Künstlergruppe schlägt vor, mit Sozialarbeitern die Probleme auf Lutherplatz zu lösen

30 000 Euro für eine Idee

Treffpunkt für die Szene: Wegen der Alkohol- und Drogenkranken fühlen sich viele Passanten und Anlieger am Lutherplatz unwohl.

Kassel. Die Einrichtung eines Trinkraums, der unter anderem am Lutherplatz zu einer Entspannung der Probleme mit der Trinker- und Drogenszene führen soll, ist vorerst geplatzt. In der Zwischenzeit hat eine Künstlergruppe aus Wien innerhalb von zwei Monaten ein Konzept entwickelt, wie die Situation rund um die Kirche verbessert werden kann. Sie setzt auf Sozialarbeit vor Ort, die vermitteln soll zwischen den Anrainern und den Süchtigen, die den Platz als Treffpunkt nutzen.

Die Kosten von 30 000 Euro für die Arbeit der Künstlergrupe trägt der Stadtkirchenkreis mit Unterstützung der Landeskirche. Auf die Frage, ob man so viel Geld ausgeben muss, um auf diesen naheliegenden Vorschlag zu kommen, sagte Heike Schaaf vom Stadtkirchenkreis: „Manchmal braucht es eine neutrale Gruppe mit der Sicht von außen, um so eine Idee zu finden.“ Jetzt zu sagen, man hätte das Geld besser gleich in Sozialarbeit stecken können, lasse außer acht, dass der Vorschlag vorher nicht auf dem Tisch lag. Bisher gibt es keine aufsuchende Sozialarbeit am Lutherplatz.

Die vierköpfige Gruppe „Wochenklausur“ aus Wien hat sich seit Februar mit der Lage um dem Platz befasst, viele Gespräche mit Anrainern, Passanten und der Szene auf dem Platz, mit Stadt, Kirche und Polizei geführt. Dass es für die Problematik mit Suchtkranken in der Stadtöffentlichkeit keine ideale und endgültige Lösung geben werde, sei klar, sagte Manfred Rainer. Von der Idee der „mobilen Sozialarbeit mit Schlichtungsfunktion“, wie es die Künstler nennen, verspreche man sich aber eine spürbare Entlastung für alle Beteiligten. Ziel sei gewesen, adhoc eine mögliche Lösung zu finden. Dabei gehe es nicht darum, die Trinker- und Drogenszene zu vertreiben, sondern „mit der Situation so zu arbeiten, wie sie jetzt ist“, ergänzte Nadja Klement.

Dabei schwebt der Gruppe vor, zwei unabhängige Vermittler (sogenannte Ombudpersonen) auf dem Platz einzusetzen, die in Sozialarbeit und Konfliktmanagement ausgebildet sind. Sie sollen Ansprechpartner sein und zwischen den verschiedenen Interessen der Nutzer des Platzes vermitteln. In Absprache mit Ordnungsamt und Polizei sollten sie auch Regeln für den Platz aufstellen dürfen. Zudem sollten sie die Suchtkranken adäquat betreuen können. Denkbar sei daher, das Projekt bei der Drogenhilfe oder dem Diakonischen Werk anzusiedeln.

Die Kosten für zwei Halbtagsstellen schätzt die Künstlergruppe auf 60 000 Euro pro Jahr. Sie schlägt eine gemeinsame Finanzierung von Stadt und Kirche vor. „Unser Vorschlag ist umsetzbar, es gehört aber der Wille dazu, das zu finanzieren.“

Noch bis 20. April ist die Wochenklausur am Lutherplatz. Ab Montag sollen in einer kleinen Hütte, die die Künstler derzeit im Innenhof der Kirche aufbauen, Gespräche zwischen Vertretern von Stadt, Kirche, Suchtberatung und Co. stattfinden. Außenstehende können allerdings nicht zuhören. Die Idee sei, in einer geschützten Atmosphäre die Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen, um einer Lösung am Lutherplatz näher zu kommen.

Am Donnerstag, 19. April, 19.30 Uhr, findet in der Lutherkirche eine Abschlussveranstaltung statt. Susanne Jakubczyk (Ev. Forum) interviewt die Künstler. Auch Besucher können Fragen stellen.

www.wochenklausur.at

Von Katja Rudolph

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