Kunstwerke sind in der ganzen Stadt verteilt

Diese documenta-Kunstwerke gibt es in Kassel

Diese documenta-Kunstwerke gibt es in Kassel
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Der „Himmelsstürmer“ begrüßt die Gäste des Kulturbahnhofs in Kassel.

Die nächste documenta ist zwar erst 2022, jedoch könnt ihr euch in ganz Kassel stets verschiedene documenta-Kunstwerke anschauen. Und das kostenlos! Wir stellen die Werke vor.

Alle fünf Jahre trifft sich die Kunst-Elite in Kassel – denn dann findet die documenta statt, die weltweit bedeutendste Ausstellung für moderne Kunst. Sogar Brad Pitt besuchte bereits die documenta in Kassel. Seit 1999 trägt Kassel deshalb offiziell den Beinamen„documenta-Stadt“. Viele der Werke von vergangenen Ausstellungen, die von der Stadt angekauft wurden, prägen heute das Stadtbild. Wir geben euch einen Überblick über die documenta-Kunstwerke in Kassel.

documenta-Kunstwerke in Kassel: 7000 Eichen

Die 7000 Eichen, die von Joseph Beuys zur documenta 7 im Jahr 1982 gepflanzt wurden, sind über das gesamte Stadtgebiet in Kassel verteilt. Fünf Jahre hat es gedauert, bis die Bäume ihre volle Pracht erreichte haben – pünktlich zur documenta 8 im Jahr 1987. Die Bäume erkennt man am dem Basaltstein, der neben ihrem Stamm steht. Besonders prominent sind natürlich die Eichen auf dem Friedrichsplatz, die sich dort wie eine Allee an der Seite entlang aneinander reihen. Seit 2004 steht das Kunstwerk unter Denkmalschutz.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Alter Bahnhof Video-Walk

Der Hauptbahnhof in Kassel heißt offiziell „Kulturbahnhof“ – deshalb darf natürlich auch hier ein documenta-Kunstwerk in Kassel nicht fehlen. Eins davon ist der Video-Walk, der von der Künstlerin Janet Cardiff zur documenta 13 im Jahr 2012 produziert wurde. In Bild und Ton wird hier die Geschichte des Bahnhofs erzählt und Virtualität mit Realität vermischt. Den tragbaren Audio- und Videoplayer bekommt man kostenlos im Kulturbahnhof. Der Rundgang dauert 26 Minuten.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Arkansas Black Apple

Noch ein Baumkunstwerk für Kassel lieferte uns der Künstler Jimmie Durham zur documenta 13 im Jahr 2012. Er pflanzte zwei Apfelbäume im früheren Kirschgarten der Karlsaue. Einer davon wurde 2015 von Unbekannten zerstört, übrig blieb der „Arkansas Black Apple Tree“. An diesen wachsen Äpfel mit nahezu schwarzer Schale, was sehr selten ist. Der damaligen künstlerischen Leiterin der documenta galt der Baum als Sinnbild für einen lebendigen Organismus, der im Zusammenwirken kreativer Energien allmählich Gestalt gewinnt.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Das Traumschiff Tante Olga

In einem Papierboot reiste der Künstler Anatol von einem Schleppkahn gezogen in einer Woche vom Nordseebad Dangast bis nach Kassel zur documenta 6 im Jahr 1977. Er wollte damit Kinderträume nach Kassel bringen. Das Boot ist Olga Tapken gewidmet, der Kurhaus-Wirtin von Dangast. Dort hat sich Anatol mit seiner „Freien Akademie Oldenburg“ künstlerisch ausgelebt. Das Boot steht heute auf dem Gelände der Heinrich-Schütz-Schule in Bad Wilhelmshöhe.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Das über Pflanzen ist eins mit ihnen

Dieses Kunstwerk von Lois Weinberger ist tatsächlich nicht Eigentum der Stadt Kassel, sondern der Deutschen Bahn. Und das hat auch einen Grund: Es liegt direkt im stillgelegten Gleis 1 am Hauptbahnhof. Hier pflanzte Weinberger zur documenta 10 im Jahr 1997 einheimische und fremde Vegetation. Anhand der Pflanzen soll der Konflikt zwischen Fremden und Einheimischen gezeigt werden, der sich auch auf soziale Vorgänge übertragen lässt. Das Verstehen von Natur soll so das Verstehen der Gesellschaft ermöglichen. Hinter dem scheinbar einfach überwucherten Gleis steckt also noch viel mehr.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Der vertikale Erdkilometer

Dieses Kunstwerk liegt mitten in Kassel und ist doch fast unsichtbar. Tatsächlich laufen wahrscheinlich jeden Tag hunderte Menschen daran vorbei, ohne ihm jemals einen Blick gewürdigt zu haben. Der Grund: Der vertikale Erdkilometer ist ein Kunstwerk in der Erde – wie es der Name eben schon sagt. Der Künstler Walter De Maria schuf das Kunstwerk zur documenta 6 im Jahr 1977. Da man ihn nicht richtig sieht, ist das Aussehen quasi der Vorstellung der Betrachter überlassen. So soll der Erdkilometer dazu anregen, über größere Zusammenhänge nachzudenken.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Die Fremden

Seit der documenta 9 im Jahr 1992 stehen die Fremden mit ihrem Gepäck auf dem Roten Palais am Friedrichsplatz in Kassel. Der Künstler Thomas Schütte möchte damit Ausgrenzung und fehlende soziale Integration symbolisieren – denn die Figuren von unterschiedlicher Ethnie stehen oben, wo niemand hinkommt, und blicken auf das Stadtgeschehen hinab, ohne teilzunehmen.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Die Mitte von Die Mitte von Die Mitte von

