Machbarkeitsstudie

Nach Wilke-Skandal: Wird das Gelände der Wurstfabrik zum Wohngelände?

Vor neun Monaten wurde die Fleischwarenfabrik Wilke nach einer amtlichen Anordnung geschlossen. Jetzt überlegt die Gemeinde, das Gelände zu erwerben.

  • In Waren der Firma Wilke in Waldeck-Frankenberg (Hessen) wurden 2019 Listerien gefunden.
  • Die Wurstfabrik wurde vor neun Monaten geschlossen
  • Die Gemeinde sucht nach einer neuen Nutzungsmöglichkeit 

Twistetal - Vor allem möchten die Gemeindevertreter verhindern, dass mitten in Twistetal-Berndorf in Hessen auf Dauer eine Industriebrache bestehen bleibt. Der mächtige Betonklotz unmittelbar an der Ortsdurchfahrt gelegen war noch nie Anwärter für einen Architekturpreis. 

Der Bauausschuss der Gemeinde hat bei seiner Sitzung am Montag empfohlen, dem Vorschlag des Gemeindevorstands zu folgen und vorsorglich Fördermittel aus dem Landesprogramm „Baulandoffensive Hessen“ zu beantragen.

Twistetal in Hessen: Große Nachfrage nach Bauland

Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob es sinnvoll wäre, wenn die Gemeinde Twistetal (Hessen) das Wilke-Gelände erwirbt, die Gebäude abreißt und eine Planung für eine neue Wohnbebauung erarbeiten lässt.

Der Ausgang dieses Vorhabens ist völlig offen, weil derzeit weder bekannt ist, welche Förderhöhe aus dem Landesprogramm „Baulandoffensive Hessen“ zu erwarten wäre, und ob das Grundstück der Firma Wilke überhaupt gekauft werden kann. Bürgermeister Stefan Dittmann berichtete im Ausschuss, dass das Förderprogramm eigentlich an die Auflage gebunden sei, dass im Ort Wohnungsnot bestehe. 

Das großflächige Wilke-Firmengelände ist unmittelbar an der Ortsdurchfahrt von Twistetal-Berndorf gelegen. Die Gremien der Gemeinde beraten in diesen Tagen, wie hier eine Industriebrache verhindert werden könnte. Eine Machbarkeitsstudie soll Klarheit bringen.

Dieses Kriterium könne man immerhin mit Verweis auf die große Nachfrage nach Bauland erfüllen, so Dittmann. Unklar sei aber, ob das Förderprogramm „Baulandoffensive Hessen“ auch den Bau eines Kindergartens ermögliche. Solche Fragen müsse eine Machbarkeitsstudie beantworten.

Hessen: Todesfälle durch Listerien in der Wurst vermutet

Außerdem verwies der Bürgermeister auf den Insolvenzverwalter der Firma Wilke, der nach wie vor  einen Kaufpreis von 1,7 Millionen Euro für das Gelände in Twistetal in Hessen aufrufe und erklärt habe, dass es Kaufinteressenten gebe. 

Das Unternehmen war Ende 2019 insolvent geworden, nachdem der Landkreis am 2. Oktober 2019 die Produktion gestoppt hatte. In Wurstwaren von der Firma Wilke aus Hessen waren Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. 

Wilke-Skandal: Firma aus Hessen mit drei Todesfällen in Verbindung gebracht

37 Krankheitsfälle, darunter drei Todesfälle, werden damit in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen den Geschäftsführer, die stellvertretende Geschäftsführerin und den Produktionsleiter unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und gewerbsmäßigen Betrugs. Der Wilke-Geschäftsführer klagt gegen die Staatsanwaltschaft.

Bei der politischen Aufarbeitung des Listerien-Skandals wurde  auch die Frage diskutiert, ob die Lebensmittelkontrolle über Jahre hinweg zu lasch gehandhabt worden sei. Zu lange habe man sich auf die Eigenkontrollen des Unternehmens verlassen, so der Vorwurf, der auch im Wiesbadener Landtag diskutiert wurde.

Wilke: Produktionshallen in Hessen stehen leer 

Inzwischen stehen die Produktionshallen in Twistetal in Hessen leer. Die meisten Maschinen wurden bei einer Versteigerung verkauft und sind längst abtransportiert.

Rubriklistenbild: © Hans Blossey

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