Neue Studie

Fremde Zivilisationen hätten die Erde seit Jahrtausenden entdecken können

Hätten außerirdische Lebensformen die Erde entdecken können? Zwei Forscherinnen finden heraus: Es gibt im Universum reichlich Gelegenheit für fremde Zivilisationen, unseren Planeten zu sehen.

USA - Seit vielen Jahren sucht die Menschheit nach außerirdischem Leben – auf dem Mars*, der Venus*, Monden im Sonnensystem*, aber auch in den Tiefen des Universums, auf weit entfernten Exoplaneten*. Bisher ohne Erfolg. Doch wie sieht es eigentlich umgekehrt aus? Könnten potenzielle außerirdische Lebensformen die Erde und das Leben auf dem blauen Planeten nicht schon längst entdeckt haben? Dieser Frage widmete sich die Astrophysikerinnen Lisa Kaltenegger (Cornell University) und Jacqueline Faherty (American Museum of Natural History) in einer Studie, die im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht wurde.

Ihre Erkenntnis: In den vergangenen 5000 Jahren waren weit mehr als 1000 Sterne in einer guten Position, um von dort aus die Erde zu sehen – immer vorausgesetzt, es gab oder gibt dort vergleichbare astronomische Instrumente wie bei uns. Die beiden Astrophysikerinnen gingen dabei von einer Methode aus, die die irdische Forschung verwendet, um ferne Exoplaneten zu entdecken: Beobachtet wird eigentlich ein Stern – zieht ein Planet vor dem Stern vorbei, wird dessen Helligkeit etwas geringer. „Siebzig Prozent aller bekannten Exoplaneten wurde bisher so entdeckt“, erklärt Kaltenegger gegenüber Space.com.

Sind wir allein im Universum? 1715 Sterne hätten die Erde bisher entdecken können

Mit dieser „Transit“-Methode hätten seit den Anfängen der menschlichen Zivilisation vor etwa 5000 Jahren fremde Zivilisationen auf 1715 Sternen die Erde entdecken können, so die Berechnung der beiden Astrophysikerinnen. 75 dieser Sterne seien nah genug, um menschengemachte Radiowellen zu empfangen. 29 dieser Sterne könnten demnach Gesteinsplaneten in ihrer bewohnbaren Zone haben. 319 weitere Sterne sollen in den nächsten 5000 Jahren eine Position erreichen, von der aus sie die Erde sehen können – wenn sie geeignete Instrumente besitzen.

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Exoplaneten-System in 11 Lichtjahren Entfernung konnte die Erde erspähen

Bei sieben der Sterne, die die Erde in der Vergangenheit sehen konnten oder in der Zukunft sehen können, ist bekannt, dass sie von Exoplaneten umkreist werden. Bekanntestes Beispiel ist das System Trappist-1, in dem es gleich sieben erdgroße Planeten gibt*. Dieses System wird in 1642 Jahren in der Lage sein, die Erde zu sehen – ganze 2371 Jahre lang. Derzeit können drei bekannte Exoplaneten-Systeme (K2-65, K2-155 und K2-240) die Erde von ihrer Position aus vor der Sonne vorbeiziehen sehen, so die beiden Forscherinnen.

Das Exoplaneten-System Ross 128* konnte die Erde in der Vergangenheit für 2158 Jahre sehen. Das System, in dessen Zentrum ein roter Zwergstern steht, ist etwa 11 Lichtjahre von der Erde entfernt und gilt als das zweitnächste Planetensystem mit einem erdgroßen Exoplaneten. Allerdings hätten potenzielle Lebewesen des Systems Ross 128 trotz ihrer Nähe zur Erde keine Chance gehabt, Radiowellen zu empfangen: Vor 900 Jahren endete das Beobachtungsfenster – lange bevor die ersten Radiowellen von der Erde ausgingen. „Hätte irgendjemand damals vermutet, dass es intelligentes Leben auf der Erde gibt?“, fragt sich Kaltenegger und betont: „Aus der Sicht der Exoplaneten sind wir die Aliens.“

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Außerirdisches Leben hätte die Erde schon lange entdecken können

Für ihre Analyse nutzten die beiden Wissenschaftlerinnen die Gaia-Datenbank der europäischen Raumfahrtorganisation Esa. Diese Datenbank beinhaltet eine Karte mit Positionen und Bewegungen von mehr als 331.000 Sternen in einem Umkreis von etwa 325 Lichtjahren rund um die Sonne. „Gaia hat uns eine präzise Karte der Milchstraße geliefert, mit der wir in der Zeit zurück und nach vorne schauen können und sehen können, wo Sterne positioniert waren und wo sie in Zukunft sein werden“, erläutert Faherty.

In Zukunft sollen mehrere Teleskope, darunter das Nasa-Weltraumteleskop „Tess“, nach Exoplaneten Ausschau halten, die die 2034 identifizierten Sterne möglicherweise umkreisen. „Hoffentlich sind viele in der bewohnbaren Zone“, hofft Kaltenegger. Habe man solche Planeten gefunden, werde man versuchen, sie mit dem geplanten James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) zu beobachten. Das Teleskop soll im Herbst 2021 starten und unter anderem das Licht analysieren, das durch die Atmosphäre von Exoplaneten gefiltert wird. So soll JWST nach Spuren von Leben auf diesen Exoplaneten suchen. „Wir stehen gerade an der Schwelle, um Leben im Kosmos zu finden“, erklärt Kaltenegger. (Tanja Banner) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © CHROMORANGE / Knut Niehus via www.imago-images.de

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