1. Startseite
  2. Hessen

Viel mehr Menschen beim CSD als erwartet: 13.500 Menschen ziehen feiernd durch Frankfurt

Erstellt:

Von: Nadja Austel

Kommentare

Aktivist:innen in Kharkiv halten eine Pride-Flagge hoch.
Mit dem Christopher Street Day (CSD) demonstrieren jedes Jahr überall auf der Welt Menschen für queeres Leben und feiern die Vielfalt. (Symbolbild) © Vitalii Vitleo/Imago

Der Christopher Street Day in Frankfurt feiert mit einem umfangreichen Festprogramm 30-jähriges Jubiläum. Am Samstag versammelten sich 13.500 Menschen zur Kundgebung auf dem Römerberg.

Update vom Samstag, 16. Juli, 16.55 Uhr: Tausende Menschen sind beim Christopher Street Day feiernd durch die Innenstadt von Frankfurt gezogen. Rund 13.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer seien am Samstag registriert worden, teilte die Polizei mit. Ursprünglich hatten die Einsatzkräfte nur mit 5.000 Teilnehmenden gerechnet. Unter dem Motto „30 Jahre CSD... und kein bisschen leiser!“ versammelten sich die Menschen zur Kundgebung af dem Römerberg.

Übergriffe auf den Demozug habe es nach Angabe der Polizei nicht gegeben. Nachdem es in Frankfurt in den vergangenen Wochen zu mehreren queerfeindlichen Angriffen gekommen war, hatte die Polizei ihr Einsatzkonzept nach eigenen Angaben noch einmal angepasst.

CSD in Frankfurt: Veranstaltung macht auf Rechte der LGBTQIA+-Community aufmerksam

Der Frankfurter CSD ist die größte Veranstaltung der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren (LGBTIQ) Community in Hessen und soll nach Angaben der Veranstalter auf die Rechte der Community und Benachteiligungen aufmerksam machen. Der Zug durch die Innenstadt markiert den Höhepunkt des viertägigen Fests.

Die Christopher Street Day (CSD)-Demonstration zieht am Samstag nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause wieder durch Frankfurt. Die Kundgebung zum Christopher-Street-Day steht unter dem Motto «30 Jahre CSD... und kein bisschen leiser!» und soll nach Angaben der Veranstalter auf die Rechte der Community und Benachteiligungen aufmerksam machen.
Die Christopher Street Day (CSD)-Demonstration zieht am Samstag nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause wieder durch Frankfurt. Die Kundgebung zum Christopher-Street-Day steht unter dem Motto «30 Jahre CSD... und kein bisschen leiser!» und soll nach Angaben der Veranstalter auf die Rechte der Community und Benachteiligungen aufmerksam machen. © Helmut Fricke

CSD am Samstag in Frankfurt: Alle Infos zu Ablauf und Straßensperrungen

Erstmeldung vom Samstag, 16. Juli, 12.53 Uhr: Frankfurt – Buntes Leben, Vielfalt und Akzeptanz für jede Form der Liebe werden weltweit jedes Jahr im Sommer mit Straßenfesten unter dem Namen „Christopher Street Day“ (CSD) zelebriert. Frankfurt ist seit 1992 dabei und feiert in diesem Jahr seinen 30. CSD-Geburtstag.

Nach starker Einschränkung in den letzten Jahren durch die Corona-Pandemie beginnt der CSD in Frankfurt dieses Jahr bereits am Donnerstag, dem 14. Juli 2022. Ab 18 Uhr öffnen die Gastronomie-Stände, anschließend gibt es um etwa 21.30 Uhr eine kostenlose Open Air Vorstellung des Films „Charlatan“ auf dem Festplatz der Konstablerwache. 

CSD in Frankfurt – Das Festprogramm zum 30. Jubiläum

Am Freitag, Samstag und Sonntag (15. bis 17. Juli), findet – ebenfalls an der Konstablerwache – jeweils ab 15 Uhr ein Fest der LGBTQIA+-Community statt. Gefeiert wird im Namen von Gleichberechtigung und Diversität. Speisen und Getränke gibt es von traditionsreichen queeren Lokalen Frankfurts, dazu ein Jubiläums-Programm auf der Hauptbühne mit Live-Acts, Polit-Talk, Djane*-Sets und „glitzernden, bunten Momenten“.

Am Samstag (16. Juli) beginnt die traditionelle Eröffnungskundgebung auf dem Römerberg mit Musik und dem Hissen der Regenbogenflagge. Hier startet dann auch um 12.30 Uhr an der Ecke Braubachstraße die Demonstration, die über die Konrad-Adenauer-Straße Richtung Norden zur Bleichstraße zieht. Weiter geht die Demo-Route von hier aus Richtung Westen über den Eschenheimer Turm bis zur Kreuzung Junghofstraße. Von hier aus läuft der Zug Richtung Rossmarkt und endet schließlich an der Konstablerwache, wo anschließend gefeiert werden kann.

Basar der Vielfalt – Infostraße in der Großen Friedberger Straße

Die Infostraße heißt beim CSD „Basar der Vielfalt“ und ist für das CSD-Jubiläum vergrößert: Von der Großen Friedberger Straße über den Regenbogenkreisel bis zur Alten Gasse präsentieren sich hier Community-Vereine, -Gruppen und -Initiativen. Auf der Kulturbühne am Ende der Meile findet außerdem ein buntes, alternatives Bühnenprogramm mit Kleinkunst, Poetry-Slam und Live-Radio statt.

Wofür steht LGBTQIA+?

