Wie der 100-Tonnen-Riesentrafo für das Fernwärmekraftwerk nach Kassel rollte

Millimeterarbeit in der Nacht: Schwertransport rollte durch Kassel

Kassel. Ein Schwertransport mit einem 100-Tonnen-Riesentrafo ist in der Nacht auf Donnerstag durch Kassel gefahren. Sein Ziel: das Kasseler Fernwärmekraftwerk.

Ganz leise fällt der Nieselregen zu Boden. Und auch sonst geht es ruhig zu am Mittwochabend auf dem Rasthof Bühleck an der A44. Die Trucker haben die Vorhänge in ihren Kabinen zugezogen. Ein einsamer Fernfahrer guckt im Rasthof das WM-Halbfinale der Frauen zwischen Japan und Schweden. Auch er geht vor dem Schlusspfiff schlafen. Für Olaf Rühle (40) fängt der Arbeitstag erst an. Er muss einen 100-Tonnen-Riesentrafo in der Nacht auf Donnerstag zum Fernwärmekraftwerk nach Kassel fahren. Um den Verkehr nicht zu behindern, darf der insgesamt 167 Tonnen schwere und 36 Meter lange Transport nur nachts rollen.

Eine Nachtschicht haben Olaf Rühle und René Weiß, der das Begleitfahrzeug steuert, schon hinter sich. In Dresden hatten sie den von Siemens gebauten Trafo aufgeladen - den kürzesten Weg nach Kassel konnten sie damit nicht fahren. Das Gewicht des Transports hätten einige Brücken auf der Strecke nicht ausgehalten - und so rollte man über Halle, Magdeburg, Bielefeld und Paderborn.

22.04 Uhr. Olaf Rühle lässt seinen 680 PS starken MAN-Truck an. Vier Achsen hat die Zugmaschine, dazu kommen zwölf am Hänger. Jede einzelne ist lenkbar, um auch durch enge Kurven zu kommen. Es geht mit Tempo 80 zügig voran. Um Mitternacht will Olaf Rühle am Kraftwerk sein: „Länger möchte ich micht mit der ganzen Aktion eigentlich nicht aufhalten“, sagt er ganz ruhig. Für ihn das alles Routine. Nicht schwieriger als für unsereinen mit dem Auto in eine Tiefgarage zu steuern. Fast schon Kinderkram.

Schwertransport rollte durch Kassel

22.25 Uhr. Der Transport verlässt die Autoahn an der Abfahrt Bad Wilhelmshöhe. Die Polizei sperrt kurzfristig die Konrad-Adenauer-Straße, da der Truck auch die Gegenfahrbahn benutzen muss, um einbiegen zu können.

22.55 Uhr. Der Transport passiert mühelos ein weiteres Nadelöhr, die Kreuzung Eugen-Richter-Straße/Leuschnerstraße. 23.05 Uhr. Millimeterarbeit an der Kreuzung Leuschner Straße/Frankfurter Sraße. Der Transport ist etw 4,40 Meter hoch, die Oberleitungen der Straßenbahn auf der Frankfurter Straße müssen mindestens 4,50 Meter über dem Boden angebracht sein. Es sieht kniffliger aus, als es schließlich ist -der Schwertransport rollt drunter druch. „Alles easy“, sagt Fahrer Olaf Rühle. Wenige Schaulustige verfolgen das Spektakel.

23.35 Uhr. Der Transport erreicht das Gelände des Fernwärmekraftwerks. Die Einfahrt ist für einen 36 Meter langen Transport eigentlich nicht gemacht. Noch einmal ist höchste Konzentration gefordert - schießlich stehen Zugmaschine, Hänger und Trafo auf dem Kraftwerk-Gelände.

23.47 Uhr. Feierabend für Olaf Rühle und René Weiß. Der sagt: „War doch alles einwandfrei. Wie bei einem Fußball-Länderspiel“. Und nach kurzem Übelegen fügt er hinzu: „Wie bei einem Länderspiel der Männer“. Da klappt ja meistens auch alles.

Rubriklistenbild: © Schachtschneider

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