Fridays for Future

DGB-Chef poltert nach Siemens-Angebot an Neubauer: „Leider ein schlechter PR-Gag“

Luisa Neubauer (Fridays for Future) strebt vor dem Bundesverfassungsgericht eine Klimaklage an. Der DGB-Chef äußert sich derweil zu dem Angebot von Siemens.

  • Siemens-Chef Joe Kaeser machte einer Klima-Aktivistin ein überraschendes Angebot
  • Luisa Neubauer, die „deutsche Greta Thunberg“ lehnt das Angebot ab
  • Jetzt will Luisa Neubauer vor Bundesverfassungsgericht Klimaschutz einklagen

Update vom Mittwoch, 15.01.2020, 22.53 Uhr: Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, hält nicht viel von dem Angebot Joe Kaesers an Klima-Aktivistin Luisa Neubauer. Der Siemens-Chef hatte vorgeschlagen, ihr einen Aufsichtsratsposten anzubieten. „Das war leider ein schlechter PR-Gag“, sagte Hoffmann laut Handelsblatt.

Er sei für mehr Frauen in den Aufsichtsräten, dann müssten allerdings auch die Voraussetzungen dafür in den Hauptversammlungen geschaffen werden. „Da hapert es doch noch gewaltig, besonders wenn ich mir die Frauenquote in den Aufsichtsräten anschaue“, so Hoffmann im Handelsblatt.

Neubauer (Fridays for Future) mit Klimaklage nach Siemens-Angebot

Update vom Mittwoch, 15.01.2020, 14.27 Uhr: Junge Klimaaktivisten, Umweltverbände und Betroffene des Klimawandels aus Südasien wollen die Bundesregierung gerichtlich zu mehr Klimaschutz zwingen. Greenpeace, die Deutsche Umwelthilfe, Fridays for Future und andere Organisationen stellten dazu am Mittwoch in Berlin drei Verfassungsbeschwerden vor. 

Darin verlangen sie eine Überarbeitung und Verschärfung des im Dezember verabschiedeten Klimapaketes. "Ab heute steht auch die Frage im Raum, ob das Nichthandeln der Bundesregierung mit dem Grundgesetz vereinbar ist", sagte Luisa Neubauer von Fridays for Future. Verfassungsbeschwerden seien der logische Schritt nach den großen Protesten im vergangenen Jahr. Eine der Klagen strengen zehn Jugendliche aus Deutschland an. Miriam Siebek, Schülerin aus Stuttgart, sagte, die Bundesregierung halte sich nicht an ihre Pflicht, "meine und unsere Zukunft sicherzustellen". 

Stattdessen verabschiede sie ein "Klimapäckchen", sagte die 15-Jährige. "Das macht mir nur Angst." Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe, forderte die Bundesregierung auf, "Hinterzimmerabsprachen mit Industrie und Konzernen", wie zum Beispiel Autobauern, zu beenden. Wirksamer Klimaschutz sei möglich: "Ein Tempolimit - sehr schnell umsetzbar, wie das Beispiel Niederlande zeigt", sagte Resch. Die Umwelthilfe verlangte von der Bundesregierung, ihre "Blockade gegenüber erneuerbaren Energien" aufzugeben - etwa bei der Windenergie an Land. Würde sie Braunkohle-Kraftwerke vom Netz nehmen, würden "wir über Nacht 28 Millionen Tonnen CO2 vermeiden". Auch Wohnen und Bauen sollte CO2-neutral werden. Dafür brauche es neue Standards und ein Verbot von neuen Öl- und Gasheizungen.

Nach Angebot von Siemens-Boss: Neubauer (Fridays for Future) mit Klimaklage

Update vom Mittwoch, 15.01.2020, 09.51 Uhr: Nachdem Siemens-Chef Joe Kaeser vergeblich um die Gunst der jungen Klimaaktivistin Luisa Neubauer (Fridays for Future) geworben hat, will diese nun gemeinsam mit mehreren Umweltorganisationen vor dem Bundesverfassungsgericht mehr Klimaschutz juristisch durchsetzen. „Gemeinsam mit einigen anderen jungen Menschen werde ich vor dem Bundesverfassungsgericht eine Klimaklage einreichen“, so Neubauer. Auf Twitter erklärt Luisa Neubauer, dass sie um 10 Uhr am Mittwochmorgen (15.01.2020) eine Erklärung bei der Bundespressekonferenz gemeinsam mit Greenpeace Deutschland, der Deutschen Umwelthilfe sowie Germanwatch zu der Klage abgeben wird. 

