Leben in Kassel

Typen aus der Nachbarschaft, die wirklich jeder von uns kennt

Typen aus der Nachbarschaft
+

Ob die Kiffer-WG, das streitende Paar oder die Person, die ständig ein Paket geliefert bekommt - wir haben sie alle in unserer Auflistung

Unsere Nachbarn können uns den letzten Nerv rauben, für Gesprächsstoff sorgen oder zu guten Bekannten werden. Solange man kein Aussiedler-Leben am Waldesrand führt, sondern mitten in Kassel in einem Mehrfamilienhaus wohnt, sind sie jedenfalls immer da. Beim Plaudern mit Freunden stellt man schnell fest: Bestimmte Arten von Nachbarn gibt es überall. Die sieben gängigsten Typen von Nachbarn findest du hier:

Die entspannte Kiffer-WG

Ein kleines Fleckchen einer Oase befindet sich nur zwei Stockwerke über dir. Dort wohnt die entspannteste WG aller Zeiten. Regelmäßig wabert der Geruch von Gras durch die Gänge und zu allen möglichen Zeiten – außer morgens - erklingen Bob Marleys Reggae-Rhythmen. Nachts hört man Klackern, denn mysteriöse Männer und Frauen kommen zu Besuch. Begegnet man einem der WG-Nachbarn im Treppenhaus, schaut einem zwischen den Dreadlocks ein überraschtes Gesicht entgegen. Derjenige war so vertieft, dass er ganz vergessen hat, dass er sich auf keiner Insel befindet. In Ausnahmefällen sind Streifenwagen vor Ort. Auch sie wollen wissen, was in der geheimnisvollen Wohnung vor sich geht.

Die Beobachterin oder der Blockwart

Dieser Nachbarschaftstyp regt sich besonders gern über die entspannte WG auf. „Die Beobachterin“ tritt in verschiedenen Varianten auf: Es kann sich um eine alleinstehende Frau mit Katzen handeln, um ein Rentner-Ehepaar oder den kauzigen älteren Mann, der so genannte Blockwart. Was sie gemeinsam haben? Sie wissen Bescheid. Immer und überall. Denn sie haben das Haus im Blick. Sobald du dich dem Haus näherst, wird dezent die Gardine zur Seite geschoben. In einer Excel-Liste wird erfasst, wer wann zu laut war. Steht das Auto im Parkverbot, zückt die Beobachterin das Telefon, um das Ordnungsamt zu informieren. Mit Vorliebe hängt der Blockwart Zettel an die Haupteingangstür mit Warnhinweisen oder der Frage, bei wem im Haus das Wasser zurzeit auch zu lauwarm ist.

Das Sex-Paar

Auf den ersten Blick sieht das Sex-Paar recht harmlos aus. Das ändert sich, sobald ihre Haustür geschlossen ist. Grunzen, Kreischen, Schreien, Möbel-Rücken – ihr Sexleben scheint vielfältig zu sein. An sich erfreulich, aber dich kostet es Nerven, Schlaf und den Appetit. Besonders, wenn sie auch noch Vorhänge und das Fenster offen lassen. Einziger Vorteil: So weiß man immer, wann diese Nachbarn zu Hause sind. Das freut aber eigentlich nur die Beobachterin, es nimmt ihr schließlich Arbeit ab. Die Gefahr: Dein Tinder-Date ist verschreckt von diesen Nachbarn und geht frühzeitig nach Hause.

Die Streithähne

Man hört sie schon von weitem. Daran ist aber nicht (wie beim Sex-Paar) der Geschlechtsverkehr schuld, sondern ihre Streitigkeiten. Sie hassen sich und tun das lautstark kund. An einsamen Wein-Abenden, garniert von der Schrei-Kulisse, denkst du, dass das Single-Dasein gar nicht so schlecht ist.

Die Paket-Süchtige

Der Online-Versandhandel in Deutschland boomt. Die Ursache wohnt in deinem Haus: Veronika Schusterschmidt ist bei euch bekannt. Denn jede Wohnung beherbergt mindestens zwei ihrer Pakete, die sie nur bei Gelegenheit abholt. Zeitweise stapeln sich ihre Pakete unterschiedlicher Größe so, dass der Weg in deine eigene Küche zum Balance-Akt wird. Das Szenario ist immer das gleiche: genau heute wolltest du ausschlafen oder bist in Eile, weil du noch verabredet bist. An der Tür klingelt jemand Sturm. Es ist – Überraschung – der Paketbote. „Könnten Sie ein Paket für Veronika Schusterschmidt entgegennehmen?“ Das mit dem Nein sagen wolltest du ja eigentlich üben. „Aber gerne, kein Problem“, flötest du und legst ihr Paket auf den Stapel.

Die Schöne oder der Schönling

Du triffst den Schönling beziehungsweise die Schöne immer im falschen Moment: kurz nach dem leckeren Gyros mit Zaziki und genau heute sehen deine Haare besonders fettig aus. Während du nur schnell in die Puschen geschlüpft bist, um den übervollen gelben Müllsack runterzubringen, schwebt er (oder sie) dir im Flur entgegen. Natürlich gutaussehend wie immer. Flüchtig wirft die Schönheit von nebenan einen Blick auf die klägliche Version deiner selbst und sagt „Hallo“. Dir rutscht ebenfalls eine Begrüßung heraus, da ist der Moment schon wieder vorbei. Irgendwie hattest du dir das erste ausführliche Gespräch anders vorgestellt. Die nächsten drei Wochen, wenn du nur noch gut gelaunt und top gestylt das Haus verlässt, wird dir der attraktive Nachbar allerdings garantiert nicht begegnen.

Die quirlige Familie

Sie wohnen im ersten Stock und alle stolpern über das Bobbycar, die Schuhe und das Kinderfahrrad vor der Haustür der quirligen Familie. Ihre vier Kinder kannst du immer noch nicht so recht auseinanderhalten. Sie spielen und toben zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sonntagnachmittag lädt die Familie öfter Freunde zum Grillen ein, der Duft von Holzkohle und Bratwürstchen zieht dann zu dir hoch. Ob du das schätzt oder anstrengend findest, ist wohl Geschmackssache.

Das Gespenst

Im vierten Stock soll er wohnen, der Nachbar, den nie jemand zu Gesicht bekommt. Der Sage nach macht er irgendwas als Manager, ist ein Mittvierziger und unterhält hier eine Zweitwohnung. Die Beobachterin ist felsenfest davon überzeugt, dass er immer montags um 14 Uhr nach Hause kommt. Sein Briefkasten ist zumindest beschriftet. Ob das Gespenst sein Unwesen treibt oder eigentlich nur ein zurückgezogenes Leben führt, wirst du wohl nie erfahren.

von Natalie Montag

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.