Nazi-Vergangenheit Kassels

Nazi-Vergangenheit Kassels: 12.000 Dokumente zeigen Terror

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Archivschatz: Dietfrid Krause-Vilmar (von links), Kulturamtsleiterin Dorothee Rhiemeier und Bertram Hilgen mit der Fieseler-Zeitschrift.

Kassel. Kassel sei nicht nur die Stadt des früheren sozialdemokratischen Oberbürgermeisters Philipp Scheidemann, sondern auch des nationalsozialistischen Blutrichters Roland Freisler, sagt Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Die Zeit des Hitler-Regimes hat dunkle Flecken in der Geschichte Kassels hinterlassen.

Wie groß diese sind, darüber können sich nun Interessierte und Forscher im Kasseler Stadtarchiv informieren: Die Universität Kassel hat dem Archiv rund 12.500 Dokumente über die Zeit des Nationalsozialismus überlassen.

Darunter sind beispielsweise Ausgaben der Wochenzeitschrift des früheren Rüstungsbetriebs Fieseler-Werke und die Gedichte des holländischen Zwangsarbeiters Wim de Vries, der über Naziterror und Willkür in der Fuldastadt geschrieben hat. Die Sammlung enthält auch die Urkunde über die Verleihung des Ehrenkreuzes für Frontkämpfer, die den jüdischen Kasseler Lehrer Willi Katz vor dem Konzentrationslager Buchenwald bewahrte und ihm am Ende die Auswanderung nach Australien ermöglichte. Fotos, wie die Aufnahme von der Ausgrabung der ermordeten und verscharrten italienischen Fremdarbeiter am Wilhelmshöher Bahnhof kurz vor Kriegsende, machen das Grauen anschaulich.

Info: www.stadt-kassel/ stadt/stadtarchiv

Ein Großteil der Sammlung geht auf die Forschung von Dr. Dietfrid Krause-Vilmar, bis 2005 Professor an der Universität Kassel, und einigen seiner Kollegen zurück. Er gründete und leitete bis 2010 die Informationsstelle zur Geschichte des Nationalsozialismus in Nordhessen. Ende der 1970er-Jahre hatte die Stadt Kassel beschlossen, ihre Nazi-Vergangenheit aufzuarbeiten. Das übernahmen die Geschichtsforscher der Universität. Mitarbeiter der Universität und Dr. Krause-Vilmar haben die Materialien nun geordnet und die Quellenangaben digitalisiert. Die Stadt Kassel hat für dieses Projekt rund 40 000 Euro investiert. Krause-Vilmar hat auch die Geschichte des Konzentrationslagers Breitenau bei Guxhagen aufgearbeitet. Diese Dokumente habe er dem Staatsarchiv in Marburg überlassen. (pdi)

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