglich. Denn es sei keineswegs so, dass der Reichskanzler stets Kritiker des Kolonialismus gewesen sei, wie viele in der aktuellen Debatte behaupteten. Dem Hamburger Historiker und Afrikawissenschaftler Jürgen Zimmerer zufolge könne eine Rede Bismarcks bei der Eröffnung einer Konferenz zur Aufteilung Afrikas 1884 gar als „Paradebeispiel kolonialistischer Weltsicht“ gesehen werden.

Keine „Haftbefehl“-Straße für Offenbach 

Felix Schwenke (SPD) hatte vorgeschlagen, eine „fachlich kompetent besetzte historische Kommission“ solle sich mit dem Thema beschäftigen. Doch ob es zu einer Umbenennung der Bismarckstraße kommt, ist fraglich. Zum einen, weil die Koalitionspartner CDU, FDP und Freie Wähler – anders als die Grünen – dem kritisch gegenüberstehen. Zum anderen, weil in der Straße viele Menschen leben, für die eine Umbenennung Aufwand bedeuten würde – es sind fast 2200.

Weiter gediehen sind die Diskussionen im Falle Hugo Eberhardts, nach dem eine Anliegerstraße hinter dem Ring-Center benannt ist. Der Gründer des Deutschen Ledermuseums war auch Direktor der Kunstgewerbeschule in Offenbach, der Vorgängerinstitution der Hochschule für Gestaltung (HfG). 

Offenbach: Stadtverordnetenvorsteher will Diskussion um Hugo-Eberhardt-Weg

Aus Recherchen des Frankfurter Historikers Andreas Hansert ging 2019 unter anderem hervor, dass Eberhardt seinen „Ermessensspielraum maximal zugunsten der Nationalsozialisten genutzt“ und das Lehr- und Produktionsprogramm der Schule früh und konsequent auf die Propagandabedürfnisse der NSDAP ausgerichtet habe.

Eine Diskussion über den Hugo-Eberhardt-Weg sehe er „als anstehend an“, sagt Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber, der die Straßennamen-AG leitet. Man habe eine Liste vieler „hervorragender Frauen aus der Offenbacher Geschichte“, nach denen man den Weg benennen könne. Auch das Ledermuseum, in dessen Foyer eine Büste Eberhardts steht, schafft Fakten: Am Mittwoch hat der Museumssenat beschlossen, neben der Büste einen Text des Architekturhistorikers Winfried Nerdinger anzubringen, der Eberhardts dunkle Vergangenheit beleuchtet.

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