Belastung durch Feinstaub deutlich zurückgegangen - Aber Stickstoffdioxid wird zum Problem

2010 war Luft in Kassel besser

Dicke Luft über der Stadt: Die Schadstoffbelastung der Atemluft mit Feinstaub und Stickstoffdioxid ist in diesem Jahr zurückgegangen. Trotzdem wird der Luftreinhalteplan fortgeschrieben, der Ballungsraum Kassel gilt weiter als Luftbelastungsgebiet. Archivfoto: Herzog

Kassel. Bis gestern wurde der Grenzwert für Feinstaub in der Atemluft in diesem Jahr in Kassel 16-mal überschritten. 2009 gab es noch 30 Überschreitungen. Auch die Luftbelastung mit dem für die Atemwege nicht minder gefährlichen Stickstoffdioxid ist zurückgegangen. Die Luft in Kassel sei besser geworden, zieht Umweltdezernent Dr. Joachim Lohse Bilanz.

Auch wenn das Jahr noch nicht ganz vorbei ist, lasse sich absehen, dass 2010 aus lufthygienischer Sicht gut verlaufen sei, sagt Lohse. Die an den beiden Luftmessstationen an der Fünffensterstraße und auf dem Parkplatz hinter der Komödie gemessenen Luftwerte zeigten, dass die Belastung durch die beiden problematischen Luftschadstoffe Feinstaub und Stickstoffdioxid zurückgegangen sei.

Das hatte auch mit dem Wetter zu tun. „Es war ein gutes Jahr ohne lang andauernde austauscharme Wetterlagen“, erklärt der Umweltdezernent. Das habe mit dazu beigetragen, dass die Zahl der Überschreitungen des zulässigen Tagesmittelwertes von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft für Feinstaub gegenüber dem Jahr 2009 etwa halbiert wurde. Auch der Jahresmittelwert für Feinstaub werde mit etwa 28 Mikrogramm je Kubikmeter Luft niedriger ausfallen als im Vorjahr (30 Mikrogramm). Der zulässige Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

„Auch beim Stickstoffdioxid kann eine günstige Tendenz beobachtet werden“, sagt Lohse. Der Jahresmittelwert werde in diesem Jahr voraussichtlich bei 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft liegen. In den Vorjahren waren es noch 53,8 beziehungsweise 52,8 Mikrogramm. Die Verbesserung reicht freilich nicht aus: Seit diesem Jahr liegt der zulässige Grenzwert bei 40 Mikrogramm. Deshalb wird der Luftreinhalteplan für den Ballungsraum Kassel, der etwa dem Gebiet des Zweckverbandes entspricht, derzeit im Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fortgeschrieben. Kassel gilt weiterhin als Luftbelastungsgebiet.

Die Stadt habe Wiesbaden Vorschläge gemacht, die helfen können, die Schadstoffbelastung weiter zu verringern, erklärt Umweltschutz-Abteilungsleiter Dr. Jürgen Drewitz. Auf der Liste steht etwa der Straßenbahnausbau nach Vellmar, aber auch die Förderung des Radverkehrs. Es geht darum, den Autoverkehr möglichst zu verringern, sagt Drewitz. Aber auch die Nutzer von Kaminöfen könnten ihren Beitrag leisten. „Wenn es auf dem Meißner wärmer ist als in der Stadt, sollte man den Kaminofen lieber auslassen“, sagt Drewitz. Dann besteht nämlich unter einem Deckel aus wärmerer Luft eine austauscharme Inversionswetterlage mit schlechter Luft im Kasseler Becken.

Mit den Ergebnissen der Fortschreibung des Luftreinhalteplanes rechnet die Stadt bis Sommer 2011.

Von Jörg Steinbach

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