Man kennt ihm vom Opernplatz

Der Mann zwischen Kaufhausfassaden: Wer war eigentlich Louis Spohr?

Der Mann zwischen Kaufhausfassaden: Wer war eigentlich Louis Spohr?
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Statue von Louis Spohr auf dem Kasseler Opernplatz.

Ach ja, den Namen Louis Spohr hat in Kassel doch so gut wie jeder schon mal gehört. Doch wer war dieser Mann überhaupt und wieso hat er eine eigene Statue mitten auf dem Opernplatz?

Louis Spohr? Wer war dieser Mann, der da in Bronze gegossen und umringt von Kaufhäusern auf dem Opernplatz in die Ferne schaut? Kurz gesagt: ein Multitalent. Spohr war Komponist, Geiger und Dirigent, ein Star seiner Zeit, dessen Name trotzdem in Vergessenheit geraten ist. Wir stellen ihn euch vor.

Denkmal auf dem Opernplatz

Als Louis Spohr im Alter von 75 Jahren in Kassel stirbt, schreibt man Kassel noch mit C. Also „Cassel“. Es ist der 22. Oktober 1859, Spohr ist nach einem Streit mit dem Kurfürsten seit zwei Jahren zwangspensioniert, er war für neun Jahre der städtische Generalmusikdirektor und für 35 Jahre Kassels Hofkapellmeister. Mehr als 200 Werke hat er komponiert – Konzerte, Opern, Streichquartette.

Dass Spohr auch am Ende seines Lebens, lange nach seinen gefeierten Konzertreisen, ein verehrter Künstler war, demonstriert seine zweite Heimat Kassel im Jahr 1883, als sie ihm an seiner alten Wirkungsstätte, auf dem Platz, wo einst das Hoftheater war, ein Denkmal errichtet.

„Irgendwas mit Musik“

Ein Blick zurück: Louis Spohr kommt am 5. April 1784 zur Welt, in Braunschweig. In der Stadt also, die ihren berühmten Sohn heute mit einem Spohr-Platz, einem Spohr-Musikpreis und einem Spohr-Saal im Staatstheater ehrt. Angeber. Wobei Kassel da locker mithalten kann, mit der Musikakademie „Louis Spohr“ und dem Spohr-Museum. Und der Spohrstraße. So!

Der junge Louis Spohr zeigt jedenfalls schon früh, dass er wohl mal „irgendwas mit Musik“ machen wird. Mit 12 Jahren lernt er Geige und wird im Komponieren unterrichtet. Als 15-Jähriger geht er dann auf erste Konzertreisen, die ihn später durch halb Europa führen.

Es gibt nicht nur Mozart und Beethoven

Wirklich jeder und auch diejenigen, die Musik nur aus dem Smartphone kennen, haben schon einmal von den Komponisten Beethoven und Mozart gehört. Einige vielleicht sogar von Paganini, ebenfalls Star-Geiger. Aber Spohr? Dabei ist Louis Spohr zu Lebzeiten eine absolute Berühmtheit, er arbeitet unter anderem als Konzertmeister in Wien und als Kapellmeister in Frankfurt, wird vor allem auch in London angehimmelt.

Viele sehen ihn während dieser Jahre mindestens auf Augenhöhe mit den eben genannten Helden der Epoche, die im Gegensatz zu Spohr noch heute vergöttert werden. Sein Geigenspiel gilt als stilprägend, seine Violinschule kann man noch heute für den Unterricht kaufen.

In jedem Konzertsaal allgegenwärtig

1822 dann also Kassel, wo das Orchester und die Oper in den Folgejahren unter dem neuen Hofkapellmeister aufblühen und wo Spohr bis zum Tag seines Todes lebt. Hier lehrt er, gründet die „Kasseler Schule“, die Geiger wie Ureli Corelli Hill hervorbringt – den Gründer der New York Philharmonic Society. Und er komponiert fleißig, unter anderem fünf Opern (z. B. „Jessonda“), bricht noch für einige Konzertreisen auf, wird in Deutschland und England gefeiert, und macht sich auch als Pionier unsterblich. 

Denn obwohl Louis Spohr heute fast nur noch Experten bekannt ist, ist er doch in jedem Konzertsaal allgegenwärtig – in Form eines Taktstocks. Louis Spohr gilt als einer der Ersten, die einen solchen im 19. Jahrhundert nutzten, um ein Orchester zu dirigieren.

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