Demonstration richtete sich auch gegen Lebensrecht-Gruppen

300 demonstrierten für Legalisierung von Abtreibung in Kassel

Betroffene Frauen sollen allein entscheiden: Aktivisten demonstrierten vor dem Rathaus für die Legalisierung von Abtreibungen und zogen dann weiter bis zum Stern. Auf dem Friedrichsplatz gab es eine weitere Kundgebung.
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Betroffene Frauen sollen allein entscheiden: Aktivisten demonstrierten vor dem Rathaus für die Legalisierung von Abtreibungen und zogen dann weiter bis zum Stern. Auf dem Friedrichsplatz gab es eine weitere Kundgebung.

300 Menschen demonstrierten in Kassel für die Legalisierung von Abtreibung und gegen Lebensrecht-Gruppen.

Kassel- Der Paragraf 218 des Strafgesetzbuchs, der bestimmt, unter welchen Umständen Frauen straffrei bleiben, wenn sie abtreiben, ist spätestens seit dem Prozess um die Kasseler Gynäkologin Nora Szasz wegen verbotener Werbung für Abtreibungsmethoden auch in Kassel wieder in die Schlagzeilen geraten.

Die Gynäkologin, deren Verfahren im vergangenen Jahr vom Amtsgericht Kassel eingestellt worden war, gehörte auch zu den Rednern, die am Wochenende vor dem Rathaus bei einer Kundgebung von verschiedenen Aktivisten-Gruppen für die Legalisierung von Abtreibungen und gegen die Beratungspflicht von Schwangeren sprachen. An der Demonstration nahmen rund 300 Menschen teil, darunter auch eine Reihe von Männern.

Der eigentliche Anlass der von der kleinen Gruppe „Feminism Unlimted Kassel“ organisierten Demo, bei der die Teilnehmer mit Transparenten und begleitet von einer Trommlergruppe vom Rathaus durch die Innenstadt bis zum Stern liefen, war das halbjährliche Treffen der christlichen Lebensrecht-Gruppen (TCLG) im Friedenshof in Kassel. Dieses Treffen war jedoch wegen der Corona-Krise kurzfristig abgesagt worden. Das wurde von den Demonstranten mit Genugtuung aufgenommen. Sie erklärten sich auch solidarisch mit Bewegungen in Polen, die das dort geplante radikale Abtreibungsverbot bekämpfen.

Szasz sprach von klerikal-konservativen Bewegungen, die in ganz Europa versuchten, das Recht auf Abtreibung einzuschränken. Die Lebensrecht-Gruppen hätten die Corona-Todesopfer mit den Abtreibungsfällen verglichen. Das sei „Hetze und beleidigt die Betroffenen“ , sagte Szasz. Die inzwischen erfolgte Änderung des Paragrafen 219a im Strafgesetzbuch, wonach Ärzten nun zumindest die Information über die Möglichkeit einer Abtreibung erlaubt ist, reiche nicht. Laut der Gynäkologin kämpft eine Kollegin aus Berlin, die für Abtreibungsmethoden geworben habe, auf dem Instanzenweg noch immer um einen Freispruch. Eine weitere Kollegin aus Gießen versuche, eine Entscheidung vor dem Bundesverfassungsgericht zu erzwingen.

Ein halbes Dutzend Kasseler zeigte mit Plakaten einen stillen Protest gegen die Demonstration für freie Abtreibung. „Wir sind hier privat mit einem religiösen Hintergrund“, sagte Bertram Lenke. Der Schutz des ungeborenen Lebens komme bei der Diskussion zu kurz. Er habe unter dem Eindruck des Prozesses gegen Szasz seinerzeit eine Petition an den Landtag gerichtet. (pdi)

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