Dieses Kunstwerk wurde von Lawrence Weiner zur documenta 13 im Jahr 2012 entworfen. Diese documenta war so weitläufig über das Stadtgebiet verteilt, dass es keine Mitte gab. Genau diese Frage nach der Mitte einer Sache möchte der Künstler mit dem Graffiti an der Wand des Hugenottenhauses in der Friedrichstraße 25 in Kassel stellen. Wer bestimmt eigentlich, was und wo eine Mitte ist? Darüber soll der Betrachter des Kunstwerks nachdenken.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Ein Granitblock

Die Arbeitsschritte eines Künstlers am Material sichtbar zu machen: Das möchte das Kunstwerk „Ein Granitblock“ von Ulrich Rückriem zeigen, dass dieser zur documenta 7 im Jahr 1982 geschaffen hat. Am Block, der an der Schönen Aussicht hinter der Neuen Galerie in Kassel steht, erkennt man Spuren des Hauens und des Schleifens. Das soll eine Bildhauerei repräsentieren, die ihr Material nicht den Willen des Künstlers unterwirft, sondern ihm zu einer eigenen Ausdrucksweise verhelfen möchte.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Idee di Pietra

Der Baum mit dem Stein in der Karlsaue in Kassel ist tatsächlich kein richtiger Baum, sondern nur ein Bronzeabguss davon. Zusammen mit dem Stein oben im Geäst möchte das Kunstwerk von Giuseppe Penone soll dessen komplexe Theorie zum Verhältnis von Malerei und Plastik repräsentieren. Malerei se demnach ein bedeckender Prozess, die Farbe ströme nach unten, während Skulpturen wie ein Baum nach oben streben. Und das trotz des Gewichts des Steins. Die Skulptur wurde zur documenta 13 im Jahr 2012 geschaffen.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Laserscape Kassel

Das Laserscape ist nur bei Nacht zu sehen. Der grüne Strahl verbindet als erstes permanentes Laser-Licht-Kunstwerk der Welt verschiedene historische Wahrzeichen der Stadt: den Herkules, die Orangerie, das Hessische Landesmuseum und die Karlsaue. Entworfen wurde die nächtliche Installation von Horst H. Baumann zur documenta 6 im Jahr 1977. So entsteht ein kultureller Stadtplan von Kassel, der die Stadtgeschichte zeigen soll.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Man walking to the Sky

Wahrscheinlich eines der bekanntesten documenta-Kunstwerke in Kassel, den Kasselern, Kasselanern und Kasselänern natürlich besser als „Himmelsstürmer“ bekannt. Zur documenta 9 im Jahr 1992 stand die Skultptur noch vor dem Fridericianum, bis sie 1995 dann vor den Hauptbahnhof gezogen ist. Das Kunstwerk soll eigentlich den blinden Fortschrittsoptimismus abbilden, wird inzwischen aber zum Beispiel von Touristen und Firmen weitgehend als positives Symbol interpretiert.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Der Obelisk

Kaum ein anderes documenta-Kunstwerk wurde wohl so kontrovers in Kassel diskutiert wie der Obelisk von Olu Oguibe. Nach dem Ende der documenta 14 im jahr 2017 gab es ein langes Hin und Her, ob die Stadt den Obelisken ankaufen wird und wo dieser stehen soll. Letztendlich hat man sich für die Treppenstraße entschieden. Dort steht das das Kunstwerk mit den Spruch „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ in vier Sprachen nun als ein Symbol für die Flüchtlingsbewegung der letzten Jahre.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Rahmenbau (Landschaft im Dia)

Durch das begehbare Kunstwerk oberhalb der Gustav-Mahler-Treppe an der Karlsaue wird der Blick des Betrachters auf einen bestimmten Punkt gelenkt. Der Bau von Haus-Rucker-Co, der zur documenta 6 im Jahr 1977 in Kassel errichtet wurde, soll als Bilderrahmen gesehen werden, der die Realität ausschneidet und sie zu einem Landschaftbild werden lässt. Und wer sich davor stellt, kann sogar selbst ein Teil des Bildes werden.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Raumskulptur

Die Raumskulptur von Per Kirkeby wurde zur documenta 7 im Jahr 1982 errichtet. Ursprünglich stand sie hinter der Orangerie, musste aus statischen Gründen allerdings abgebaut werden und befindet sich jetzt hinter der documenta-Halle in der Du-Ry-Straße in Kassel. Die Skulptur symbolisiert beim Durchgehen den Wechsel von Innen und Außen sowie von Öffnung und Schließung.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Spitzhacke

Als hätte der Herkules seine Spitzhacke hinunter auf die Stadt geworfen, sodass sie am Fuldaufer stecken geblieben ist: Genau diesen Mythos verbreitete der Künstler Claes Oldenburg zur documenta 7 im Jahr 1982 mit seinem Kunstwerk. Das überdimensioniert Werkzeug kann aber noch für viel mehr stehen – zum Beispiel für den einen archaischen Wiederaufbau von Kassel im Spannungsfeld zu der immer mehr technisierten Welt.

documenta-Kunstwerke in Kassel: Three to one

Hier muss man nicht nur sehen, sondern hören: Im kunstvollen Treppenfoyer des AOK-Gebäudes an der Schönen Aussicht in Kassel erklingt eine elektronische Klangisntallation über drei Ebenen. Jeder Ebene ist dabei ein anderer Ton zugewiesen. Dadurch, dass die Installation nur ein wenig lauter als die Außengeräusche ist, soll die Wahrnehmung geschult und eine Sensibilität für eine Akustik geschärft werden.

Von Michaela Schaal

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