Erster Weltkrieg

Brief eines Kasseler Frontsoldaten: „Viele meiner Kameraden sind schon tot"

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Nach der Prüfung in den Krieg: Abiturienten des Jahres 1914 vor dem Hauptportal des Wilhelmsgymnasiums. Das befand sich damals noch an der Humboldtstraße. Foto:  Stadtmuseum/nh

Kassel. Er hatte gerade sein Abitur bestanden und sich freiwillig als Soldat gemeldet. In Briefen an einen Schulfreund beschreibt der damals 18-jährige Willi Pasche den Schrecken des Krieges und warnt seinen Freund davor, sich ebenfalls freiwillig zu melden. Hier einige Auszüge:

„Wir exerzieren hier tüchtig, schießen schon mit Exerzierpatronen. Letzten Freitag sind wir vereidigt worden, der Tag dienstfrei und abends gingen wir baden.“...

„Bei mir hat sich sehr viel geändert. Theater und Kino macht uns jetzt der Franzmann vor. Aber ein Theater, dass einem Hören und Sehen vergeht.“...

„Viele meiner Kameraden sind schon tot. Lothar Dithmann verwundet, Ritz Gollmann (Olli) hat Gasvergiftung und das sind nur Leiden an der Front. Lass die Finger davon Soldat zu werden, das rat ich dir.“ ...

„Ja, so ist unser Krieg, weiter nichts wie Mist. Und diesen Haufen Mist können sie gar nicht mehr abfahren. Was war eigentlich noch einmal toll daran? Das ist ein Rätsel. Mir ist ganz einerlei, was daraus wird, wenn nur Schluss wird. Nur auf später brauch ich jetzt nicht zu zählen. Was man hier zu leiden hat - nichts zu essen, nichts zu trinken, seit vier Tagen nichts mehr zu trinken. Ich sage Ihnen, die Zunge hängt wie ein Brett im Mund und dann noch Lust zu stürmen? Fertig machen, heißt es und ich war nur kaputt.“ ...

Was aus Willi Pasche wurde, ist nicht bekannt. Die Briefe haben Nachfahren seines Schulfreundes aufbewahrt. (tos)

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