Am 14. Mai ist Tag des Wanderns

Experte zum Wander-Trend: „Auch Eis oder Kuchen können ein Gipfel sein“

+
Wanderprofi: Erik Neumeyer ist stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbandes mit Sitz in Kassel. Zudem verantwortet er das Portal „Wanderbares Deutschland“.

Kassel. Laut Studien schnüren immer mehr Menschen die Wanderschuhe. Zum Tag des Wanderns am 14. Mai sprachen wir mit einem Experten des Deutschen Wanderverbandes in Kassel über den Trend.

Für das Gespräch mit Erik Neumeyer, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Wanderverbandes, trafen wir uns an der Hessenschanze. Bei einer Rundwanderung auf dem dortigen Waldlehrpfad spricht es sich am besten über das Thema.

Herr Neumeyer, das Wandern hatte lange den Ruf des Rentnersports. Inzwischen liegt es wieder im Trend - oder?

Neumeyer: Ja, laut der aktuellsten Studie wandern 69 Prozent der Deutschen über 16 Jahre zumindest gelegentlich. Ein Viertel wandert mehrmals im Halbjahr. Wobei die Generation 50plus weiterhin die stärkste Gruppe ist. Der Wandertourismus ist zu einem riesigen Markt geworden, in dem 7,5 Mrd. Euro pro Jahr in den Regionen vor Ort umgesetzt werden. Eingerechnet sind Verpflegung, Übernachtungen, Eintritte, Souvenirs und Ähnliches. Hinzu kommen 3,7 Mrd. Euro, die für Wanderausrüstung ausgegeben werden.

Wie ist die Wanderregion Nordhessen aufgestellt?

Neumeyer: Im bundesweiten Vergleich liegen wir im oberen Mittelfeld. Es gibt ein dichtes und gut markiertes Wegenetz und viele Einkehrmöglichkeiten. Mit Habichtswaldsteig, Werra-Burgen-Steig, Grimmsteig und Urwaldsteig haben wir mindestens vier Routen, die überregional Touristen locken. Ein Mehrtageswanderer lässt 57 Euro pro Tag in der Region.

Wer wandern will, muss sich als erstes über das Ziel klar werden. Was macht eine gute Wanderung aus?

Neumeyer:Meine Frau sagt immer, es muss eine Burg, ein naturnaher Pfad und ein Eis dabei sein. Das gilt übrigens für die meisten: Es braucht Sehnsuchtsorte, für die sich die Menschen auf den Weg machen. Das kann ein Berggipfel sein oder eben auch eine Kugel Eis oder ein Stück Kuchen. Wichtig sind zudem Ausblicke und Orte der Stille, wo nur das Gurgeln des Wassers, das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Blätter zu hören sind. Lückenlose Markierung ist ein Muss.

Das heißt, um als Wanderregion erfolgreich zu sein, muss man Sehnsuchtsorte bieten?

Neumeyer: Genau in diesem Punkt beraten wir Tourismusregionen. Die Vermarktung der Touren muss bei der Motivation der Menschen ansetzen. In der Eifel wurde beispielsweise mal eine geführte Wanderung mit Kaffeepause angeboten, die lange Zeit wenig nachgefragt war. Dann wurde der Titel der Tour in „Kann denn Kuchen Sünde sein?!“ umbenannt und schon wurde die Ortsgruppe des Eifelvereins überrannt. Kaffee und Kuchen und regionale Gerichte sind einfach sehr beliebt bei Wanderern.

Wie ist es bei der Entscheidung zwischen Rund- und Streckentouren?

Neumeyer: 80 bis 85 Prozent bevorzugen laut Studien Rundwanderungen, die an einem Tag zu bewältigen sind. Dies liegt auch daran, dass 87 Prozent mit dem Auto anreisen. Bei Streckenwanderungen ist man auf eine gute ÖPNV-Verbindung angewiesen, um an den Startpunkt zurückzugelangen. Die ist nicht überall gegeben. In Kassel bietet sich beispielsweise eine Wanderung zum Dörnberg an. Von Zierenberg kommt man gut mit der Regiotram zurück. Rundtouren werden aber ganz klar favorisiert.

Wie viele solcher Touren, die diese Qualitätskriterien erfüllen, gibt es in unserer Region?

Neumeyer: In 50 Kilometer Umkreis um Kassel ist die Auswahl so groß, dass für jede Woche im Jahr eine unterschiedliche Tour zur Verfügung stehen würde. Habichtswald, Kellerwald, Reinhardswald, Hoher Meißner, Werratal und Niestetal bieten vielfältige Möglichkeiten. Nach einer Untersuchung bevorzugen 49 Prozent der Deutschen Mittelgebirge wie den Kasseler Raum zum Wandern, 29 Prozent das Flachland, 21 Prozent die Voralpen und nur zwei Prozent die Alpen.

Welche Ausrüstung ist für das Wandern nötig?

Neumeyer:Die Deutschen sind extrem gut ausgerüstet: Wanderschuhe, eine wetterfeste Jacke und einen Tagesrucksack hat fast jeder. Wenn man im Habichtswald wandert, braucht man aber keine 600 Euro teure Jacke, die auch in der Arktis funktionieren würde. Am wichtigsten sind Wanderschuhe. Diese sollten nach dem Kauf auf kurzen Spaziergängen zunächst eingelaufen werden. Ich empfehle spezielle Wandersocken, um Blasen zu vermeiden. Baumwollsocken sind ungeeignet. Hut und Sonnenschutz sind im Sommer unerlässlich. Trotz Smartphones setzen die meisten auf die gute alte Wanderkarte. Diese hat den Vorteil, dass sie einen größeren Überblick bietet und auch ohne Strom funktioniert. Ich empfehle Karten und Apps vom Kompass-Verlag.

Welcher Proviant ist geeignet?

Neumeyer:Obst, Brotzeit, Rohkost, Fruchtschnitten oder Nussmischungen passen in jeden Rucksack. Ausreichend Wasser oder stark verdünnte Schorlen sollten ebenfalls ins Gepäck. Bier und Schnitzel sind erlaubt – aber bitte erst nach der Wanderung – als Belohnung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.