Falter zwischen Leben und Tod

2000 Nachtpfauenaugen schlüpfen in diesen Tagen - Bald darauf sterben sie

Entfaltet in voller Pracht: Ein Kleines Nachtpfauenauge sitzt an einem Ast im Schulbiologiezentrum des Botanischen Gartens. Viele Menschen haben sich die Tiere schon angesehen, auch Besucherin Karin Kaiser betrachtet einen Schmetterling. Foto: von Polier

Kassel. Etwa 2000 Nachtpfauenaugen schlüpfen in diesen Tagen aus ihren Kokons im Schulbiologiezentrum des Botanischen Gartens. Lange leben werden sie nicht.

Von Schulklassen und Familien waren die Schmetterlinge sehnlichst erwartet worden, sie hatten aber auf sich warten lassen. Denn die Tiere schlüpfen nur bei schönem Wetter und es darf vor allen Dingen nicht regnen. Während sie verpuppt sind, messen sie deshalb dauerhaft, wie lang die Tage sind und wie warm.

All dieser Aufwand ergibt Sinn. Denn wenn sie geschlüpft sind, leben sie nur eine Woche. In dieser Zeit fressen sie nicht, sondern konzentrieren sich auf die Fortpflanzung. Um sich finden zu lassen, stoßen die Weibchen dabei einen Lockstoff aus, den die Männchen über eine Entfernung von drei Kilometern mit speziellen Fühlern „riechen“ können. Dafür reicht ihnen bereits ein einziges Molekül des Lockstoffes. Zum Vergleich: Der Mensch braucht etwa zehn Millionen Moleküle, um bestimmte Gerüche wahrzunehmen. Für die Paarung ist dann das gute Wetter nötig. Wenn es regnen sollte, könnten die Männchen nicht zu den Weibchen fliegen, um die vorbereiteten Eier zu befruchten. So würden ganze Schwärme sterben, ohne sich fortgepflanzt zu haben.

Werner Waldrich, Leiter des Schulbiologischen Zentrums, sagt: „Man kann von diesen Tieren unglaublich viel darüber lernen, was das Leben eigentlich bedeutet.“ Um die Lebensstadien der Falter darzustellen, züchtet er deshalb Schmetterlingsraupen, um mit Schülern dann im nächsten Jahr das Schlüpfen der Tiere zu beobachten.

Um auszuschließen, dass sich Singvögel an den etwa 2000 Kokons zu schaffen machen, werden die Tiere bis zu ihrer zweiten Geburt im Schulbiologiezentrum in drei Wäschetrommeln untergebracht. Nachdem sie geschlüpft sind, werden sie in die Natur entlassen, wo sie ihrer Bestimmung folgen. Die meisten Nachtpfauenaugen werden dann von Singvögeln gefressen, ein Teil verhungert.

Mehr zum Botanischen Garten lesen Sie

im Regiowiki

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