Demo von „Fridays for Future“ gegen Siemens - mehrere Hundert gehen auf die Straße

Update vom Montag, 13.01.2020, 20.12 Uhr: In  Frankfurt beteiligten sich am Montagabend mehrere Hundert Demonstrierende an einer Spontandemo am Zoo. In kürzester Zeit hatte die Jugendklimabewegung ihre Kampagne gegen die Siemens-Entscheidung auf die Beine gebracht. Die Idee zur Spontandemo am Zoo kam den Frankfurter Fridays for Future-Aktivistinnen und -Aktivisten in der Nacht um drei. Keine 14 Stunden später stand eine bunte Gemeinschaft auf der Straße, trommelte Rhythmen und feierte ihre eigene Tatkraft. „Wir sind hier, wir sind laut, weil Siemens unsere Zukunft klaut “, wurde skandiert.

Und auch auf dem Luisenplatz in Darmstadt versammelten sich laut Mitinitiator und Fridays for Future-Sprecher Silas Bug rund hundert Demonstranten. Zur Teilnahme an der Spontankundgebung hatte die Darmstädter Gruppierung der Klimaschutzbewegung erst am frühen Nachmittag via Twitter und eine WhatsApp-Gruppe aufgerufen.

Siemens bleibt bei Kohleprojekt - „Fridays for Future“ demonstriert dagegen

Update vom Montag, 13.01.2020, 11.30 Uhr: Mit bundesweiten Demonstrationen erstmals auch am Montag protestiert die Klimaschutzbewegung Fridays for Future gegen die Entscheidung von Siemens, an seiner Beteiligung an einem gigantischen Kohleförderprojekt in Australien festzuhalten. Fridays for Future rief zu Kundgebungen in rund 15 Städten auf, darunter München, Erlangen, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Köln. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte am Sonntagabend mitgeteilt, der Konzern müsse sich in Australien an seine vertraglichen Verpflichtungen halten.

Update vom Montag, 13.01.2020, 07.25 Uhr: Siemens hält trotz der vehementen Kritik von Klimaschützern an seiner Beteiligung an einem gigantischen Kohleförderprojekt in Australien fest. Dies teilte Konzernchef Joe Kaeser am Sonntagabend nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mit. Die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer warf Kaeser eine „historische Fehlentscheidung“ vor und kündigte neue Proteste gegen Siemens am Montag in mehreren deutschen Städten an.

Kaeser schrieb im Onlinedienst Twitter, sein Unternehmen habe im Fall des australischen Projekts alle Optionen geprüft, müsse sich aber an seine vertraglichen Verpflichtungen halten. Er kündigte die Gründung eines Nachhaltigkeitsrates an, um Umweltschutzfragen in der Zukunft besser zu berücksichtigen.

Siemens-Chef Joe Kaeser „respektiert“ Entscheidung von Luisa Neubauer

Update vom Sonntag, 12.01.2020, 10.25 Uhr: Nachdem Klima-Aktivistin Luisa Neubauer das Angebot von Siemens abgelehnt hatte, einen Sitz im Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy zu übernehmen, hat sich Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser zur Wort gemeldet. Er „respektiere ihre Entscheidung“, sagt Kaeser. „Sie hätte an der Lösung der von der Fridays-for-Future-Bewegung zu Recht adressierten Klimaproblematik mitgestalten können und dabei auch Einblicke in komplexe unternehmerische Zusammenhänge bekommen“, fügte er hinzu. "Meine Tür steht weiterhin offen", sagte Kaeser mit Blick auf die Diskussion mit Neubauer.

Zu ihrem Vorschlag, einen Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin stattdessen in das Aufsichtsgremium zu setzen, äußerte er sich gegenüber dpa nicht. 

Hintergrund des Dialogs zwischen Kaeser und Neubauer ist die Lieferung einer Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien, über die Siemens am Montag entscheiden will. Die Adani Group will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft.

