Gewerkschaft erwartet den Höhepunkt des Warnstreiks – Kundgebung vor dem Kulturbahnhof

Warnstreik: 3500 Kasseler Metaller legten Arbeit nieder

Kassel. Trotz Regens marschierten laut IG Metall über 2500 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie am Dienstag durch Bettenhausen, die Nordstadt, Rothenditmold und die Stadtmitte zum Kulturbahnhof, um an der Kundgebung der IG Metall teilzunehmen.


Insgesamt hatten 3500 Beschäftigte in Kasseler Werken (unter anderem Mercedes, Bombardier, Krauss-Maffei Wegmann, Gebrüder Bode) ihre Arbeit niedergelegt, sagte Oliver Dietzel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Nordhessen. „Der Himmel weint über das jämmerliche Angebot, das uns die Arbeitgeber bisher gemacht haben“, sagte Dietzel. Die Antwort der Arbeitnehmer könne deshalb nur ein Warnstreik sein.
Aktualisiert um 17.55 Uhr

Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld, die unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten und mehr Mitbestimmung bei der Leiharbeit. Wenn von Arbeitgeberseite bei den Verhandlungen in Baden-Württemberg keine „eindeutigen Signale“ kämen, „dann gibt es Streik“, kündigte Dietzel an. Deutschland habe wirtschaftlich noch nie so gut dagestanden wie zur Zeit. Die Metall- und Elektroindustrie sei die erfolgreichste Branche in Europa, sagte Dietzel. Im vergangenen Jahr seien hier über 50 Milliarden Euro verdient worden, Managergehälter seien um über 50 Prozent gestiegen.

„Und uns will man mit kleinem Lohn abspeisen.“ Applaus der Arbeitnehmer mit roten Kappen und Schirmen, Trillerpfeifen im Chor. Es reiche nicht aus, dass die Arbeitgeber ihren Dank mit „warmen Worten“ bei Betriebsversammlungen zum Ausdruck brächten, sagte Michael Rudolph, Vorsitzender DGB-Region Nordhessen. Die Anerkennung für die Leistung der Arbeitnehmer müsse auch in einem sicheren Arbeitsplatz und im Geldbeutel spürbar werden.

Warnstreik: 3500 Kasseler Metaller legten Arbeit nieder

Die IG Metall fordert die Übernahme aller Azubis in einen unbefristetes Arbeitsverhältnis. Eine Forderung, die von den Arbeitgebern auch als Zwangsheirat bezeichnet worden wäre, sagte Rudolph. „Wenn das Übernehmen von Auszubildenden Zwangsheirat ist, dann ist Leiharbeit Prostitution.“

Renate Müller, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von VW in Baunatal, überbrachte den Teilnehmern der Kundgebung herzliche Grüße des VW-Betriebsrats und der Vertrauensleute. „Wir unterstützen eure Forderung von 6,5 Prozent“, sagte Müller. Nur durch die Arbeitskraft und das Engagement der Arbeitnehmer sei Deutschland aus der Krise herausgekommen. Worte, die ankamen und Wirkung zeigten. Am Ende der Kundgebung hörte es sogar zu regnen auf. (use)

Rubriklistenbild: © Laumann

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