Musikszene in Kassel

Interview mit Kasseler Rapper DYMA: „Manchmal rappe ich auch im Kleiderschrank“

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Alexander "Dyma" Dymtchanov rappt seit einem halben Jahr und bietet anderen Musikern Kassels mit einer Spotify-Playlist eine Plattform.

DYMA, Frischling im Kasseler Rap-Game, spricht mit uns über das Rappen, die Rolle seiner Mitbewohner und seiner „This is Kassel Rap“ Playlist auf Spotify.

  • Rapper aus Kassel erstellt eine exklusive Kassel-Rap-Playlist auf Spotify
  • Seine zwei Mitbewohner mischen mit und stehen voll hinter ihm
  • Rapszene in Kassel ist „vielfältig“

Alexander Dymtchanov studiert eigentlich Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel, sein großer Traum ist es allerdings künftig mit seiner Musik Karriere machen zu können. Die ersten Schritte wurden bereits getätigt; so ist Alexander, oder DYMA, so sein Künstlername, mittlerweile auf der beliebten Musik-Streaming-App Spotify vertreten und fertigte dort auch eine Playlist an, auf der sich sämtliche Rapper Kassels tummeln. 

Mehr über seine Musik, die Rolle seiner zwei Mitbewohner Max Dorn und Oliver Delfendahl und was hinter der Playlist auf Spotify steckt, erfahrt ihr in unserem Interview.

Wie kamst du zur Rap-Musik?

DYMA: Mein erster Kontakt zur Musik war damals Hip-Hop, insbesondere Deutsch-Rap. In Berührung kam ich dann mit Bushido, Eko Fresh und Kool Savas, die dann musikalisch auch irgendwo zu meinen Vorbildern wurden. Als ich 15 wurde, hab ich dann auch langsam damit angefangen, eigene Texte zu schreiben. Seit einem halben Jahr rappe ich selbst.

Wie würdest du deine Musik beschreiben?

DYMA: Einfach aus meinem Leben, oft mit ein wenig Spaß und Ironie. Ich schreibe und rappe je nachdem wie meine Stimmung gerade ist. Ich bin halt sehr emotional und steigere mich dann gerne auch mal in Dinge rein. Mit meinen Songs verarbeite ich also einfach meine Emotionen. 

Du hast deine Mitbewohner mitgebracht. Welche Rolle spielen die für deine Musik?

DYMA: Das ist ziemlich witzig. Oliver und ich haben uns im Studentenwohnheim kennengelernt und sind dann gemeinsam in eine Wohnung gezogen, wo Max kurze Zeit später auch dazukam. Irgendwie hat es sich dann so entwickelt, dass wir die Sache zu dritt angehen. Wir haben jetzt auch einen Produzenten in Fulda. Das heißt, wir fahren jetzt andauernd rüber. Für uns gibt es gerade nur noch Rap.

Wie hast du denn bisher deine Songs aufgenommen?

DYMA: Das ist ganz unterschiedlich, bisher immer bei Bekannten. Manche haben sich ein bisschen was zurecht gebaut, zu Hause rappe ich wortwörtlich im Kleiderschrank.

Im Kleiderschrank? Wie funktioniert das?

DYMA: Du machst die Türen vom Schrank auf, nimmst eine Bettdecke und deckst alles von oben bis unten ab. Ich stehe dann also komplett im Dunkeln, hab das Mikrofon im offenen Kleiderschrank stehen und rappe drauf los. Das machen wir, damit die Akustik stimmt. Die ganzen Klamotten im Schrank sorgen dann auch dafür, dass es nicht hallt. Wenn du kein Geld hast, macht Not halt erfinderisch.

Wie sieht denn der Schreibprozess aus? Seid ihr da auch zu dritt?

DYMA: Also Max schreibt gerade seine Master-Arbeit, kommt aber nicht voran, weil wir gerade andauernd über Texte nachdenken. Mal schreiben wir die zu dritt, manchmal schreibt aber auch irgendeiner etwas und rennt dann schreiend durch die Wohnung und sagt "Leute, ich hab 'ne Idee!". Wir machen das also schon zusammen, dabei bin ich das Gesicht und wir drei sind der Kopf (Max wirft ein: Wir hätten monatlich auch keine 6500 Hörer, wenn Oliver und ich rappen würden)

Wenn in der WG alle gleichzeitig ins Bad müssen: Dyma und seine Mitbewohner Oliver Delfendahl (l.) und Max Dorn (r.)

Es läuft also gut?

DYMA: Bisher funktioniert das ganz gut, ja. Zurzeit haben wir insgesamt 1500 Follower, 150.000 Streams und 6500 monatliche Hörer. Ich denke, es ist also schon sinnvoll gerade den Fokus daraufzulegen. In einem Jahr kann ich immer noch sagen, "Hey ich bin noch jung, ich mach jetzt weiter mein Studium", ich bin ja auch erst im ersten Semester.

Sprechen wir doch mal über die „This is Kassel Rap“ Playlist. Wie kamst du darauf?

DYMA: Ich komme ja eigentlich aus Bad Hersfeld, und als ich mich hier in Kassel näher mit Rap beschäftigt habe, war ich erstmal überrascht, weil ich es aus meiner Heimat ja nicht kenne, dass so viele örtliche Rapper existieren. Daher hab ich im Januar einige Künstler zusammengepackt und jetzt profitieren alle davon. 

Inwiefern profitiert ihr?

DYMA: In Kassel hat man erstmal Schwierigkeiten als Rapper größer rauszukommen. Es gibt so viele kleine Leute die Mucke machen, aber keiner von denen hat irgendeine Plattform. Wenn du dich bei Auftritten bewirbst, dann kommt eher dieses Vorurteil, "Ach na ja, das sind halt Rapper". Jetzt teilen wir aber alle unsere Songs auf Spotify und erreichen dank der Playlist viele Leute.

Kennst du die meisten anderen Rapper denn persönlich?

DYMA: Persönlich nicht, nein. Die meisten habe ich über Instagram kennengelernt und halte dort den Kontakt. Öfters schreiben mich auch Leute an und erzählen von einem Rapper, den ich dann anschreibe und so landet er dann schlussendlich auch auf der Playlist. Und die Kasseler Rapszene ist auf jeden Fall vielfältig. Wir haben viele Styles, egal ob Street, Lo-Fi oder eher poppiges mit viel Gesang.

Hattest du denn bereits irgendwelche Auftritte?

DYMA: Am Dienstag (04.02.2020) hatte ich tatsächlich meinen ersten Auftritt bei der Kunstbude im Schlachthof. Ich hab mir mega in die Hose geschissen, aber es lief tatsächlich gut. Ich bin auf die Bühne, hab es durchgezogen und war dann selbst ein wenig überrascht. 

Wieso überrascht?

DYMA: Na ja, damals in meiner Schulzeit wollte ich zum Beispiel mal Schulsprecher werden, dann stand ich auf der Bühne, wurde knallrot und hab plötzlich keinen Ton rausbekommen. Beim Rappen klappt es aber, weil ich dann einfach überzeugt von mir bin. Ich weiß, dass der Text gut ist, ich hab das drauf. Das ist einfach geil. Auf der Bühne sieht man mich in Zukunft also sicher öfters mal (Zum Beispiel in Bad Hersfeld am 04.04.2020 in der Gütehalle, Anm. d. Red.).

Mehr zum Thema Hip-Hop und Rap in Kassel: Rap-Duo Raportaz meldet sich mit Best-Of-Album zurück.

Außerdem hat die Kasseler Sängerin Lea einen Song mit den Rappern Capital Bra und Samra aufgenommen.

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