Im Internet können sich Bürger für die Freilassung des Künstlers einsetzen

Unterschriftenaktion: 1001 Grüße an Ai Weiwei

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Aus Türen erbaut: Ai Weiwei sorgte mit seinem Kunstwerk „Template“ bei der documenta 12 für Furore. Er hatte es aus Teilen chinesischer Abrisshäuser konstruiert. Nach einem Sturm war das Kunstwerk an seinem Standort in der Karlsaue eingestürzt.

Kassel/Peking. Nach der Festnahme des chinesischen Künstlers Ai Weiwei regt sich nun in Deutschland Protest. Auch in Kassel sind die Menschen über den Umgang mit dem documenta-Künstler empört. HNA.de startet eine Unterschriftenaktion.

Hier geht es zur Facebookseite 1001 Grüße an Ai Weiwei

„Zunächst interessiert mich nur eines: Ist Ai Weiwei gesund? Wo ist er? Wie kann ich helfen?“ Das schreibt documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld.  Der Geschäftsführer der documenta GmbH war zusammen mit OB Bertram Hilgen einer der Ersten, der sich am Donnerstag auf der neuen Seite im Internet unter www.glas-der-vernunft.de eingetragen hatte.

Die documenta GmbH und der Kasseler Bürgerverein Glas der Vernunft haben diese Seite, die mit Facebook und Twitter verlinkt ist, ins Netz gestellt. Das Forum im Internet ist eine Reaktion auf die Verhaftung des in Kassel beliebten Künstlers, der während der documenta12 im Jahr 2007 zum Star der Ausstellung avancierte. Vor fast zwei Wochen war der Regimekritiker festgenommen worden und ist seither verschwunden.

2007 in Kassel: Ai Weiwei bei der documenta 12

2007 in Kassel: Ai Weiwei bei der documenta 12

Auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen setzt auf dieses bürgerschaftliche Engagement: 1001 Botschaften von Kassels Einwohnern sollen nun gesammelt und dokumentiert werden. Auf der Internetseite kann jeder seinen Gruß-, Solidaritäts- oder Protestbeitrag hinterlegen. Zusätzlich kann eine Videobotschaft per E-Mail gesendet werden. „1001 Botschaften deshalb, weil das eine symbolische Anlehnung zu Ai Weiweis künstlerischem documenta-Beitrag „Fairytale“ ist, erläuterte Leifeld.

Unterschriftenaktion

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Ai Weiwei, der Preisträger des Kasseler „Glas der Vernunft“ ist, hatte 1001 Chinesen und 1001 aus der Qing-Dynastie stammende Stühle während der 100 Tage dauernden Weltkunstausstellung in die Nordhessenmetropole geholt.

Nachdem der sudanesische Künstler Zaki Al-Maboren und das Sozio-Kultur-Zentrum „Werkstatt Kassel“ für Dienstag, 19. April, ab 19 Uhr vor der Werkstatt an der Friedrich-Ebert-Straße 175 unter dem Motto „Freiheit für Ai Weiwei“ zur Kundgebung eingeladen hatten, kommt allmählich Bewegung in den Protest. „Ai Weiwei soll nicht denken, dass die Kasseler ihn vergessen haben“, sagt Al-Maboren. Auch documenta-Geschäftsführer Leifeld plant eine große Protestkundgebung vor dem Fridericianum.

Die Mitglieder des Kasseler Vereins Kulturnetz und des documenta forum sind bestürzt und besorgt über die Verhaftung. „Empört haben uns auch die zum Teil verharmlosenden Stellungnahmen der drei deutschen Museumsdirektoren, die unmittelbar vor Ai Weiweis Verhaftung eine Ausstellung zur Kunst der Aufklärung in Peking eröffnet hatten“, sagt Dirk Schwarze, Vorstandsvorsitzender des documenta forums.

„Ich liebe Kassel“, hatte der 54-jährige Chinese einmal gesagt. Die Kasseler können nun beweisen, dass sie ihn auch lieben und sich mit ihren Protesten für seine Freilassung einsetzen.

Der Künstler soll übrigens eine Professur an der Berliner Universität der Künste erhalten. Das Berufungsverfahren laufe trotz der Festnahme weiter, hieß es gestern von der Nachrichtenagentur epd.

Von Beate Eder

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