Klima-Aktivistin Luisa Neubauer lehnt Siemens-Angebot ab

Update vom Sonntag, 12.01.2020, 06.47 Uhr: Sie wird es nicht tun. Nun hat sich Klima-Aktivistin Luisa Neubauer doch noch deutlich zum Angebot des Siemens-Chefs Joe Kaeser gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) geäußert. "Ich werde das Angebot persönlich nicht annehmen können", sagte Neubauer. Aber die junge Frau hat einen Gegenvorschlag. So „habe sie Siemens darum gebeten, das Angebot einem Vertreter oder einer Vertreterin der ‚Scientists For Future‘ weiterzugeben.“

Bei den Scientists For Future handelt es sich um einen Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die die Klimaschutz-Bewegung „Fridays For Future“ unterstützen. Noch ist unklar, ob sich Siemens auf den Deal einlassen wird. „Wenn der Firma ernsthaft an Klimaschutz und 'Fridays For Future' gelegen ist, wird sie meine Entscheidung respektieren“, ergänzt Luisa Neubauer gegenüber der dpa. 

Ihre Absage an Siemens begründet Luisa Neubauer damit, dass sie mit dem Posten den Interessen von Siemens verpflichtet wäre und somit dann die Entscheidungen des Konzerns nicht mehr kommentieren könnte. „Das ist nicht mit meiner Rolle als Klima-Aktivistin zu vereinbaren“, so Neubauer. Sie sei dem Paris Klimaabkommen und dem 1,5-Grad-Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung verpflichtet.

Erstmeldung vom Samstag, 11.01.2020: Die Fridays for Future Bewegung ist längst zu einem ernstzunehmenden Player in der deutschen Klimadebatte geworden. Nicht zuletzt wegen Aktivistinnen und Aktivisten wie Luisa Neubauer. Ihr Engagement ist derart groß, dass sie bereits als "deutsche Greta Thunberg" gehandelt wird.

Siemens-Chef bietet "deutscher Greta Thunberg" einen Posten im Aufsichtsrat an

Und wahrscheinlich ist dieser Ruf nicht ganz unschuldig daran, dass der Chef des Siemens Konzerns Joe Kaeser der Klima-Aktivistin am Freitag (10.01.2020) ein überraschendes Angebot machte. Der Siemens-Chef bot Luisa Neubauer einen Sitz im Aufsichtsrat von Siemens Energy an. Einer Unternehmenstochter, in die Siemens voraussichtlich im Frühjahr sein Energiegeschäft abspalten will.

Siemens-Chef Kaeser sagte dazu in Berlin: „Ich möchte, dass die Jugend aktiv sich beteiligen kann. Der Konflikt zwischen Jung und Alt muss gelöst werden.“

Klima-Aktivistin Neubauer reagiert verhalten auf Angebot und sorgt für Verwirrung

Doch wie sich jetzt zeigt, hat die Jugend eine andere Idee von aktiver Beteiligung als der Siemens-Chef. Luisa Neubauers Antwort auf das Angebot von Siemens-Chef Kaeser war derart verhalten, dass in den deutschen Medien Verwirrung darüber herrscht, ob die Aktivistin das Angebot nun abgelehnt hatte oder nicht. 

Während einige Medien von einer klaren Absage seitens der Klima-Aktivistin sprechen, vermeldete der Spiegel, dass Luisa Neubauer sich nicht zum Angebot des Siemens-Chefs äußern wollte. Dies entspricht auch der Meldung der Deutschen Presseagentur dpa: „Neubauer ließ offen, ob sie das Angebot annehmen wird. Sie werde Kaeser 'sicherlich eine Rückmeldung dazu geben' Die Kernfrage der Angelegenheit sei das aber nicht.‘“. Denn an diesem Abend war das zentrale Thema Siemens umstrittene Rolle bei einem der größten Kohlebergwerke der Welt.

Siemens-Konzern von Klima-Aktivisten wegen Kohlebergwerk kritisiert

Der Konzern steht wegen einer geplanten Lieferung einer Zugsignalanlage für das Bergwerk in Australien in der Kritik. Das Kohlebergwerk wird laut dpa-Angaben seit langem von Umweltschützern bekämpft. Es geht um den Klimaaspekt und den Wasserverbrauch ebenso wie um die Zerstörung von wichtigem Lebensraum. Beispielsweise um den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das weltweit größte Korallenriff.

Und ganz getreu der Überzeugung der Klima-Aktivisten von Fridays for Future* wollte Luisa Neubauer die Diskussion um Siemens Rolle bei der Kohleförderung wahrscheinlich nicht von Diskussionen über Jobangebote in Aufsichtsräten vernebeln lassen. 

Der Konzern gab indes an, dass der Vorstand bis Montag über die Rolle von Siemens an der Kohleförderung in Australien entscheiden wird.

Von Sophia Lother

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © REUTERS

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