Viele Beschäftigte gehen Nebenerwerb nach

12.000 Kasselern reicht ein Job nicht zum Leben

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Kassel. Immer mehr Menschen in Stadt und Kreis Kassel haben mehrere Jobs, weil sie mit dem Verdienst ihrer Hauptarbeitsstelle nicht über die Runden kommen. Laut einer Untersuchung waren in der Stadt Kassel voriges Jahr 6160 Berufstätige auf einen Mini-Job als zusätzliche Einnahmequelle angewiesen.

Das entspricht 8,3 Prozent der Beschäftigen. Die Studie des Pestel-Instituts (Hannover) stützt sich auf Zahlen der Agentur für Arbeit.

Im Landkreis Kassel verdienen sich nach Angaben des Pestel-Instituts 6,8 Prozent der Beschäftigten (6670 Personen) mit einem Mini-Job etwas dazu. Die Studie in Auftrag gegeben haben die Gewerkschaften Verdi (Dienstleistungen) und NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten). Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat es laut der Studie eine Zunahme der geringfügigen Beschäftigung als Nebenjob um mehr als 110 Prozent gegeben.

Für das Phänomen der „Multi-Jobber“ macht Harald Fennel, Geschäftsführer von Verdi Nordhessen, vor allem Niedriglöhne verantwortlich. „Aus Lust an einer 55- bis 60-Stunden-Woche macht das keiner“, sagt Fennel. Die Kombination geringer Löhne und steigender Lebenshaltungskosten zwinge Niedrigverdiener, nach Feierabend und an den Wochenenden zur Zweit-Arbeit zu gehen.

So könne es sein, dass ein Postzusteller, der von seinem Gehalt die Familie nicht ernähren kann, abends noch in einer Kneipe jobbt. In den Zahlen der Studie sind lediglich Beschäftigte erfasst, die ihren Nebenverdienst angemeldet haben. Es sei davon auszugehen, dass viele Betroffene, deren Verdienst im Hauptberuf nicht ausreicht, sich schwarz etwas dazuverdienten, sagt Fennel.

Die Gewerkschaften Verdi und NGG fordern einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. „Wer heute für weniger Geld arbeiten muss, hat keine Chance, von seinem Verdienst auch leben zu können“, sagt Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG Nordhessen.

Von Katja Rudolph

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