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2G-plus, Impfpflicht, Omikron: So war das dritte Pandemie-Jahr in Kassel

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Von: Anna Weyh

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Anfang des Jahres herrschte noch Maskenpflicht in der Kasseler Innenstadt. Das Plakat hing in der Oberen Königsstraße, Höhe Rathaus, in Kassel.
Anfang des Jahres herrschte noch Maskenpflicht in der Kasseler Innenstadt. Das Plakat hing in der Oberen Königsstraße, Höhe Rathaus, in Kassel. © grafiert wurde es am 25. Januar. archivFotos: pia malmus/klinikum

2022 war das dritte Jahr, in dem uns die Pandemie begleitet hat. Während im Januar noch Maskenpflicht in Innenstädten galt, gibt es nun kaum noch Regeln zu beachten. Ein Rückblick.

Kassel – Corona, war da was? Ja, auch im Jahr 2022 war da sogar noch eine ganze Menge. Sieben-Tage-Inzidenzen mit Werten von mehr als 1000, 2G-plus in Innenbereichen, eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone. Die Regeln, die für uns Anfang des Jahres noch ganz normal waren, erscheinen heute, zwölf Monate später, schon fast unvorstellbar.

Die Inzidenzzahlen der beiden Omikron-Wellen waren zwar so hoch wie nie zuvor in der Pandemie, die Zahl der Intensivpatienten blieb jedoch vergleichsweise gering. „Es war zu erwarten, dass zwar die Übertragbarkeit zunimmt, die Erkrankungsschwere mit den Virusmutationen aber abnimmt“, sagt Dr. Marcus Thomé, Chefarzt der Infektionsdiagnostik am Klinikum Kassel.

Corona in Kassel: „Die Pandemie war ein absolutes Novum“

Die Corona-Einschränkungen seien dennoch zu den jeweiligen Zeitpunkten und nach damaligem Kenntnisstand richtig gewesen. „Retrospektiv hätte man sicher einige Entscheidungen anders getroffen. Aber die Pandemie war ein absolutes Novum. Niemand wusste, wie schwer die Erkrankungen sind, die das Virus auslöst“, sagt Thomé. Ebenso wichtig sei es aber nun auch, die Einschränkungen wieder abzulegen. „Das muss die logische Folge sein“, betont Thomé.

Dr. Marcus Thomé Infektionsdiagnostik Klinikum
Dr. Marcus Thomé Infektionsdiagnostik Klinikum © Bernd Schoelzchen

Heute gilt in Kassel noch die Maskenpflicht in Bus und Bahn – aber auch diese Regel haben die ersten Bundesländer bereits gekippt. Sonst gibt es noch Sonderregelungen für Kliniken, Arztpraxen und Pflegeheime, um vulnerable Personengruppen weiterhin zu schützen.

Was ist in der documenta-Stadt sonst noch rund um Corona in diesem Jahr passiert? Die 2G-plus-Regel im Einzelhandel und in der Gastronomie wurde abgeschafft. Eine Impfpflicht für das Gesundheitswesen und für Pflegeheime wurde beschlossen, in Kassel aber nie richtig umgesetzt. Corona-Tests wurden wieder kostenpflichtig, außer für bestimmte Personengruppen. Die ersten großen Konzerte fanden wieder im Auestadion, bei den Messehallen und der Kasseler Karlsaue statt.

Corona in Kassel: Ehemalige Ruruhaus wird zum Impfzentrum

Das ehemalige Ruruhaus wurde zum Impfzentrum umgebaut und zahlreiche Kasseler dort gegen die Omikron-Variante geboostert. Die Quarantänepflicht wurde zunächst auf fünf Tage verkürzt, dann komplett abgeschafft. Und nun, nach nahezu drei Jahren Pandemie, endlich Entlastung für das Gesundheitssystem? „Corona ist momentan für die Krankenhäuser nicht einmal ein sekundäres Problem, sondern eher ein tertiäres“, sagt Dr. Marcus Thomé.

Stattdessen habe sein Team im Kasseler Klinikum mit Influenza- und RS-Viren zu kämpfen. „Diese Krankheiten sind nun überrepräsentiert. Sie wurden vorher durch die Corona-Maßnahmen weitestgehend verhindert“, sagt er und spricht von einer „Belastungsprobe durch Influenza, RSV und Covid, wie die Krankenhäuser sie im Rahmen der Corona-Pandemie so noch nie gesehen haben“.

Corona in Kassel: Chefarzt gibt leichte Entwarnung

Der Chefarzt sieht die Pandemie noch nicht als beendet an, aber: „Wir haben es bei Corona mittlerweile mit einem Erreger zu tun, gegen den die meisten Menschen zumindest eine Teilimmunität aufgebaut haben.“ Diese Teilimmunität, die auch aufgrund der Impfbereitschaft vieler Menschen entstanden sei, senke das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt enorm und verhindere meist einen schweren Verlauf.

„Corona bekommt dadurch immer mehr die Rolle eines Schnupfens“, sagt Thomé. Da die Infektion aber noch weltweit verbreitet sei, bleibe es vom Begriff her eine Pandemie, bis die Weltgesundheitsorganisation diese aufhebe. „Sie ist aber nicht mehr vergleichbar mit der Pandemie im Frühjahr 2020.“

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