Kassel Stadt und Land: 10.000 besitzen legal Waffen - Keine Erlaubnis für rechte Straftäter

Kassel. Nach der Nazimordserie rückt eine Frage immer mehr in den Mittelpunkt: Können Rechtsextreme - beispielsweise durch eine Mitgliedschaft in Schützenvereinen - legale Waffen besitzen? Ein interessanter Aspekt, denn allein in Stadt und Landkreis gibt es knapp 32.900 legale Waffen.

Auch der frühere Verfassungsschützer Andreas T. aus Hofgeismar hatte legal Waffen. Diese gab er aber im Jahr 2006 freiwillig bei der Waffenbehörde des Landkreises Kassel ab, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises, auf Anfrage der HNA.

Dem suspendierten Verfassungsschützer, der beim Kasseler Mord an Halit Yozgat im Jahr 2006 Andreas T. eine wichtige Rolle spielen könnte, wird eine starke rechte Gesinnung nachgesagt.

Auf die Frage, ob Rechtsextreme beispielsweise als Schützenvereins-Mitglied legale Waffen besitzen können, sagt Axel Heiser, Leiter des Kasseler Ordnungsamtes: „Extremistische Straftäter bekommen bei uns keine Erlaubnis zum Waffenbesitz.“

Beim Ordnungsamt, das eng mit der Polizei zusammenarbeitet, sei kein Fall bekannt, dass in den vergangenen Jahren jemandem eine Waffe hätte abgenommen werden müssen, weil er in der rechtsextremen Szene aufgefallen wäre. Im Landkreis verhalte es sich genauso, sagt Kühlborn.

Jeder Waffenbesitzer werde im Abstand von maximal drei Jahren überprüft, sagt Hartmut Bierwirth vom Ordnungsamt der Stadt Kassel. Zudem gebe es nach dem Amoklauf von Winnenden im Jahr 2008 anlassunabhängige Waffenkontrollen bei den Besitzern zu Hause. In Kassel gibt es derzeit 4500 Waffenbesitzer mit 10.063 Waffen, im Landkreis haben 5500 Personen Waffenbesitzkarten, auf denen insgesamt 22.800 Waffen eingetragen sind.

Laut Bierwirth wurden in Kassel im vergangenen Jahr die Waffenbesitzkarten von 29 und in diesem Jahr von 43 Personen widerrufen. Im Landkreis mussten laut Kühlborn im Vorjahr 203 und in diesem Jahr bislang 297 Personen ihre Waffen aus verschiedenen Gründen abgeben.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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