Kasseler Verkehrsgesellschaft legt Zahlen vor - Kosten zwischen 900 000 und 1,4 Millionen Euro

11 000 wollen ein Sozialticket

Einfallsreich: Die Kasseler Initiative Sozialticket wirbt seit Langem für ermäßigte Fahrscheine. Im Frühsommer machte sie mit einer Demonstration auf ihre Forderung aufmerksam. Archivfoto:  Herzog

Kassel. In Köln zahlen Menschen, die Sozialleistungen bekommen, in öffentlichen Verkehrsmitteln den halben Preis. Möglich macht dies der Köln-Pass, der 1985 in der Domstadt eingeführt wurde.

Davon ist man in Kassel noch weit entfernt. Hier wird seit Monaten darüber gestritten, wie Menschen, die wenig haben, mobiler werden. In der Diskussion ist ein Sozialticket für 15 Euro. „Das Geld dafür ist da“, sagte Petra Aulepp, Sprecherin der Kasseler Initiative für Sozialticket, am Mittwoch während eines Fachgesprächs zum Thema im Sozialausschuss. „Man muss es nur wollen.“ Die Kosten schätzt die Initiative auf 850 000 Euro.

„Man muss es nur wollen.“

Petra Aulepp, Kasseler Initiative Sozialticket

Dies deckt sich in etwa mit dem, was die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) errechnet hat. Sie geht davon aus, dass 11 000 Menschen (25 Prozent der Berechtigten) das Sozialticket in Anspruch nehmen. Dies würde je nach Reichweite des Tickets laut KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert ein Defizit von 900 000 (Stadtgebiet) bis 1,4 Millionen Euro (Umland) bedeuten. Geschätzte Verwaltungskosten: 350 000 bis 400 000 Euro. „Aus Sicht der KVG ist jede Variante eines Sozialtickets umsetzbar“, sagte Ebert. Allerdings sollte es keine Sonderformen des bereits geltenden Diakonie-Tickets mehr geben.

Der Aufsichtsrat des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) hat die Einführung eines Sozialtickets bereits 2008 abgelehnt. Es würde den NVV laut Geschäftsführer Wolfgang Dippel jährlich 7,9 Millionen Euro kosten. „Dieses Geld muss da sein“, sagte er. Entweder müssten die Fahrpreise angehoben oder eine Finanzierung durch Dritte sichergestellt werden. Dabei sehe man aber nicht Stadt und Landkreise, sondern den Bund in der Pflicht.

Für den Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnte Wolfgang Schmidt, das Sozialticket dürfe nicht zulasten des Angebots gehen. Der öffentliche Nahverkehr müsse weiterhin bezahlbar sein.

Beifall gab es während der Ausschusssitzung von Befürwortern des Sozialtickets für das Kölner Modell, das ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung vorstellte. Jeder neunte Kölner ist nach seinen Angaben im Besitz des Köln-Passes, mit dem es Ermäßigungen in Bussen und Stadtbahnen, Museen und Theatern, in Bildungseinrichtungen sowie bei Sport- und Freizeitangeboten gibt. Friseure böten Rabatte für Pass-Inhaber an, Sportvereine kostenlose Mitgliedschaften.

Nach Berechnungen der Kölner Verwaltung kann eine Familie mit zwei Kindern bis zu 1200 Euro im Jahr durch den Köln-Pass einsparen. Die Stadt Köln hat im vergangenen Jahr 2,9 Millionen Euro an die Kölner Verkehrsbetriebe als Ausgleich erstattet.

Von Ellen Schwaab

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