27-Jähriger verletzte Hausmeister schwer: Haft für brutale Attacke

Kassel. Was eine Entschuldigung hatte werden sollen, endete als Gewaltexzess. Weil seine Bitte um Vergebung abgelehnt wurde, war ein 27-Jähriger derart ausgerastet, dass seinem Gegenüber heute die Berufsunfähigkeit droht.

Von „äußerster Brutalität, die nah an Tötungsvorsatz grenzt“, sprach am Montag das Kasseler Amtsgericht und verurteilte den Mann, der eigentlich um Verzeihung hatte bitten wollen, zu vier Jahren Gefängnis. Zudem ordnete das Gericht die Unterbringung des 27-Jährigen in einer Entziehungsanstalt an – bei der Tat hatte er unter Alkohol und Kokain gestanden.

Ein Beziehungsstreit war der Anfang gewesen. So lautstark hatte der Angeklagte in einer Wohnung am Wesertor mit seiner damaligen Freundin telefoniert, dass der Hausmeister um Ruhe bat. Doch dadurch war der 27-Jährige nur noch mehr in Rage geraten – und hatte sich damit prompt ein Hausverbot eingehandelt. Denn das Apartment war nicht von ihm gemietet, sondern von seiner Freundin.

Wenig später tauchte der Angeklagte beim Hausmeister auf, um sich kleinlaut zu entschuldigen und das Hausverbot abzuwenden. Der 52-Jährige aber ließ sich nicht erweichen. Worauf der Angeklagte so lange Sturm bei seinem Widersacher klingelte, bis der wutentbrannt seine Wohnungstür erneut öffnete und ihn wegschubste. Zusammen stürzten die Streithähne Treppenstufen hinab - es entspann sich eine Rangelei, in der beide austeilten und einsteckten.

Schließlich kam es nach Überzeugung von Gericht und Staatsanwaltschaft zu jenem Geschehen, das Oberstaatsanwältin Ingeborg Vesper zeitweilig zum Grübeln gebracht hatte, ob man es nicht sogar mit einem versuchten Totschlag zu tun habe: Mit den Worten „Ich mach’ dich alle“ habe der Angeklagte den weglaufenden Hausmeister zu Fall gebracht, habe dem am Boden liegenden Mann gegen den Kopf getreten und schließlich zwei Sechserpacks mit 1,5-Liter-Plastikflaschen auf ihn geworfen.

Die jeweils neun Kilogramm schweren Geschosse sollen den 52-Jährigen an Kopf und Brustbein getroffen haben. Was Verteidiger Bernd Schubert bestritt: Die Verletzungen habe sich der Hauswart, der sich an jenem Abend im Januar 2012 einen Rückenwirbel brach und bis heute Schmerzmittel nehmen muss, bereits zuvor beim Treppensturz zugezogen.

Trotz der einschlägigen Vorstrafen hielt Schubert für seinen Mandanten, dem neben der gefährlichen Körperverletzung noch drei Ladendiebstähle zur Last gelegt wurden, daher eine anderthalbjährige Freiheitsstrafe für hinreichend. Das Schöffengericht vermochte er nicht zu überzeugen: Es schloss sich mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. (jft)

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