Ausstellung im Kasseler Rathaus geplant

1. Weltkrieg vor 100 Jahren: Vom Kasseler Hauptbahnhof ging es an die Front

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Mit ernstem Blick auf dem Weg zum Hauptbahnhof: Kasseler Soldaten, die im August 1914 eingezogen wurden. Viele von ihnen haben den 1. Weltkrieg nicht überlebt.

Kassel. Im August vor 100 Jahren begann der 1. Weltkrieg. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für Gedenkveranstaltungen. Für eine Ausstellung im Kasseler Rathaus sucht der Organisator Heinz Körner noch Material mit regionalem Bezug.

Es war nur ein Jahr nach dem großen Stadtjubiläum mit den ausgiebigen Feiern zum 1000-jährigen Bestehen Kassels. 100 Jahre wird das im Sommer her sein. Die Bekanntmachung am 1. August 1914 kam für viele Menschen in Kassel nicht unerwartet. Um sieben Uhr abends erschien das „Casseler Tageblatt“ mit einer Extraausgabe. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt. „Seine Majestät der Kaiser hat die Mobilisierung angeordnet. Der erste Mobilmachungstag ist Sonntag, der 2. August.“ In Gaststätten und auf Plätzen kam es zu spontanen Kundgebungen, patriotische Lieder wurden angestimmt.

Mit 18 Jahren in den Krieg: Wigbert Kegel überlebte und leitete später eine Schreinerei in Wehlheiden.

Auch in Kassel glaubte die Mehrheit der Bevölkerung zunächst an einen gerechten Krieg, der schnell vorbei sein wird. Noch vor Weihnachten, davon sind die meisten Mütter, Väter, Ehefrauen und Verlobten überzeugt, würden die Männer als Sieger zurückgekehrt sein. Es sollte anders kommen.

Am 2. August und an den folgenden Tagen herrschte in der Stadt hektische Betriebsamkeit. Im Laufe des Sonntags eilten die Reservisten mit Pappkartons in der Hand zu ihren Einheiten. Mit Hurra-Rufen und bunten Blumen wurden die Soldaten verabschiedet. Vom Hauptbahnhof aus, der in jenen Tagen zum Heerlager wurde, ging es mit dem Zug nach Westen.

Viele Opfer

Viele der Männer, die nicht euphorisch, sondern angesichts des ungewissen Schicksals verunsichert und angespannt dreinblicken, sollten ihre Heimatstadt nicht wiedersehen. Dass der Krieg, der vier Jahre dauern sollte, kein Spaziergang würde, erfahren die Kasseler bereits im August. Beim Sturm auf Lüttich erleiden die 83er, eines der in der Fuldastadt beheimateten Regimenter, hohe Verluste.

Die Spalten der Tageszeitungen füllten sich mit Todesanzeigen. Von der anfänglichen Euphorie war bald nichts mehr übrig.

Von Thomas Siemon

Material für Ausstellung gesucht

Als Stadtteilhistoriker und Buchautor hat Heinz Körner (69) seinen Interessensschwerpunkt in der Südstadt. Jetzt bereitet er eine Ausstellung über Kassel im 1. Weltkrieg vor. Die soll am 1. August, dem 100. Jahrestag des Kriegsbeginns, im Kasseler Rathaus eröffnet werden. Dafür sucht er mit Unterstützung der HNA Fotos von Kasseler Soldaten und Kasernen sowie Texte zu diesem Thema.

Nachschub für die Front: Über den Altmarkt und die Fuldabrücke werden 1914 Pferde zu einer Sammelstelle geführt. Sie sind für den Einsatz im Krieg vorgesehen.

In der Südstadt gab es damals mehrere Kasernenstandorte. Dazu gehörte die Husarenkaserne an der Bosestraße. Von hier rückten ebenso Soldaten aus wie von der Jägerkaserne an der Frankfurter Straße/Ludwig-Mond-Straße. Weitere Standorte gab es mit der Artilleriekaserne an der Hohenzollernstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße), wo auch das Infanterieregiment von Wittich stationiert war.

Körner, der zum Stadtjubiläum bereits eine Ausstellung über Kassel als Garnisonstadt vorbereitet hat, will das Grauen des Krieges ebenso deutlich machen wie die durchgreifenden Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. (tos)

Kontakt: Heinz Körner, Telefon (0561) 49 30 01.

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