3000 Handys unterschlagen?

Kassel. Rund 3000 Mobiltelefone, die ein Kasseler Spediteur nach Großbritannien bringen sollte, waren im Februar 2006 auf dem Weg dorthin verschwunden. Der heute 43-jährige Fahrer des Lkw und sein 59-jähriger Ex-Schwiegervater sitzen jetzt auf der Anklagebank des Landgerichts, wo sie sich wegen Unterschlagung verantworten müssen.

Sie sollen, so lautet die Anklage, die Telefone umgeladen und einen Diebstahl vorgetäuscht haben, um die Sache zu vertuschen. Der mit Aufbruchspuren versehene Laster war auf einem Parkplatz in Belgien gefunden worden. Die Handys im Wert von etwa 615.000 Euro sollen die Angeklagten verkauft haben. Der Vorfall liegt sechs Jahre zurück, die Anklageschrift stammt aus dem Jahr 2007, solche durch die Justiz verschuldeten Verfahrensverzögerungen müssen sich im Strafmaß niederschlagen. In einem Gespräch zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Anwälten vor Beginn des Prozesses bot dann auch Staatsanwalt Dieter Wallbaum für den Fall eines Geständnisses Bewährungsstrafen an. Doch die beiden Verteidiger Knuth Pfeiffer und Dieter Reinemann gingen auf diesen Deal nicht ein. Und so begann die umfangreiche Beweisaufnahme, die vor der 3. Strafkammer des Landgerichts nach jetziger Planung bis Anfang Juli dauern soll und bei der diverse Zeugen gehört werden. Die beiden Angeklagten zogen es am Montag allerdings vor zu schweigen, sie hatten sich bereits bei der Polizei nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Da seit dem Vorfall sehr viel Zeit verstrichen ist, fiel es den Zeugen am Montag naturgemäß schwer, sich an Details zu erinnern. Der ehemalige Spediteur, Ex-Arbeitgeber des 43-Jährigen, konnte noch halbwegs rekapitulieren, dass er in jener Februar-Nacht einen Anruf von seinem Fahrer bekam, der ihm mitteilte, dass soeben sein Lkw samt Ladung gestohlen worden sei. Für alles was danach passierte, gebe es „viele Fragezeichen“. Der Geschäftsführer fuhr selbst nach Belgien, um seinen Siebeneinhalbtonner zurückzuholen. Das Zündschloss war herausgebrochen, ansonsten war der Transporter intakt. Die Versicherung des Unternehmens lehnte es damals ab, den Schaden zu übernehmen, unter anderem deswegen ging die Spedition pleite.

An verschiedenen Orten in Deutschland waren nach dem Verschwinden des Lkw Handys aus der Ladung als Hehlerware aufgetaucht, sie ließen sich anhand der Produktnummern identifizieren. Die Polizei, berichtete ein Beamter am Montag als Zeuge, hörte während ihrer Ermittlungen unter anderem die Telefongespräche der beiden Angeklagten ab und erstellte mit ihren Mobilfunk-Verbindungsdaten ein Bewegungsprofil, bei dem sich zeigte, dass sie zum besagten Zeitpunkt in Belgien unterwegs gewesen sein müssen.

Am 11. Juni soll der Prozess fortgesetzt werden. (pas)

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