1001 Worte für Ai Weiwei - Verschwinden bewegt die Kasseler

Kassel. Noch immer ist der documenta-Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei nach seiner Verhaftung Anfang April durch die chinesische Regierung wie vom Erdboden verschwunden. „Niemand weiß etwas“, sagt Bernd Leifeld.

Der Geschäftsführer der documenta GmbH ist in Kontakt zu der Schweizer Galerie Urs Meile, die den chinesischen Künstler vertritt und Verbindungen zu Peking unterhält.

Vertreter von Politik und Kunst in Deutschland setzen sich seit vielen Wochen für den 53-Jährigen ein, der 2007 bei der documenta 12 der Star war und Preisträger des Kasseler „Glas der Vernunft“ ist. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) forderte am Dienstag in Kassel dessen Freilassung.

Mitte April hatten die documenta GmbH und der Kasseler Bürgerverein „Glas der Vernunft“ eine Internetseite ins Netz gestellt, auf der seither unter www.glas-der-vernunft.de Botschaften von Kassels Einwohnern gesammelt werden. 1001 sollen es werden - in Anlehnung an Ai Weiweis documenta-Beitrag „Fairytale“ (Märchen). Der Künstler hatte 1001 Chinesen und 1001 aus der Qing-Dynastie stammende Stühle zur 100 Tage dauernden Weltkunstausstellung nach Kassel geholt.

Fotos von Ai Weiwei bei der documenta 12

2007 in Kassel: Ai Weiwei bei der documenta 12

Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) forderte gestern die Mitglieder der Kasseler SPD und die Kasseler Bürger auf, die Aktion der Initiative „Glas der Vernunft“ zu unterstützen. Bis Mittwochabend haben sich 560 Nutzer auf der Internetseite eingetragen. Sie fordern die Freilassung Ai Weiweis.

So auch Lubov Zufall-Korsakowa: „Wenn es ein Wunderwort für die Ai-Weiwei-Rettung gebe, würde ich es 1001-mal wiederholen.“ Benjamin Baczko schreibt: „Im Rahmen der neuesten Entwicklungen um den Flughafen Kassel-Calden kann ich nur hoffen, dass es zu 1001 Stühlen auf der Landebahn kommen wird. Passend wäre es doch.“ Nachdenkliche Töne schlägt Ruth Noack, Kuratorin der documenta 12, an: „Ist es nicht unsere (staatsbürgerliche) Pflicht, uns genauer über die komplizierten kulturellen, politischen, ökonomischen Beziehungen zwischen Deutschland und China Aufklärung zu verschaffen, um unseren eigenen politischen Repräsentanten klarere Vorgaben an die Hand geben zu können? Sich hierzulande politisch für Ai Weiwei einzusetzen, erfordert eben auch, unsere eigenen Entscheidungsträger in die Zange zu nehmen.“ Mirko von Lutzau sagt: „Künstler drücken Träume und Gefühle aus. Was ist das für ein Land, in dem Träumen und Fühlen verboten sind?“ Eine sehr persönliche Botschaft hat Tobias Melchior hinterlassen: „Ai Weiwei, lieber Freund, wir sind in Gedanken bei Dir – Du bist nicht allein! Auf Wiedersehen in Kassel – Tobias.“ (bea)

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