LKA ermittelt

Mysteriöse Vermisstenfälle in Hessen: Katzen und Hunde immer wieder verschwunden

Eine Katze läuft in Frankfurt über eine Gasse in der neuen Altstadt
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Immer mehr Haustiere verschwinden auf mysteriöse Weise in Hessen.

In Hessen verschwinden immer wieder Katzen, Hunde und andere Haustiere. Jetzt veröffentlicht das LKA erschreckende Zahlen.

  • Immer wieder verschwinden in Hessen Haustiere und Nutztiere.
  • Die Polizei hat dutzende Fälle registriert, in denen Tiere mutmaßlich gestohlen wurden.
  • Der Verlust ihrer Schützlinge hinterlässt bei den Haltern oft tiefe Wunden.

Hessen – Sie heißen „Bobby“, „Spiky“ und „Mili“. Mal sind sie noch zu jung, um schon Namen zu haben, mal leben sie schon eine gefühlte Ewigkeit bei ihren Besitzern. Mal haben sie vier Pfoten, mal Hufe, mal Flügel. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Diese Tiere aus Hessen gelten oder galten als vermisst – und in vielen Fällen sogar als gestohlen.

Hessen: Tiere vermisst oder verschwunden – Polizei registriert Dutzende Fälle

Immer wieder verschwinden in Hessen Haus- oder Nutztiere und gelten als vermisst. Die Polizei registrierte zuletzt Dutzende Fälle, bei denen Hund, Katze und Co. zu Diebesgut wurden. Der vielleicht berüchtigtste derzeit ist der Fall des Staffordshire Bullterrier-Mischlings „Bobby“, der Anfang Juni aus dem Tierheim in Butzbach (Wetteraukreis) verschwand. Das sei noch nie vorgekommen, erzählt Einrichtungsleiterin Claudia Maid. Ein Schock für das Tierheim – aber mit Blick auf das ganze Bundesland kein Einzelfall.

Hund Bobby wurde aus dem Tierheim in Butzbach (Hessen) gestohlen.

Katzen und Hunde vermisst: In Hessen verschwinden Haustiere spurlos

2019 gingen bei Hessens Polizei insgesamt 59 Strafanzeigen wegen mutmaßlich gestohlener Haustiere ein, wie das Landeskriminalamt (LKA) mitteilt. Davon betrafen 37 Anzeigen Hunde, elf Katzen, sieben Anzeigen gingen wegen verschwundener Hasen ein. Auch im Nutz- oder Wildtierbereich wurden Fälle gemeldet: Die mit 126 meisten Anzeigen betrafen Fische, gefolgt von Schafen (18) und Vögeln (14). Nach Angaben des LKA listet die Statistik nur die Zahl der Anzeigen, nicht die der gestohlenen Tiere auf. Eine Dunkelziffer? Wahrscheinlich. Nur wenige Fälle sind so gut dokumentiert wie die folgenden.

