Graffiti-Kunst in Kassel

Hier könnt ihr euch in Kassel als Graffiti-Künstler ausprobieren

Graffiti-Flächen für Jedermann
+

Graffiti-Flächen für Jedermann! Wir zeigen euch Ecken von Kassel, an denen ihr euch mit der Spraydose austoben dürft

Kassel hat nicht nur eine Vielzahl an Graffiti-Kunstwerken zu bieten, sondern auch Plätze, wo ihr selbst zum Künstler werden könnt. Die Stadt hat seit den Neunziger Jahren acht solcher Standorte geschaffen, die zuvor alle illegal zum Sprayen genutzt wurden. Die ersten Flächen sind bereits 1996 im Rahmen von Jugenbeteiligungsprojekten aus der sogenannten „Cliquenbetreuung“ hervorgegangen.

Doch zunächst einmal zu unserem „Graffiti-Knigge":

  • Schützt eure Gesundheit und tragt beim Sprayen einen Atemschutz.
  • Malt eure Bilder zeitnah fertig und wartet mit der Fertigstellung nicht zu lange.
  • Zeigt Respekt vor den Kunstwerken anderer. Wenn ihr Bilder übermalt dann auch vollständig, damit ein schönes neues Gesamtkunstwerk entsteht.
  • Über Qualität lässt sich immer streiten, jedoch lautet eine Faustregel: Ist euer Bild bzw. eure Idee ausgefallener als das Bestehende, könnt ihr es übermalen.
  • Nehmt euren Abfall und eure leeren Dosen wieder mit und lasst sie nicht an den Wänden liegen.
  • Um euch nicht strafbar zu machen, achtet darauf, dass ihr nur auf legalen Flächen sprüht und nicht an irgendwelchen Flächen.

Equipment für das Sprayen

Die Dosen für die Graffitis bekommt ihr in Kassel in mehreren Geschäften. Zum Beispiel im Unity Shop in der Brandaustraße 1-3 und bei Art of Life in der Schönfelder Straße 12. Den Atemschutz gibt es eigentlich in jedem herkömmlichen Baumarkt.

Hier findet ihr die legalen Graffiti-Flächen in Kassel:

Sechs der acht Flächen in Kassel sind für Neulinge in der Graffiti-Szene, aber auch für Profis. An den Standorten varriieren die Wände in ihrer Länge zwischen 40 und 300 Metern, sodass für jeden genug Platz für die eigenen Kunstwerke vorhanden ist. Von 1996 bis 2000 sind alle zwei Jahre neue Wände hinzugekommen, die letzte erst vor zwei Jahren. Die Stadt Kassel ist aber offen, weitere Flächen freizugeben für das legale Sprayen von Graffitis. 

Hall of Fame

Die „Hall of Fame“ in der Giesenhallee direkt an der Fulda im Stadtteil ist wohl die bekannteste legale Graffiti-Fläche. Sie ist zudem auch noch die größte Wand in Kassel, auf der sich Sprayer verewigen können. Die zahlreichen hohen und überdachten Flächen bieten sich vor allem für große Kunstwerke an. Seit Mitte der Neunziger Jahre hat sich der Platz unter der Autobahnbrücke zu einem beliebten Standort etabliert. 1998 wurde zunächst die Westseite der Brückenpfeiler, zwei Jahre später die Ostseite als legale Graffiti-Fläche freigegeben. Der Standort hat aber auch schon einige Tiefschläge erleben müssen. 2007 gab es in der Unterführung einen Brand und der komplette Wiederaufbau dauerte zwei Jahre.

Klinikum/Liebigstraße

Direkt neben dem Nordstadtpark heißt es: Austoben auf einer 300 Meter langen Wand, die genau entlang des Fuß- und Radweges verläuft. Zusätzlich darf noch die Backsteinmauer hoch zum Klinikum mit Kunstwerken verschönert werden.

