4-Stunden-Tag gefordert

Mai-Kundgebung: „Wir brauchen gut qualifizierte Fachkräfte und keine billigen Handlanger"

Hielt eine engagierte Rede auf dem Königsplatz: Cedric Büchling als Vertreter der nordhessischen IG Metall Jugend. Foto: Dieter Schachtschneider

Kassel. Ein 4-Stunden-Tag: Unter anderem das wurde während der Kundgebung zum 1. Mai auf dem Königsplatz gefordert. 1500 Frauen und Männer nahmen am Mittwochvormittag daran teil.

„Wir wollen ein vereintes und solidarisches Europa. Wir wollen nicht noch mehr Brexit-Unsinn“, sagte Harald Schaum, der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, am Mittwochmorgen auf dem Königsplatz. Schaum war Hauptredner der Kundgebung zum 1. Mai in Kassel.

Die Polizei ging von 1500 Teilnehmern aus. Jenny Huschke, Regionsgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB,) gar von 1800. „Es sind deutlich mehr Teilnehmer als im vergangenen Jahr“, so Huschke. Mit Blick auf die Europawahl am 26. Mai lautete das Motto „Europa. Jetzt aber richtig!“

Durch die Überwindung des Nationalismus sei in Europa über Jahrzehnte der Frieden gesichert worden, so Schaum. Nichtsdestotrotz müsse es in Europa Veränderungen gebe, forderte der Gewerkschafter. Alle Beschäftigten müssten zum Beispiel nach Tarifverträgen bezahlt und sozialversichert werden.

Um Rechtspopulisten in Europa zurückzudrängen, benötigten die anderen Parteien Lösungen gegen die Probleme, wie beispielsweise ungleiche Bildungschancen und die Wohnungsnot. Das seien alles Folgen einer „neoliberalen Politik“. Gemeinnütziger und sozialer Wohnungsbau sei geschwächt worden, um mit den Immobilien Geld zu machen. Sozialwohnungen seien in Deutschland an Investoren verschleudert worden, prangerte Schaum an. „Spekulationen mit dem elementaren Grundbedürfnis Wohnen müssen gestoppt werden.“

Die Demonstranten hatten sich um 10 Uhr am Philipp-Scheidemann-Haus in der Nordstadt getroffen, um gemeinsam in die Innenstadt zu laufen. „Wir sind hier, wie sind laut, weil man uns die Bildung klaut“, riefen vor allem die jungen Teilnehmer, angefeuert von der DGB Jugend.

Eine äußerst engagierte Rede hatte zunächst Cedric Büchling als Vertreter der nordhessischen IG Metall Jugend auf dem Königsplatz gehalten. Die geplante Novellierung des Berufsbildungsgesetzes durch die Bundesregierung sei aus Sicht des DGB ein „schlechter Scherz“, so Büchling. „Wir brauchen gut qualifizierte Fachkräfte und keine billigen Handlanger. Wir sagen Nein zur Schmalspurausbildung.“

Büchling ging auch auf die Produktivitätssteigerungen und die damit einhergehenden Veränderungen in der Arbeitswelt ein. Von den Produktivitätssteigerungen profitierten bislang nur die Arbeitgeber. „Wir sorgen mit unserer eigenen Arbeit dafür, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter wächst.“

Er ging auch auf Forderungen nach einer spürbaren Arbeitszeitverkürzung ein, die auf verschiedenen Transparenten gefordert wurde. Die 4-Stunden-Liga kämpft zum Beispiel für einen 4-Stunden-Tag, DKP und SDAJ vertreten die Meinung, dass 30 Stunden Wochenarbeitszeit genug sind.

Auf dem ersten Blick schienen Forderungen nach einem 4-Stunden-Arbeitstag „völlig utopisch“, sagte Büchling. Das seien die Forderungen nach einem 8-Stunden-Tag, der 1918 in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben wurde, aber auch gewesen. „Jeden gesellschaftlichen Fortschritt mussten wir uns erkämpfen. Wir hören nicht damit auf“, sagte der junge Gewerkschafter unter tosendem Beifall.

Kundgebung zum 1. Mai in Kassel

1. Mai Kundgebung 2019 KönigsplatzFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
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1. Mai Kundgebung 2019 KönigsplatzFoto: Schachtschneider
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 © S chachtschneider
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