Das Akronym LGBTQIA+ steht für die englischen Wörter Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual beziehungsweise Transgender, Queer, Intersexual und Asexual. Es wird als Abkürzung für alle Menschen verwendet, die lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, queer, intersexuell oder asexuell sind. Das Plus steht für alle, die sich der Community zugehörig fühlen, sich aber nicht mit einem dieser Begriffe identifizieren. Menschen innerhalb der LGBTQIA+ Community erfahren aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts häufig Diskriminierung.

Lesbian (lesbisch) und Gay (schwul) stehen für Homosexualität, also Frauen, die Frauen lieben, und Männer, die Männer lieben.

Bisexual (bisexuell) bezeichnet Menschen, die sowohl das andere Geschlecht lieben (heterosexuell) als auch das eigene Geschlecht (homosexuell).

Transsexual und Transgender (transsexuell) stehen für Menschen, die ihr biologisches Geschlecht nicht als ihr eigentliches Geschlecht empfinden. Beispielsweise kann ein Mensch als Junge geboren worden sein, sich aber als Mädchen fühlen und andersherum. (Im Englischen gibt es einen sprachlichen Unterschied, das Wort „Sex“ bezeichnet das biologische Geschlecht, während „Gender“ sich auf die soziale Geschlechterrolle bezieht.)

Queer (wörtliche Übersetzung etwa: anders) ist eine Bezeichnung von und für Menschen, die diese verschiedenen Begriffe einschränkend finden oder sich darin nicht wiederfinden. Der Begriff „queer“ wird mittlerweile auch im Deutschen verwendet und meint Menschen, die anders lieben oder fühlen als heterosexuelle Menschen.

Intersexual (intersexuell) ist ein Begriff für Menschen, die seit Geburt im biologischen Sinne sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane haben. Es kann beispielsweise sein, dass ein Kind bei der Geburt als biologisch weiblich bezeichnet wird, sich aber herausstellt, dass es auch innenliegende Hoden besitzt. Häufig werden diese Kinder schon im Kleinkindalter Operationen unterzogen, die eine künstliche und vermeintlich eindeutige Zuordnung zum männlichen oder weiblichen Geschlecht ermöglicht.

Asexual (asexuell) steht für Menschen, die keinerlei Bedürfnis nach körperlicher Intimität mit anderen Menschen egal welchen Geschlechts verspüren.

Das Plus + (manchmal auch *) dient als Platzhalter für weitere Geschlechteridentitäten und sexuellen Orientierungen. Dazu gehören beispielsweise Pansexualität, non-binäre oder genderfluide Menschen und viele mehr.

CSD-Frankfurt: Von Beginn an Fest und politisches Statement zugleich

Seine Bezeichnung erhielt der Christopher Street Day durch Proteste gegen die Diskriminierung von vor allem schwulen Männern in New York. Dort kam es im Jahr 1969 in einer Bar mit vorwiegend homosexuellem Publikum in der Christopher Street in Manhattan zu einer Razzia, bei der die Polizei mit Gewalt Männer aufgrund ihrer sexuellen Orientierung festnehmen wollte. Einige widersetzten sich und aus spontanen Protesten entstand in den folgenden Tagen und Wochen die Bewegung für Anerkennung und Gleichbehandlung. Dieser Tag wird innerhalb der LGBTQIA+-Community als Wendepunkt gefeiert.

Beim ersten CSD in Frankfurt 1992 ging es darum, Solidarität mit den vielfach stigmatisierten und diskriminierten Menschen der homosexuellen Community zu zeigen, die eine HIV-Infektion erlitten hatten. Es war die Epidemie, die vor allem schwule Männer dazu brachte, Rechte, Versorgung und Akzeptanz einzufordern. Das Fest wurde rasant größer, und 1995 eroberte es mit über 30.000 Teilnehmenden erstmals die Konstablerwache. Mittlerweile schließt der CSD nicht nur Homosexuelle, sondern die gesamte LGBTQIA+-Community mit ein.

Frankfurt – Änderungen im Nahverkehr während der CSD-Demonstration am 16. Juli

Die Straßenbahnlinien 11, 12 und 14 werden von etwa 8.30 bis 17 Uhr unterbrochen oder umgeleitet, die Linie 18 ist ab circa 11.30 Uhr betroffen. Die Linien 11 und 14 fahren in dieser Zeit zwischen Hauptbahnhof und Allerheiligentor eine Umleitung über Sachsenhausen und Südbahnhof. Die Linie 12 verkehrt nur zwischen Rheinlandstraße und Willy-Brandt-Platz. Die Linie 18 nimmt zwischen Nibelungenplatz und Hospital zum Heiligen Geist die Umleitung über Bornheim, Zoo und Hanauer Landstraße.

Der Ebbelwei-Expreß der VGF fährt von Betriebsbeginn bis etwa 17 Uhr in beiden Fahrtrichtungen eine Umleitung über Sachsenhausen. Die Buslinien 30 und M36 verkehren von circa 11.30 bis 17 Uhr ebenfalls eingeschränkt: Die Linie 30 ist nur zwischen Bad Vilbel beziehungsweise Unfallklinik und Bornheim Mitte unterwegs. Die Linie M36 wird geteilt und pendelt zwischen Westbahnhof und Holzhausenstraße sowie zwischen Hainer Weg und Südbahnhof.

Die U-Bahn-Linien U4 und U7 bieten bis in die Nacht hinein mehr Platz durch zusätzliche Wagen. Als Fahrtmöglichkeiten zwischen Konstablerwache und Hauptbahnhof bieten sich die U-Bahn-Linien U4, U5 und die S-Bahnen als Alternativen an.

Auch Limburg feierte im Mai 2022 die Vielfalt und richtete den ersten CSD der Stadt aus. Die Veranstalter wollen damit zeigen, dass es auch im ländlichen Raum queeres Leben gibt, das sich nicht verstecken muss.

Auch interessant

Kommentare