  • In Kassel schneidet Anfang Juli 2020 jemand mit einem Bolzenschneider in einem Tierheim ein Loch in die Tür des neuen Hundehauses – wohl um einen der Vierbeiner zu stehlen. Bei dem Einbruch entkommen die dackelgroßen Mischlingshündinnen Luna und Lexi, berichtet hna.de* Als die Polizei später versucht, sie einzufangen, beißt eines der panischen Tiere einen Beamten. Noch Tage später sind die Hunde verschwunden.
  • Im April 2020 wird bei einem Spaziergang in Mainz-Bischofsheim der Chihuahua-Rüde „Spiky“ entführt. Eine Bekannte entreißt den Familienhund der 17-jährigen Halterin. Die macht sich schwere Vorwürfe, weil sie ihren Liebling nicht beschützen konnte, wie ihre Mutter fnp.de erzählt*. Aber es gibt ein Happy End: Eine dritte Frau meldet sich bei der Polizei und gibt den Aufenthaltsort von „Spiky“ durch.
  • In Frankfurt-Seckbach werden im April 2020 zwei Lämmer von einer Weide gestohlen. Zwei Tage lang habe das Mutterschaf geblökt, „weil es seine Lämmer gesucht hat“, erzählt der entsetzte Hobby-Hirte. Noch Tage später seien die Tiere verängstigt gewesen, gibt er außerdem zu Protokoll. Es ist nicht das erste Mal, dass sich jemand an seinen Lämmern vergreift.
  • In Kriftel (Main-Taunus-Kreis) verschwinden im Mai 2020 zwei Hundewelpen aus dem Garten eines Züchters. Es handelt sich um erst wenige Wochen alte Malamute. Die Polizei schätzt den Wert eines der niedlichen Tapser auf mindestens 1200 Euro. Wenige Tage später wird eine Frau mit einem der Hunde am Main-Ufer in Frankfurt entdeckt. Die Polizei schaltet sich ein. Wie die Frau an den Hund kam, bleibt unklar. Vom zweiten Welpen fehlt jede Spur.
  • Auch Vögel sind das Ziel von Diebstählen. So wie in Bad Hersfeld, wo im Jahr 2017 ganze 30 Brieftauben entwendet werden. Gesamtwert laut Polizei: 20.000 Euro. Deutsche Brieftauben seien wegen ihrer guten Gene, ihrer Schönheit und ihrer Zuverlässigkeit international gefragt, erklärt ein Experte auf op-online.de*.
  • In Limburg rauben Kriminelle im November 2019 zehn Ziervögel aus einer Voliere. Nicht nur den Verlust von acht Kanarienvögel sowie zwei Zebrafinken müssen die Tierhalter aber beklagen. Am Tag nach dem Einbruch finden sie auch die leblosen Körper zweier weiterer Vögel in dem Käfig.
  • Die Polizei in Frankfurt erzählt auch eine unglaubliche Hundegeschichte. Ein Hund ist in Frankfurt spurlos verschwunden*: Ein Jahr später klingelt bei der Familie plötzlich das Telefon. Ein Tierarzt hat den Hund auf dem Behandlungstisch – ohne es zu wissen. Denn der Hund war auf einmal im Besitz einer Frau aus Hattersheim, westlich von Frankfurt. Der implantierte Chip, den der Arzt routinemäßig überprüft hat, ergibt, dass es sich um den schmerzlich vermissten Olmo handelt. 

In Hessen werden Tiere vermisst und gestohlen: Diebe von Tieren werden selten gefunden

In den meisten Fällen von vermissten Tieren in Hessen bleiben die Täter und Hintergründe unbekannt – doch es gibt Vermutungen, was dahinterstecken könnte. „In der Regel handelt es sich wohl um Einzelfälle, wenn Tiere aus Heimen entwendet werden“, sagt Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Grundsätzlich sei es denkbar, dass es sich beim Verschwinden von Tieren in einigen Fällen auch um ein organisiertes, kriminelles Geschäft handeln könnte, da zum Beispiel der Handel mit Rassehunden durchaus sehr lukrativ sei. Von Beweisen für „solche kriminellen Handlungen im großen Stil“, sei ihr aber nichts bekannt.

Einige Täter versuchten wohl auch, auf diese Art an einen „Listenhund“ zu kommen, so Gerlach. Solch ein Tier ist auch der Staffordshire Bullterrier-Mischlings „Bobby“ Butzbach. Seinem ehemaligen Besitzer fehlte eine Erlaubnis, die als gefährlich eingestufte Hunderasse zu halten, deshalb musste er ihn abgeben. „Es soll auch Fälle gegeben haben, in denen der ehemalige Besitzer sich sein Tier zurückgeholt hat oder in denen sich ein Interessent nicht damit abfinden konnte, dass eine Vermittlung nicht zustande gekommen ist“, so Gerlach. Die Suche nach „Bobby" und den anderen verschwundenen Tieren aus Hessen geht weiter. (dpa/ag) *op-online, hna.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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