Menschen aus 90 Nationen haben neue deutsche Staatsbürgerschaft

1103 Neubürger in Kassel sind jetzt Deutsche

Bürgermeisterin Ilona Friedrich und OB Christian Geselle (Vierte und Sechster von links) empfingen Gäste zur Einbürgerung der Jahre 2019/20: Heydi Hernandez, Xiang Hu Liu, May Huynh, Malika Karimova, Ahmed Elbaz, Kesey Scheffler und Juan Garcia del Busto (von links).
+
Feierstunde im Rathaus: Bürgermeisterin Ilona Friedrich und OB Christian Geselle (Vierte und Sechster von links) empfingen Gäste zur Einbürgerung der Jahre 2019/20: Heydi Hernandez, Xiang Hu Liu, May Huynh, Malika Karimova, Ahmed Elbaz, Kesey Scheffler und Juan Garcia del Busto (von links).

Nach einem Jahr pandemiebedingter Pause ist jetzt in einem kleinen, aber dafür umso festlicheren Rahmen im Rathaus die Einbürgerungsfeier der Stadt Kassel nachgeholt worden. Insgesamt haben in den Jahren 2019 und 2020 in Kassel 1103 Menschen aus 90 Nationen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

Kassel. Stellvertretend für die große Zahl an Kasseler Neubürgern waren ein Dutzend Menschen zur Feier gekommen, um aus den Händen von Oberbürgermeister Christian Geselle und Bürgermeisterin Ilona Friedrich ein mit Schleifchen verziertes Grundgesetz und als Blumengruß eine weiße Rose entgegenzunehmen. Musikalisch umrahmt war das Fest von der Gruppe Diadem. Ihre neuen Personalausweise hatten alle schon seit Längerem ausgestellt bekommen.

„Einbürgerungen sind ein Gewinn für unsere Stadt“, sind sich Oberbürgermeister Christian Geselle und Bürgermeisterin Ilona Friedrich einig. „Wie freuen uns sehr, dass Sie sich schon länger in unserem Land gut aufgenommen fühlen und in Kassel ihr Zuhause gefunden haben“, sagte Geselle in einer persönlichen und warmherzigen Rede. Eine Einbürgerung sei mehr als ein bürokratischer Akt, erklärte er. Hinter dem Verfahren steckten vor allem menschliche Schicksale und ganz grundsätzliche Entscheidungen. „Sie haben sich bewusst für Deutschland entschieden. Mit der Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft bekennen Sie sich nicht nur zu diesem Land, sondern auch zu den Grundwerten unserer Verfassung und unserer Demokratie. Das verstärkt auch mein eigenes Vertrauen in diese Werte“, sagte der OB.

Ilona Friedrich meinte, dass Weltoffenheit ein Garant für die Zukunftsfähigkeit der Stadt sei. „Natürlich stehen wir auch vor Herausforderungen je bunter und vielfältiger unser Zusammenleben wird. Aber Menschen, die sich für eine Einbürgerung entscheiden, zeigen öffentlich: Ich lebe gerne in Deutschland und in Kassel. Der deutsche Pass eröffnet ihnen weitere Möglichkeiten, in unserer schönen Stadt Verantwortung zu übernehmen und sich auf vielfältige Weise einzubringen.“ Nicht erst seit Kurzem zeichne Kassel Internationalität aus, so Friedrich. Rund 40 Prozent der 204 000 Menschen, die hier zu Hause sind, haben ihre Wurzeln oder Familien in einem anderen Land. Maßgeblich geprägt wurde die Geschichte der Stadt zum Beispiel durch zugewanderte Hugenotten, so Geselle. Auch das ließ Friedrich nicht unerwähnt: Kassel war 1981 die erste Stadt mit einem Ausländerbeirat. Zur Feierstunde waren 35 zufällig ausgewählte neue Staatsbürgerinnen und Staatsbürger eingeladen worden.

Der größte Teil der eingebürgerten Menschen stammt aus der Türkei (126), es folgen Syrien (88), Afghanistan (53) und Polen (47). 2019 wurden 611 Einbürgerungsurkunden ausgegeben. Durch den Lockdown waren es 2020 nur 492. Zum Vergleich: 2018 erhielten 569 Personen einen deutschen Pass. Auch 31 Briten waren unter den Eingebürgerten der zwei vergangenen Jahre. Im Bundesvergleich habe man in Kassel eine hohe Einbürgerungsquote, so Friedrich.

Wenn man May Huynh danach fragt, wie ihr Name buchstabiert wird, dann lächelt sie und holt ihren deutschen Personalausweis hervor. „Bitte lesen Sie selbst“, sagt sie sichtlich stolz auf ihre neue Staatsbürgerschaft. Ein Selfie mit dem Oberbürgermeister und der Bürgermeisterin waren für die 48-jährige Nageldesignerin während der Einbürgerungsfeier im Rathaus ein Muss. „Jetzt habe ich Ruhe und fühle mich sicher“, sagt sie über ihre neue Nationalität. Die Mutter eines zwölfjährigen Sohnes ist von ihrem deutschen Ehemann, der sie 2009 in Vietnam kennengelernt und nach Deutschland geholt hat, inzwischen geschieden. Dafür hat sie sich in ihre neue Heimat Kassel verliebt: „Eine wunderschöne Stadt.“

Auch Ahmed Elbaz (33) aus Ägypten ist ein Kassel-Fan. „Wir leben in Kassel richtig gerne und fühlen uns hier wohl“, sagt der junge Familienvater einer 17 Monate alten Tochter. Und: „Wir haben einen Kindergartenplatz“, sagt er und lacht. Ahmed Elbaz ist als Stipendiat für sein Bauingenieur-Studium nach Deutschland gekommen, 2013 zunächst nach Stuttgart, später arbeitete er für eine Firma im Sektor Flughafen in Frankfurt. Seit 2017 lebt er in Kassel, wo er an der Universität zum Thema Verkehrsinfrastruktur promoviert und als wissenschaftlicher Mitarbeiter Studenten betreut. 2022 will er fertig sein. Dass er so gut Deutsch spricht, führt er auch darauf zurück, dass er Unmengen an deutschen Büchern liest. Er wolle so viel wie möglich über Deutschland erfahren. „Um eine gute Zukunft zu haben, muss man die Sprache beherrschen“, ist er überzeugt.

Sein Beruf und seine Karriere haben auch Juan Garcia del Busto vor neun Jahren nach Kassel geführt. Hier leitet der 39-jährige Betriebswirt aus Asturien im Nordwesten Spaniens die Niederlassung der Firma TK Airport Solutions. Vorher hatte er in Tübingen studiert und Deutsch gelernt. Garcia del Busto hat zwei Staatsbürgerschaften, die deutsche und die spanische, worüber er „sehr glücklich“ ist.

Kesey Scheffler (51) aus Kambodscha ist jetzt ebenfalls stolze Bundesbürgerin. Sie ist mit einem Mann aus ihrer Heimat verheiratet, der als Kind in der DDR adoptiert worden war. Nach dem Mauerfall kam er nach Kassel, wo er 2008 seine künftige Frau Kesey kennenlernte. Das Paar hat zwei Kinder, Kesey Scheffler arbeitet in einer Autoteilefabrik in Hann. Münden. Über Kassel sagt sie: „Das ist eine gute Stadt.“

(Christina Hein)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.