So funktioniert die Kasseler Schleuse

Kassel. Das mögliche Ende der Kasseler Schleuse im Jahr 2016 hat für große Aufregung gesorgt. Die dramatischen Konsequenzen haben viele überrascht - und manch einer mag sich fragen: Wie funktioniert eine Schleuse? Wozu ist sie überhaupt da?

Eine Schleuse ist dazu da, damit ein für die Schifffahrt aufgestauter Fluss von Booten befahren werden kann. Anders gesagt: Ohne Staustufen würde sich die Fulda durch das große Gefälle von der Quelle bis zur Weser in einen ziemlich reißenden Fluss verwandeln. Um den Fluss zu verlangsamen und schiffbar zu machen, wurden Staustufen gebaut. Die können Schiffe aber nur durch Schleusen passieren, die den Höhenunterschied überwinden.

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Das funktioniert so: Nehmen wir an, wir fahren mit einem Boot von Kassel nach Hann. Münden. Die Kasseler Schleuse ist mit Wasser gefüllt. Das Tor ist offen, die Ampel vor der Schleusenkammer steht auf Grün - wir dürfen also einfahren.

Fotos: So funktioniert die Kasseler Schleuse

So funktioniert die Kasseler Schleuse

Ist das Boot in der Schleuse festgemacht, schließt der Schleusenwärter das Tor, durch das wir eingefahren sind. Das Tor am anderen Ende ist zu. Dann beginnt der Schleusenwärter das Wasser in der Schleuse abzulassen - schließlich müssen wir auf das Wasserniveau kommen, das vor der Schleuse Richtung Hann. Münden herrscht.

Der Schleusenwärter setzt per Knopfdruck also einen Elektromotor in Gang, der sogenannte Schütze oder Schieber öffnet. Das Wasser aus der Schleuse strömt durch Öffnung hinaus, wir schweben sozusagen mit unserem Boot auf dem Wasser in die Tiefe.

Hat das Wasser in der Schleuse das Höhenniveau des Wassers der Fulda Richtung Münden erreicht, öffnet der Schleusenwärter wieder per Knopfdruck das Tor.

Wir können hinaus. In umgekehrter Richtung funktioniert es ähnlich. Genau 2,80 Meter Höhenunterschied werden so durch die Kasseler Schleuse überwunden. Weiter flussabwärts in Wahnhausen sind es über acht Meter. Eine Schleusung dauert in Kassel etwa zehn Minuten. Freizeitkapitäne müssen dabei immer die Berufsschifffahrt, also die Ausflugsdampfer, vorlassen. Bis 1952 war nach Auskunft des Wasser- und Schifffahrtsamtes die Stadt Kassel Betreiber. Und früher gab es auch noch eine Mautgebühr für die Benutzung der Schleuse. Wie rege die Schleuse benutzt wird, zeigen Zahlen aus dem letzten Jahr: Bei 3378 Schleusungen wurden 5079 Kleinboote gezählt, die die Schleuse passierten. Dazu kamen 800 Fahrten der Ausflugsdampfer. So kommt man auf mehrere Zehntausend Menschen, die im Jahr die Schleuse passieren.

Von Frank Thonicke

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