Wiederholungstäterin

25-Jährige aus Kassel wegen Gewalt gegen Polizisten zu Haft verurteilt

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Absperrung wegen Fliegerbombe: Am 30. Juli 2018 wurde auf der Baustelle an der Westendstraße ein Blindgänger gefunden. Die Straße wurde aus allen Richtungen gesperrt. Das Foto entstand aus Richtung Motzstraße.

Eine 25-jährige Frau ist vor dem Amtsgericht Kassel wegen zwei tätlicher Angriffe gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Es handelt sich um eine Wiederholungstäterin. Dass in Kassel Passanten Sperrungen ignorieren, die wegen des Fundes einer Weltkriegsbombe errichtet worden sind, ist erst in dieser Woche wieder passiert. Dass diese Passanten aber auch sie ermahnende Polizisten angreifen und verletzen, ist wohl eher die Ausnahme.

Aber so geschehen am 30. Juli 2018 auf der Westendstraße in Kassel. Damals war auf dem Grundstück, auf dem das Hochhaus „Westendturm“ gebaut wird, eine Fliegerbombe im Erdreich entdeckt worden. Alles wurde abgesperrt. Eine heute 25-jährige Frau ignorierte die Absperrung, um in ihre Wohnung zu gelangen. Als ein Bundespolizist sie aufhalten wollte und einen Platzverweis aussprach, trat sie ihn gegen das Bein. Gerangel und Fesselung folgten. Später kam die Frau in den Gewahrsam. Weil der Verdacht bestand, dass die polizeibekannte Frau Rasierklingen im Mund haben könnte, wollte eine Polizistin ihren Mund absuchen. Dabei biss die Frau die Beamtin so fest in den Daumen, dass deren Nagel abriss.

Wegen zwei tätlicher Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung in einem Fall verurteilte Amtsrichter Dr. Holland am Mittwochvormittag die 25-Jährige aus Kassel zu einer Haftstrafe von zehn Monaten. „Sie haben die Taten begangen. Ich habe keine Zweifel an den Aussagen der Polizeibeamten“, so der Richter.

Die Frau hatte in ihrer Einlassung zwar den Ablauf ähnlich wie die Beamten geschildert, aber auch behauptet, sie sei von einem Polizisten mit der flachen Hand zweimal grundlos ins Gesicht geschlagen worden. Ein anderer habe sie als „scheiß Ausländerin“ bezeichnet, erklärte die Frau, die im westafrikanischen Burkina Faso geboren wurde. Seitdem müsse sie übrigens einen Schutzhelm tragen, da sie seit dem Vorfall immer wieder epileptische Anfälle bekomme. Diesen Helm trug sie auch auf der Anklagebank.

Anwalt fordert Bewährungsstrafe

Verteidiger Werner Momberg, der an dem Sachverhalt nichts „schön reden“ wollte, hatte für seine Mandantin eine Bewährungsstrafe gefordert. Schließlich habe sie sich geständig eingelassen. Zudem hatte er dem Gericht ein Attest vorgelegt, laut dem die junge Frau an verschiedenen psychiatrischen Krankheitsbildern leidet und transsexuell ist. „Sie hat eine mehr als problematische Persönlichkeit“, sagte Momberg.

Die Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses den Amtsrichter auch darum gebeten, nicht als Frau, sondern als Herr angesprochen zu werden. Seit sie acht gewesen sei, fühle sie sich als Junge beziehungsweise als Mann. Sie habe bereits eine Namensänderung beantragt und stehe kurz vor einer Geschlechtsumwandlung. Diesen Wunsch nach der anderen Anrede konnte ihr Richter Holland nicht erfüllen. Er müsse sie so ansprechen, wie sie amtlich gemeldet ist.

Der Wunsch nach der Geschlechtsumwandlung spielte bei der Urteilsbegründung auch gar keine Rolle. Der Richter machte deutlich, dass für ihn keine Bewährungsstrafe mehr in Frage komme. Als es zu den Vorfällen im Juli 2017 gekommen ist, stand die Frau, die keine Ausbildung hat und von Sozialleistungen lebt, nämlich unter laufender Bewährung. Erst im Dezember 2017 war sie zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden, weil sie mehrfach Polizeibeamte angegriffen und verletzt hatte. Insgesamt las der Richter fünf Einträge aus dem Bundeszentralregister vor.

Er teile auch nicht die Einschätzung des Bewährungshelfers, so der Richter. Der Bewährungshelfer, der die Frau seit Anfang 2017 betreut, hatte vor Gericht erklärt, der Bewährungsverlauf sei bislang positiv gewesen.

Gegen das Urteil sind die Rechtsmittel der Berufung und Revision möglich.

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