Sprafke: Früheres Kinderkrankenhaus  für Flüchtlinge nutzen

Plan für Flüchtlinge: Bis 2019 in Containern in der Nordstadt

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Hier sollen bald 150 Flüchtlinge leben: Auf dem Gelände im Gewerbegebiet an der Bunsenstraße 200 will die Stadt eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Container-Bauweise errichten.

Kassel. „Es ist klar, dass wir weitere Unterkünfte für Flüchtlinge in Kassel brauchen“, sagt Monika Sprafke, Ortsvorsteherin in Nord-Holland. „Aber ich erwarte auch, dass man richtig und in allen Stadtteilen sucht – und zwar nach der besten Lösung für die Flüchtlinge.“

Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie darunter nicht die Unterbringung in Containern auf dem Gelände an der Bunsenstraße versteht. „Ich finde das unmöglich für die Menschen, die dort leben sollen.“

Sie hofft, dass die Stadt sich noch um eine andere Lösung bemüht. Die SPD-Politikerin aus der Nordstadt kann nicht nachvollziehen, warum das ehemalige Kinderkrankenhaus Park Schönfeld, das alle Voraussetzungen mitbringe, nicht als Flüchtlingsheim genutzt wird. „Aber dort soll ja mit dem Elite-Fußballinternat ein Prestigeprojekt vorangetrieben werden.“

Monika Sprafke

Die Ortsvorsteherin hat den Eindruck, dass stattdessen der Nordstadt, wo ohnehin viele sozial Schwache lebten, immer mehr Belastungen zugemutet werden. Gleichzeitig würden soziale Projekte gekürzt oder liefen aus: beispielsweise das Boxcamp und die Cliquenbetreuung. Auch in dem Programm Soziale Stadt werde die Nordstadt nicht mehr gefördert. „Wenn hier eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet werden soll, dann muss die Stadt die sozialen Projekte aufstocken“, fordert Sprafke.

Die 150 Asylbewerber, die ab Juli kommenden Jahres an der Bunsenstraße in sogenannten Mobilbauten untergebracht werden sollen, werden von der Caritas betreut, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich auf Anfrage der HNA. Die Caritas wird dort ein Büro einrichten und eine Sozialberatung anbieten.

Christine Knüppel

Man habe die Nordstadt, um deren Belastungen man im Rathaus wisse, nicht leichtfertig als Standort für die Gemeinschaftsunterkunft ausgewählt, betont Happel-Emrich. Seit 2012 sei die Stadt auf der Suche nach neuen Flüchtlingsheimen und habe viele Standorte geprüft, die sich aber als nicht realisierbar erwiesen hätten. Wegen der stark gestiegenen Flüchtlingszahlen bestehe nun Handlungsdruck. „Wenn die Menschen kommen, müssen wir sie ja unterbringen und versorgen.“ Das Gelände an der Bunsenstraße sei in städtischem Besitz und es bestehe sofortiges Baurecht. „Dort können wir eine Unterkunft also kurzfristig errichten.“ Bleiben soll sie allerdings länger: Voraussichtlich bis 2019 sollen dort Flüchtlinge unterkommen. „Das muss man fachlich gut begleiten, insbesondere wenn es Widerstände im Stadtteil gibt“, sagt Christine Knüppel vom Kulturzentrum Schlachthof, das in der Nordstadt seit Jahren Integrationsarbeit leistet. „Es darf nicht so weit kommen, dass sich der Protest gegen die Flüchtlinge richtet.“

Knüppel kennt die hohe Belastung des Stadtteils durch den starken Zuzug von Menschen unterschiedlicher ethnischer Gruppen, von denen viele Unterstützung brauchen. Derzeit suchten vor allem Bulgaren die Migrationsberatung auf. Wenn künftig viele Flüchtlinge in den Stadtteil kämen, müsse man die Angebote neu abstimmen. „Dafür muss es Ressourcen geben.“

Hintergrund: Stadt nimmt dieses Jahr 309 Flüchtlinge auf

Seit 2012 steigt die Zahl der Flüchtlinge aus verschiedenen Krisengebieten wie Somalia und Afghanistan. Derzeit suchen besonders viele Menschen aus Syrien Zuflucht in Deutschland. Nach Angaben des Bundes hat die Zahl der Flüchtlinge dieses Jahr um 83 Prozent zugenommen.

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Die Asylbewerber werden auf die Länder verteilt, die wiederum den Städten und Landkreisen Flüchtlinge zuweisen. Die Stadt Kassel nimmt demnach dieses Jahr 309 Flüchtlinge auf - 239 sind bereits untergebracht. 2012 waren es 212 Zuweisungen, im Jahr zuvor 90. Im Rathaus geht man davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge im kommenden Jahr weiter steigt.

Derzeit gibt es zwei Flüchtlingsheime: eins in der ehemaligen Jägerkaserne in der Südstadt (145 Plätze) und eins im Druseltal in Bad Wilhelmshöhe (150). Zwei neue Unterkünfte stehen seit Kurzem fest: In der ehemaligen Heinrich-Steul-Schule im Forstfeld sollen 70 Menschen untergebracht werden, in der geplanten Unterkunft in Containerbauweise an der Bunsenstraße 150. Die Stadt sucht dringend weitere Unterkünfte, auch im Kasseler Westen. Dazu laufen nach Angaben der Stadt derzeit Gespräche.

Von Katja Rudolph

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