Wau-Mau-Insel

Unter den beiden breiten Bahnbrücken direkt neben dem Tierheim „Wau-Mau-Insel“ haben Graffiti-Künstler auf zwei gegenüberliegenden Wänden je 70 Meter Platz, um ihre Sprühwerke zu erschaffen. Die bis zu fünf Meter hohen Wände, die abends sogar beleuchtet sind, eignen sich besonders für großflächige Graffitis.

Marbachshöhe

Wenn ihr gerade erst mit dem Sprayen angefangen habt, bietet sich die Fläche an der Marbachshöhe an. Dort wird euch niemand verurteilen, wenn nicht alles direkt beim ersten Mal perfekt aussieht. Die 60 Meter langen Wände findet ihr auf dem Spielplatz an der Mecklenburger Straße am Basketballplatz. Die Wandqualität ist mit der etwas abblätternde Farbe zwar nicht perfekt aber für Neulinge ausreichend.

Goetheanlage

Die Graffiti-Wand in der Goetheanlage, ist die erste legale Fläche, die in Kassel 1996 freigegeben wurde. Es ist eine kleine aber beliebte Wand, die etwa 40 Meter lang ist. Zu finden ist das bemalte Betonbecken bei den beiden Basketballplätzen im ehemaligen Löschbecken am oberen Ende de Goetheanlage.

Betreute Graffiti-Flächen

Zu den sechs legalen Spray-Standorten kommen noch zwei kuratierte Flächen in der Unterführungen am Holländischen Platz und am Weinberg hinzu. Diese sind 2013 durch das Team vom „Raum für urbane Experimente“ als betreute Orte für Graffiti und Streetart ins Leben gerufen worden. Sprühen könnt ihr dort nicht jederzeit, sondern nur einmal im Monat wenn Workshops an bestimmten Wänden stattfinden.

Denn die großen Flächen werden hauptsächlich von Profis gestaltet, die von Marcel de Medeiros, Gründer des Vereins „Urbane Experimente“, aus aller Welt, zum Beispiel aus Brasilien, oder aus der Region nach Kassel geholt werden. Auf insgesamt 3000 Quadratmetern am HoPla und Weinberg wird vor der Wandbemalung ein aufwändiges Konzept ausgearbeitet, sodass die Graffitis im Gesamtbild zusammenpassen.

Und das jedes Jahr aufs Neue, denn die Flächen sehen mit der Zeit immer anders aus. „Wir versuchen einmal im Jahr die alten Werke zu übersprühen und die Wand komplett neu zu gestalten“, erklärt de Medeiros. Der Verein „Urbane Experimente“ will mit den Graffiti-Unterführungen die unscheinbaren Stadträume zu kulturellem Leben erwecken. Denn zuvor waren die zwei Standorte oft vermüllt und verschmiert.

Unterführung am HoPola

Die Graffiti-Flächen in der Unterführung am Holländischen Platz wurden 2013 zu einer Art „Underground-Galerie“ umgestaltet. Die ganzen Wände zieren großflächige und bunte Graffitis. Bei Workshops werden an zwei Wänden mit der Zeit immer wieder Kunstwerke übermalt und Neue geschaffen. Ihr könnt aber nicht nur selber kreativ werden, sondern auch den Profis über die Schulter schauen, wenn sie großflächige Wände in der Unterführung mit ihren Werken schmücken.

Weinberg-Unterführung

Im Tunnel am Philosophenweg Richtung Karlsaue geht es richtig bunt zu: In der Luft schwirrende Köpfe, Drachen speien Feuer und der Herkules starrt ehrwürdig von der Wand hinunter. Dieses offene Museum für Graffiti besteht schon seit sechs Jahren und erstrahlt seitdem in frischem Glanz. Im oberen Bereich, wo die Treppen zur Bahnstation hochführen gibt es zwei Ecken, wo immer wieder Workshops stattfinden, an denen auch ihr euch als Graffiti-Künstler ausprobieren könnt.

von Leonie Freynhofer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.