Gegenseitige Schuldzuweisungen im Prozess

Betrug mit fingierten Unfällen? Angeklagte sollen 40.000 Euro kassiert haben

Kassel. Sie sollen Unfälle fingiert haben und so von Versicherungen insgesamt etwa 40.000 Euro zu unrecht erhalten haben. Nun wird ihnen der Prozess gemacht.

Wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Betrugs und gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrugs müssen sich seit Dienstag sechs Angeklagte zwischen 40 und 58 Jahren aus Kassel und Umgebung vor dem Amtsgericht Kassel verantworten. Gegen eine siebte Angeklagte wurde das Verfahren bereits zu Beginn eingestellt, weil die Betrugsvorwürfe gegen sie offensichtlich haltlos waren.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, im wechselseitigen Zusammenwirken von Mai 2010 bis Juni 2011 gegenüber verschiedenen Versicherungsunternehmen Kfz- und Motorschäden aus fingierten Unfällen sowie aus einem vorgetäuschten Diebstahl abgerechnet zu haben.

Ins Rollen gebracht hatte das Verfahren die ehemalige Lebensgefährtin eines der Angeklagten, die ebenfalls auf der Anklagebank sitzt. Sie hatte bei der Polizei eine Anzeige erstattet und die Betrugsvorwürfe erhoben. Als Motivation gab sie an, von ihrem Lebensgefährten bedroht und mit einem Betrugsfall erpresst worden zu sein. „Ich wollte mit dieser Bedrohung so nicht mehr leben“, sagte sie.

Sie wirft ihrem Ex-Lebensgefährten unter anderem vor, einen Schaden an ihrem Audi A4 durch einen fingierten Unfall verursacht zu haben. Demnach soll ein Sattelschlepper den Wagen absichtlich gerammt haben, als er an einer Straße im Industriepark Kassel an der Straße abgestellt war. Der Schaden: 13.782 Euro.

Um die Schadensregulierung habe sich Lebensgefährte gekümmert. Sie habe als Fahrzeughalterin lediglich ihre Unterschrift unter den Schriftverkehr gesetzt.

Die Version des Speditionsfahrers klingt anders: Der Fahrer – ebenfalls auf der Anklagebank – will nach einer Biene geschlagen haben, die ins Fahrerhaus geflogen sein soll. Er habe Panik bekommen, nach ihr geschlagen und auf dem Boden getrampelt. Durch die Ablenkung habe er das an der Straße geparkte Auto gestreift.

Der Ex-Lebensgefährte der Frau erzählt in Bezug auf die gesamten Vorwürfe eine komplett andere Version: „Alles erstunken und erlogen“, sagte er. Das Hauptmotiv für die Beschuldigungen sei Rache für die angeblich als ungerecht empfundene Behandlung in der Beziehung.

Neben dem Unfall im Industriepark gab es weitere, beispielsweise zwei mit Schäden an Harley Davison-Motorrädern sowie einen Motorraddiebstahl. Laut eines Sachverständigen können die Schadensmuster durchaus infolge der geschilderten Unfalhergänge entstanden sein. Die Verhandlung wird fortgesetzt, der Termin ist noch offen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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