Vor allem in Kassels Südstadt

23-jähriger Brandstifter gesteht in letzter Minute - Zwölf Mal hatte er zugeschlagen

Geständiger Brandstfter: Kurz vor den Plädoyers räumte der 24-jährige Kasseler ein, zwölf Feuer gelegt zu haben. Foto: Reinkens

Kassel. Dass ein Geständnis sich strafmildernd auswirken kann, fiel dem Angeklagten auf den allerletzten Drücker ein.

Sekunden vor dem Plädoyer der Anklage gestand der 23-jährige Kasseler vor der 5. Strafkammer des Landgerichtes, alle zwölf Brände meist in der Kasseler Südstadt gelegt zu haben.

Zwischen März 2015 und Juli 2016 hatte er danach zehn Pkw, den Kindergarten in der Landaustraße und ein Wohnhaus an der Rubensstraße angesteckt. Hier und bei zwei Pkw waren die Flammen von Anwohnern und der Polizei gelöscht worden, ehe sie Schaden anrichten konnten.

Als Motiv für seine nächtlichen Zündeleien gab der Angeklagte allgemeinen Frust nach dem Verlust seiner Arbeitsstelle und einer missglückten Hand-Operation an, seit der er Schmerzen habe. Er habe aber nur Sachschaden anrichten und keine Menschen gefährden wollen. Deshalb habe er sich an dem Kindergarten durch einen Blick durchs Fenster auch davon überzeugt, dass niemand in dem Haus gewesen sei. Heute bereue er die Taten.

In den früheren Verhandlungstagen hatte der heute arbeitslose ehemalige Student noch geschwiegen und die Taten geleugnet.

In ihrem Gutachten hatte die Psychiaterin Birgit von Hecker, Leiterin der forensischen Psychiatrie in Merxhausen, dem in Rumänien geborenen Angeklagten uneingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert. Eine psychische Erkrankung sei nicht feststellbar.

Der 23-Jährige war bereits wenige Minuten nach der ersten Tat Anfang März 2015 von der Polizei festgenommen worden, nachdem er einen Pkw an der Menzelstraße mit Hilfe eines Grillanzünders abgefackelt hatte.

Im Rucksack hatte er Brennspiritus und Grillanzünder dabei, in seiner Wohnung fand sich zudem Benzin in einer Cola-Literflasche.

Gleichwohl verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine nähere Untersuchung oder Vorführung und verfügte die Freilassung des Mannes am nächsten Tag.

Festgenommen wurde er zehn Brandstiftungen später am 26. Juli 2016. Polizeibeamte hatten ihn observiert und fotografiert und dabei beobachtet, wie er Grillanzünder auf den Reifen eines Toyota Prius legte und ansteckte. Seither sitzt er in Wehlheiden in Untersuchungshaft.

Staatsanwältin Milas forderte in ihrem Plädoyer viereinhalb Jahre Haft für den Angeklagten. Der ursprünglich auf 50.000 Euro bezifferte Schaden an dem Kindergarten sei nach neuesten Berechnungen doppelt so hoch. Insgesamt sind durch die Brandstiftungen Schäden von rund 160 000 Euro entstanden.

Verteidiger Ergün Eser wird am Freitag, 21. Juli, ab 9 Uhr in Saal D 130 des Landgerichts plädieren. Dann will die 5. Strafkammer auch ihr Urteil sprechen.

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