Residenz auf Schloss Wilhelmshöhe

Zur Sommerfrische nach Kassel: Kaiser Wilhelm II. war regelmäßiger Gast

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Ausritt auf der Wilhelmshöhe um 1910: Kaiser Wilhelm II. (vorn links), Kaiserin Viktoria und Prinzessin Viktoria Luise.

Kassel. Auch während des 1. Weltkriegs verbrachte Kaiser Wilhelm II. regelmäßig mehrere Wochen in seiner Sommerresidenz im Schloss Wilhelmshöhe. In Kassel hatte Wilhelm am Friedrichsgymnasium schon sein Abitur gemacht.

Wenn der Kaiser nach Kassel kam - und das machte er regelmäßig -, wurde er auf dem Weg nach Wilhelmshöhe freudig begrüßt. Wilhelm ließ zurückgrüßen. Dafür hatte er eine besondere Hupe an seinem offenen Daimler, die eine Melodie spielen konnte.

Zur Sommerfrische auf die Wilhelmshöhe - dieses Ritual hielt Wilhelm II. den gesamten 1. Weltkrieg über durch. Als Befehlshaber wurde er kaum vermisst. Seine Generäle hatten ihn schon bald nach Kriegsbeginn kaum noch um Anweisungen gefragt. Die Wilhelmshöhe war für die kaiserliche Familie ein Rückzugsort und ein Gegenpol zur hektischen Metropole Berlin.

Von seiner frühen Jugend an hatte Wilhelm II. einen besonderen Bezug zu Kassel. Zusammen mit seinem Bruder besuchte er hier das Friedrichsgymnasium und machte am heutigen Lyceumsplatz (Wolfsschlucht) sein Abitur. Kurz nach seinem Amtsantritt als Kaiser machte er 1891 Schloss Wilhelmshöhe zu seinem Sommersitz.

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Neben der wunderbaren Umgebung des Bergparks und der guten Luft gab es dafür auch politische Gründe. Wenige Jahre, nachdem Kurhessen von Preußen annektiert worden war, machte Wilhelm II. damit auch seinen Machtanspruch deutlich. Außerdem - und das lernte Wilhelm II. zu schätzen - ließ man ihn hier weitgehend in Ruhe. Auf der Wilhelmshöhe kam er nach einer schweren Mittelohrentzündung wieder auf die Beine, hier erholte sich die Kaiserin nach einem Schlaganfall.

In Schloss Wilhelmshöhe empfing der Kaiser zudem mehrere hochrangige Staatsgäste. Ein Höhepunkt war der Besuch des englischen Königs Eduard VII. am 14. August 1907. Auf dem Weg vom Bahnhof Wilhelmshöhe bis zum Schloss drängten sich damals 70 000 Menschen. Es war ein heißer Sommertag. „Der Bierkonsum war ungeheuerlich“, berichtete die Casseler Allgemeine Zeitung. Fast drei Jahrzehnte kam der Kaiser in jedem Sommer für drei Wochen auf die Wilhelmshöhe. Am 28. September 1918 - wenige Wochen vor Kriegsende - fuhr Wilhelm II. zum letzten Mal mit seinem Daimler vom Schloss zum Wilhelmshöher Bahnhof.

Von Thomas Siemon

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